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Kommentar:Ein paar Busse reichen nicht

Um ein Verkehrschaos zu verhindern, müssen Bahn und MVV umgehend mit dem Landratsamt für die Zeit der Bauarbeiten auf der Linie der S4 einen Notfallplan erarbeiten, der alle Bedenken berücksichtigt

Dass die Bahn AG mitunter Gleise austauschen muss, ist eine Selbstverständlichkeit und dient dem Wohl der Kunden. Das bedeutet in der Regel, dass der Zugverkehr eingeschränkt wird, ist aber nicht zu ändern. Dass die Bahn einen Großteil der Reparatur auf der Strecke der S 4 auf die Sommerferien verlegt hat, ist umsichtig. Bei einem Redaktionsgespräch im Herbst hatte der Geschäftsleiter der S-Bahn München die Zahl der Pendler pro Zug auf der S 4 im Berufsverkehr mit unter 700 angegeben. Das heißt alle 20 Minuten müssten etwa zwölf bis 14 Busse bereitstehen, insgesamt eine Flotte von vielleicht 60 Fahrzeugen.

Das ist machbar, gleichwohl ist die Sorge von Landrat Thomas Karmasin (CSU) vor chaotischen Szenen durchaus berechtigt: Pendler werden auf das Auto umsteigen und die Staus auf den Straßen verlängern, in denen Busse des Schienersatzverkehrs dann stecken bleiben werden. Viele werden versuchen, auf andere S-Bahn-Linien auszuweichen und in Regionalbusse drängen, um zu anderen Bahnhöfen zu gelangen oder mit ihren Autos dort alles zuparken. Deshalb wäre es sehr sinnvoll gewesen, wenn die Bahn AG, der MVV und die Experten aus dem Landratsamt sich vor Monaten zusammengesetzt hätten, um einen Plan auszuarbeiten, bei dem alle Optionen ausgeschöpft werden, um die Pendler so schnell und effektiv wie möglich an ihre Ziele zu bringen. Die Bahn und der MVV sollten dankbar sein, dass der Landrat ihr Versäumnis wettmachen will und seinem Gesprächsangebot umgehend nachkommen. Nur Schienenersatzverkehr anzubieten, ist zu wenig.

Zu befürchten ist, dass die Verantwortlichen bei der Bahn AG stattdessen wieder mal sinnvolle Vorschläge aussitzen und das mit der charmanten Haltung begründen, alles besser zu wissen. Den Schaden hätten jene, die sich im Sommer die Beine in den Bauch stehen und zu spät kommen werden.

© SZ vom 21.04.2015
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