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Kommentar:Die CSU verweigert sich

Wie eh und je als Partei der Autofahrer geriert sich der Olchinger Ortsverband und will den zweiten Aktionstag zur Verkehrsberuhigung verhindern

Von Ingrid Hügenell

Wie sehr es Teilen der Olchinger CSU an Verständnis für Sinn und Notwendigkeit der Verkehrkehrberuhigung mangelt, zeigen die Reaktionen auf den Aktionstag am Samstag deutlich. Diese Partei ist in weiten Teilen wie eh und je eine Autofahrer-Partei. Wie sonst käme man auf die skurrile Idee, just an so einem Tag bewusst mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Der Versuch, den zweiten Aktionstag mit zumindest fragwürdigen Behauptungen, wenn nicht sogar erfundenen Fakten (70 Radler!) zu stoppen, ist äußerst bedauerlich. Denn wenn die Klimakatastrophe aufgehalten werden soll, müssen wir wegkommen vom Autoverkehr mit seinen vielen Emissionen. Dann müssen mehr Leute radeln und zu Fuß gehen. Das wollen viele auch, und sie wollen sich dabei sicher fühlen.

Der schrille Ton, in dem der CSU-Antrag formuliert ist, ist nicht nur unangemessen. Er erschwert leider auch die notwendige Diskussion darüber, wie man den zweiten Aktionstag besser gestalten könnte und welche Möglichkeiten es generell gibt, die Hauptstraße attraktiver und für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu gestalten. Dass das notwendig ist, zeigt ja gerade der Unfall vom Samstag, bei dem ein rücksichtsloser Autofahrer mit einer Großraumlimousine einen Radler zu Sturz brachte. Die Autos müssen und können dabei nicht vollständig weichen. Aber zurückdrängen könnte man sie schon. Die Olchinger CSU verweigert sich dem. Dabei ist im Grunde vieles, was sie vorbringt, ein Argument für die Verkehrsberuhigung, nicht dagegen. Wenn Kinder in Lastenfahrrädern nicht sicher transportiert werden können, dann läuft tatsächlich etwas falsch. Aber eben nicht bei den radelnden Eltern, sondern bei den Autofahrern, die meinen, die Straße gehöre nur ihnen. Die Straße ist jedoch für allen Verkehrsteilnehmer da, und die stärksten, die in den Autos, müssen Rücksicht nehmen auf die Schwächeren. Das sollten auch Maria Hartl und ihre Parteifreunde einsehen. Wie der gemeinsame Raum für alle besser genutzt werden kann, das sollen die Aktionstage zeigen. Wenn das beim ersten Mal noch nicht perfekt geklappt hat, ist das ein Grund, es am 5. September besser zu machen, und nicht, es gar nicht mehr zu versuchen.

© SZ vom 05.08.2020
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