Kommentar Die Bahn als Prellbock

Wenn die Bahn baut, kann nicht alles so sein wie sonst. Doch einen besseren Schienenersatzverkehr, das müsste sie hinbekommen

Von Peter Bierl

Es gibt kaum etwas, das die Bahn AG tut, ohne die Fahrgäste zu verärgern. Das ist bisweilen ungerecht. Störfälle und Verspätungen sind nie ganz auszuschließen, und die Weichen stellt in vielen Fällen nicht das Unternehmen, sondern die Politik - siehe den misslungenen Ausbau der S 4. Der geplagte Pendler darf sich in seiner Eigenschaft als Wähler selbst an die Nase fassen, wenn er für Leute stimmt, die den Aufbau eines modernen Schienenverkehrs nicht voranbringen.

Wenn die Bahn AG Gleise und Weichen reparieren lässt, kann niemand erwarten, dass der Betrieb während der Arbeit reibungslos funktioniert oder gleichwertig ist. Dennoch ist die Kritik am Schienenersatzverkehr, den die Bahn AG in den nächsten Wochen und Monaten für die S 4 einrichtet, berechtigt, weil nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Denn ob die Bahn will oder nicht, selbstverständlich werden Pendler aus Bruck, Eichenau oder Puchheim ins Auto steigen oder sich in die wenigen Regionalbusse quetschen, um die Bahnhöfe der S 3 und S 8 in Gröbenzell, Olching oder Germering zu erreichen.

Darum hatte der Landrat völlig recht, als er die Verantwortlichen aufrief, darauf zu reagieren. Die Bahn soll zusätzliche Busse einsetzen, um diese Querverbindungen zu verbessern. Dass es auf der S 3 oder S 8 an Kapazitäten mangelt, ist schwer nachvollziehbar. Die Schüler fahren während der Ferien nicht und Züge, die sonst auf der S 4 verkehren, müssten doch zusätzlich dort eingesetzt werden können. Wieder einmal blockt die Bahn AG erst einmal ab und weiß alles besser, ähnlich wie beim S 4-Ausbau, wo ihre Experten jahrelang ein drittes Gleis als erste Stufe als zu popelig abgetan haben. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sich Vertreter der Bahn AG und des MVV jetzt mit Experten des Landratsamtes treffen, um einen besseren Ersatzfahrplan für die Sommerferien auszutüfteln.