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Kommentar:Beschönigung des Stillstands

Wenn es um die Wünsche der Puchheimer für ihren Bahnhof geht, geht es auch immer um Verzögerungen. Verursacht von Politikern ohne Plan und Ziel

Von Peter Bierl

Der jahrelange Kampf hat nichts gefruchtet. Der Puchheimer Bahnhof wird wohl auf eine Weise barrierefrei umgebaut, die die Bürger so nicht haben wollen. Das wiederum hängt mit dem Trauerspiel um den Ausbau der S 4 zusammen, der sich ewig hinauszögert, weil die bayerische Staatsregierung, also die CSU samt ihren zeitweiligen Koalitionspartnern FDP und FW, in Jahren und Jahrzehnten nichts zustande gebracht hat, außer Ankündigungen und viel Geld zu verplempern für Expertisen, deren wesentliche Funktion darin besteht, den Stillstand zu beschönigen.

So dient auch die neue Machbarkeitsstudie, derzufolge zwischen Pasing und Eichenau Platz für ein viertes Gleis freigehalten werden soll, jetzt erst einmal dazu, den Bau eines Außenbahnsteigs im Norden der Gleise abzuwehren, den die Bürger dem Ministerium abgerungen hatten und der für 2022 zugesagt worden war. Das wäre die einfachste Lösung für alle Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen oder schwerem Gepäck, um schnell und ohne fremde oder technische Hilfe in die S-Bahn steigen zu können. Die Regierung und die Bahn AG hatten dagegen einen Fußgängertunnel mit Aufzug zum alten Mittelbahnsteig favorisiert. Senioren und Behinderte protestierten, wegen der langen Rampen, dem engen, dunklen und langen Tunnel und einem Lift, der ausfallen kann und schon mal über Monate stillsteht.

Der Stadtrat steht nun vor der Entscheidung, diese Lösung zu akzeptieren, oder es könnte vor dem dreigleisigen Ausbau um 2030 keine Barrierefreiheit geben. Von Erpressung kann man aber nicht sprechen, denn wir bewegen uns in jedem Fall in den unendlichen Weiten der Absichtserklärungen. Ob das dritte Gleis wirklich 2030 verlegt oder der Bahnhof nach drei Jahren gründlichster Planung und mindestens einem Jahr Planfeststellungsverfahren um 2025 oder 2026 barrierefrei umgebaut wird, das steht gleichermaßen in den Sternen. Gewiss ist nur, dass die facettenreiche Malaise auf dieser Bahnlinie noch lange andauern wird und alle schönen Worte von Berufspolitikern über eine klimafreundlichere Mobilität Lügen straft.

© SZ vom 18.06.2021
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