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Gründerpreis:Auf dem Weg nach oben

Die Sparkasse zeichnet die besten Startups aus: eine Elektrotechnikfirma und ein Physiotherapiezentrum aus Fürstenfeldbruck sowie eine Orthopädie-Schuhmacherwerkstatt aus Olching

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Gründerpreis

Stelldichein von Finanz- und Wirtschaftswelt (von links): Frank Opitz, Peter Harwalik (beide Sparkasse), Enrico Santoro, Sparkassenchef Klaus Knörr, Christian Weber, Klaus Kriechebauer, Andreas Sextl und Patrick Meister.

(Foto: Günther Reger)

Klaus Kriechebauer und Christian Weber stemmen am Freitag den Glaspokal in die Höhe. Die Chefs einer Brucker Elektrofirma sind nicht Weltmeister, wohl aber Sieger des Gründerpreis-Wettbewerbs der Sparkasse. Dieses Jahr wurden zum achten Mal die drei besten Start-ups unter den Partnern der Sparkasse prämiert. Auf Platz zwei und drei landeten ein Brucker Therapiezentrum sowie ein Schuhtechnikgeschäft aus Olching, insgesamt ist der Preis mit 3500 Euro dotiert.

Sparkassenchef Klaus Knörr macht es in der Hauptstelle spannend. Bevor die Firmen ihre Platzierung erfahren und beim feierlichen Mittagessen in der Osteria Italiana La Rosa auf den Erfolg angestoßen wird, lobt er das Engagement, den Mut und die Leistungsbereitschaft der Unternehmer und streicht die Bedeutung von Unternehmensgründungen für einen florierenden Wirtschaftsstandort heraus. Es sei so etwas wie eine Win-Win-Situation, erklärt später Vorstandsmitglied Peter Harwalik: Betriebe können mit dem Preis, der sie gleichzeitig für den Wettbewerb auf der nächsthöheren Ebene qualifiziert, ihr Niveau belegen und damit werben. Und die Sparkasse demonstriert ihr Engagement bei der Finanzierung des Mittelstands.

Klaus Knörr

"Sie übernehmen Verantwortung und schaffen Ausbildungs- und Arbeitsplätze"

Kriterien waren unter anderem das Konzept der Unternehmensplanung, die Rentabilitätsentwicklung ,, Alleinstellungsmerkmale sowie die erfolgreiche Markteinführung. Knörr lobte die Gründer dafür, dass sie "Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, etwas wagen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen". Bei der letztjährigen Auflage siegten ein Reparaturbetrieb von Elektromaschinen, ein auf Verkäufer-Schulungen spezialisierter Betrieb sowie ein Medizintechnik-Unternehmen, ein Jahr zuvor war eine Hotelneugründung, ein Datenrettungsspezialist und ein Autoreparaturbetrieb ausgezeichnet worden.

Kriechebauer-Weber E-Technik

Die Chefs von Kriechebauer-Weber packen mit an.

(Foto: oh)

Klaus Kriechebauer, 58, startete gemeinsam mit seinem Kompagnon Christian Weber, 34, vor zwei Jahren durch. Zuvor war er leitender Mitarbeiter von Elektro-Schröter. Als feststand, dass der 79-jährige Helmuth Schröter dichtmachen würde und eine Übernahme des Betriebs aus Kostengründen nicht in Frage kam, sprang Kriechebauer ab und machte sich im Juni 2016 an der Schöngeisinger Straße in Fürstenfeldbruck selbständig. Heute beschäftigen er und Christian Weber bereits zehn Mitarbeiter und suchen händeringend Auszubildende und weitere Fachkräfte. Aufträge im Bereich Elektroinstallation, Netzwerktechnik, Beleuchtung oder Umstellung auf LED gibt es genug, die Auftragsbücher sind voll. Der neueste Trend ist das Smart-Home, also die Fernsteuerung per Handy. Theoretisch kann man von Mallorca aus dem Paketboten daheim das Garagentor öffnen und per Videoüberwachung sicher stellen, dass alles korrekt abläuft. Spannend sei das alles, sagt Kriechebauer, der 42 Jahre Berufserfahrung hat. "Und man weiß, wofür man arbeitet, auch wenn man schon mal am Samstag oder Sonntag ran muss."

Therapiezentrum Wexelpunkt

Im Wexelpunkt-Therapiezentrum wird ein Patient auf dem Airwalk behandelt.

(Foto: privat)

Andreas Sextl, 34, und sein Kompagnon Patrick Meister, 39, ergänzen sich perfekt. Der eine ist Physiotherapeut, der andere Betriebswirt. An der Maisacher Straße in Fürstenfeldbruck haben sie vor gut einem Jahr das Physiotherapiezentrum "Wexelpunkt Sextl und Meister" eröffnet. Angeboten werden dort neben Physiotherapie auch Ergotherapie, Logopädie, Fußpflege sowie Reha. Im Zuge der gerätegestützten Krankengymnastik gibt es einen sogenannten Airwalk, bei dem Patienten beim Training auf dem Laufband durch die Befestigung an einer Art Kranausleger entlastet werden. Auch Sextl und Meister würden über die 13 Mitarbeiter hinaus gerne weitere Fachkräfte einstellen, finden zurzeit aber kaum geeignete Bewerber.

Santoro Schuhtechnik

Enrico Santoro schleift eine sensomotorische Sportschuheinlage.

(Foto: privat)

Perfekter Businessplan, tolle Homepage - Sparkassenchef Klaus Knörr war voll des Lobes über die Neugründung von Enrico Santoro, der im April 2016 an der Feursstraße in Olching seinen Betrieb "Einlagen und Schuhtechnik" eröffnet hat. Der 32-Jährige, der dabei von seiner Frau Claudia sowie drei Mitarbeitern unterstützt wird, hat diesen Schritt nie bereut, auch wenn er es in seinem Ausbildungsbetrieb, der vom früheren Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Klaus Pleil geführt worden war, bis zum Werkstattleiter gebracht hatte. Santoro, der sich vor allem auf passgenaue, sensomotorische Einlagen spezialisiert hat, schätzt den Kontakt zu Kunden.

Die Zahl der Firmengründungen im Landkreis Fürstenfeldbruck ist der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge rückläufig - erklärt wird das unter anderem mit zunehmender Bürokratie, aber auch mit Fachkräftemangel und geringer Arbeitslosenquote. 2016 gingen die Neuanmeldungen im Vorjahresvergleich um 4,1 Prozent zurück - 1632 Betriebe wurden in diesem Jahr neu gegründet. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises richtet regelmäßig Existenzgründermessen, -sprechtage und -seminare aus. Harald Hof von der IHK (info@harald-hof.de) berät ebenfalls beim Schritt in die Selbständigkeit.

© SZ vom 06.10.2018
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