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Germeringer Comicnacht:"Beliebt sind die Klassiker"

Christine Förster-Grüber, Jahrgang 1966, leitet die Stadtbibliothek in Germering mit zehn Mitarbeitern. Obwohl bei der Lesenacht die Erwachsenen oft wach bleiben, hatte sie noch nie Probleme, Kollegen dafür zu gewinnen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Christine Förster-Grüber über den Imagewandel und die Chancen der Bildergeschichten

Die ganze Nacht mit der Taschenlampe lesen. Keine Weltliteratur, sondern Comics. Das können Kinder zwischen neun und zehn Jahren in der Nacht zum Sonntag in der Stadtbibliothek Germering. Dabei waren Donald Duck und seine Freunde vor ein paar Jahrzehnten noch verpönt, sie hätten einen schlechten Einfluss auf die Kinder, hieß es. Das schlechte Image ist heute verschwunden. Die SZ sprach mit der Leiterin der Stadtbibliothek, Christine Förster-Grüber, über die Hintergründe.

SZ: Frau Förster-Grüber, ist das die erste Comicnacht in der Stadtbibliothek und wie ist die Idee entstanden?

Christine Förster-Grüber: Die Bibliothek feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen in dem neuen Haus. Genauso lange gibt es auch die Lesenacht am Beginn der Sommerferien. Dabei können die Kollegen ganz frei ein Thema vorschlagen. Letztes Jahr war es zum Beispiel die Harry-Potter-Lesenacht. Die Idee zu einer Comicnacht kam von Anita Vöhringer, sie leitet das Sachgebiet Comics. Für die Organisation federführend verantwortlich ist Veronika Stöckl, die Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek. Die Lesenacht ist für uns als Team ein Highlight. Es gab noch nie Schwierigkeiten Mitarbeiter zu gewinnen, die bereit sind, sich am Wochenende eine Nacht im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren zu schlagen.

Vor ein paar Jahrzehnten noch waren Comics unter Erwachsenen verpönt, galten als Schundliteratur, die die Sprache der Kinder verdirbt. Jetzt lädt eine Bibliothek Kinder ein, eine ganze Nacht mit Comics zu verbringen. Haben Comics inzwischen ein besseres Image?

Ich komme noch aus der Generation, in der man dachte, Comiclesen verdirbt die Sprache. Mindestens. Aber das hat sich komplett gewandelt. Weil viele, die damals gerne Comics gelesen haben, inzwischen selbst Kinder haben. Und weil keines der Vorurteile sich bewahrheitet hat. Comics sind für uns in der Stadtbibliothek, aber auch für alle anderen Büchermenschen, also Personen, die beruflich mit Büchern zu tun haben, eine eigene Gattung. Die ist absolut anerkannt. Aber nicht alles ist gut. Wie in jedem anderen Bereich auch gibt es gute und schlechte Comics. Und man kann einen Brückenschlag zu den Graphic Novels machen. Beides sind in Bildern erzählte Geschichten, die die Fantasie anregen und einen kreativer werden lassen.

Wie beliebt sind Comics bei Kindern?

Sehr. Wir haben eine unheimlich hohe Entleihungszahl. Ganz besonders beliebt sind bei uns weiterhin die Klassiker, Walt Disney, Donald Duck, das läuft rauf und runter. Oder diese Mickey-Maus-Sammelbände, die sind auch sehr beliebt. Asterix und Obelix ist auch der absolute Renner. Oder auch die Schlümpfe. Wir bieten auch Mangas an, die japanischen Comics, aber die sind weniger gefragt.

Generell scheint es für Eltern immer schwieriger, ihre Kinder fürs Lesen zu begeistern. Können Comics helfen?

Auf jeden Fall ja. Auf Frau Vöhringer von der Comicabteilung kam einmal ein Vater zu. Durch Comics ist mein Sohn zum Lesen von Fließtexten gekommen, erzählte er. Die Kombination von kurzen Sätzen mit bunten Bildern und einer spannenden Geschichte, ich glaube, das ist der Reiz der Comics. Und das kann Kinder unterstützen und helfen, das Lesen zu lernen. Das ist am Anfang anstrengend und mühsam. Aber es lohnt sich. Auch Internet geht nicht ohne Lesen. Das Erlernen der Kulturtechnik Lesen muss gefördert werden, nicht mit der Holzkeule, sondern mit Spaß und Freude.

Was genau erwartet die Kinder bei der Comic-Lesenacht?

Da möchte ich mich ein bisschen bedeckt halten und nicht zu viel verraten. Wir begrüßen die Kinder um halb acht und dann dürfen sie sich schon einmal ihren Schlafplatz aussuchen. Danach gibt es ein buntes Programm bis Mitternacht. Wir werden Comics von unterschiedlichen Seiten betrachten, die Kinder dürfen zu den Comics basteln und rätseln. Ab Mitternacht liegen sie in ihren Schlafsäcken und dürfen, wenn sie ganz leise sind, mit Taschenlampe lesen so lange sie wollen. Geschlafen, würde ich mal sagen, wird maximal vier bis sechs Stunden, und die Betreuer teilweise gar nicht, manchmal in Schichten. Um acht Uhr etwa am nächsten Morgen gibt es Frühstück, dann werden die Kinder von den Eltern abgeholt.

Kann man sein Kind noch für die Comicnacht anmelden?

Ja, die Anmeldung ist auch am Samstag noch möglich, direkt in der Bibliothek, von 10 bis 13 Uhr. Oder wenn es ganz spontan gehen soll noch um 19 Uhr hier am Haupteingang. Wichtig ist, dass ein Elternteil dabei ist für die Unterschrift.

© SZ vom 27.07.2019
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