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Germering:Wohnungen auf dem Acker

Pläne für Kreuzlinger Feld nehmen weitere Hürde

Von Ingrid Hügenell, Germering

Der Stadtrat hat den Bebauungsplan für das Kreuzlinger Feld in all seinen Teilen einen Schritt weitergebracht. Auf dem Acker im Westen der Großen Kreisstadt soll ein großes Wohngebiet mit Geschäften, einer Schule und Kindertagesstätte entstehen. Entwickelt wird das Gelände von einem Investor, dem Allinger Bauunternehmer Thomas Vilgertshofer.

Vor den Beschlüssen wurde einige Zeit darüber diskutiert, ob tatsächlich gewährleistet ist, dass Schule und Kita fertig sind, wenn die ersten der womöglich 2500 Menschen in ihre Wohnungen einziehen werden. Thomas Langnickel, Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswertes Germering" (BI), hatte dazu einen Antrag eingebracht, der ausnahmsweise im Stadtrat behandelt wurde, weil die Bürgerversammlung coronabedingt ausgefallen war.

Er forderte darin, die Erteilung des Baurechts zurückzustellen, bis drei Voraussetzungen erfüllt seien: Die Stadt solle sicheren Zugriff auf das Grundstück für Schule und Kita haben, die Finanzierung des Gesamtvorhabens gesichert und einem Architekten der Zuschlag für Planung und Projektsteuerung erteilt sein.

Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) warnte ausdrücklich vor dem letzten Punkt. Die Stadt könne nicht teure Planungen in Auftrag geben, bevor der Bebauungsplan wirklich beschlossen sei. Denn das würde ein finanzielles Risiko bedeuten - selbst wenn doch nicht gebaut würde, müsste die Stadt für die Leistungen des Architekten bezahlen. Die anderen Punkte nannte der OB selbstverständlich: "Die Verwaltung braucht keinen solchen Beschlüsse, weil sie ohnehin dafür Sorge tragen muss, dass es die Schule und die Kita gibt." Dazu gebe es eine Selbstverpflichtung. Der Stadtrat beschloss dennoch mehrheitlich einen Antrag der CSU-Fraktion, der Langnickels Antrag modifizierte.

Daniel Liebetruth, Fraktionsvorsitzender der SPD, warf anschließend, wie schon im September im Bauausschuss, einige Grundsatzfragen auf. Er wollte geprüft haben, ob die Stadt selbst das Kreuzlin- ger Feld entwickeln könne, über eine städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM). Dazu wollte er den Bebauungsplan für ein Jahr auf Eis legen. Insbesondere kritisierte Liebetruth, dass in dem Baugebiet kein dauerhaft günstiger Wohnraum entstehe. 30 Prozent der Wohnungen sollen zu günstigeren Preisen vermietet werden, allerdings nur für 30 Jahre. Eine SEM komme in Betracht, wenn ihre Ziele nicht mit anderen, weniger einschneidenden Mitteln erreicht werden könnten. Das habe die Stadt geprüft, sagte Stadtbaumeister Thum. Das Ergebnis: Ein SEM sei nicht erforderlich. Denn die Investoren hätten sich in einer Vereinbarung mit der Stadt verpflichtet, Ziele und Maßgaben der Stadt einzuhalten. Haas sagte deutlich verärgert, wer eine SEM ins Spiel bringe, "führt die Menschen in die Irre, wenn die Stadt keinen günstigen Grund kaufen kann". Die Grundstücke am Kreuzlinger Feld seien aber schon an die Investoren verkauft. Der Antrag der SPD wurde abgelehnt.

Mehrheitlich übernommen hat der Stadtrat hingegen die Beschlüsse des Bauausschusses vom September, und ebenso für die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans gestimmt. Die überarbeiteten Pläne werden nun erneut ausgelegt, wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten des Rathauses in der Corona-Pandemie nicht wie sonst üblich für vier, sondern für acht Wochen.

© SZ vom 21.01.2021
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