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Germering:Pläne für Hospiz werden konkret

Palliativ-Pflege, 2012

Begleiter in den letzten Lebenswochen: Hospizbewohner bekommen viel Beistand durch Pflegekräfte und freiwillige Helfer.

(Foto: Claus Schunk)

Germeringer Sozialstiftung hat ein Grundstück sowie eine zeitlich begrenzte Zusage der Krankenkassen für das Projekt

In Germering könnte bald das erste stationäre Hospiz im Landkreis gebaut werden. Die Planungen, ein Haus zu errichten, das der Sterbebegleitung dient, sind nach den Worten von Alt-Oberbürgermeister Peter Braun einen "entscheidenden Schritt" vorangekommen. Denn nach jahrelangen Verhandlungen hat der Verband der gesetzlichen Krankenkassen der Germeringer Sozialstiftung den Abschluss eines Versorgungsvertrages in Aussicht gestellt. Das bedeutet, dass in Germering ein solches Haus errichtet werden kann, wenn die Initiatoren bestimmte Bedingungen erfüllen. Braun ist optimistisch, denn die Germeringer Hospizhelfer sind an dem Thema lange dran. Wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passiere, "müsste es klappen", sagt Braun. Einen Baubeginn in zwei Jahren kann er sich gut vorstellen.

Die erste Bedingung der Krankenkassen ist auch schon erfüllt, denn für das Vorhaben gibt es jetzt ein Grundstück. Gabriele Strobl hat der Germeringer Sozialstiftung ein etwa 2000 Quadratmeter großes Areal an der Unteren Bahnhofstraße, südlich vom Rathaus, überlassen. Dort soll gebaut werden. Mit der Stadt sei man bereits seit Längerem im Gespräch, sagt Braun, Vorsitzender des Hospizvereins und des Kuratoriums der Max-und-Gabriele-Strobl-Stiftung, deren Zweck der Bau eines Hospizes ist. Die bisherigen Gespräche bezeichnet er als positiv.

In dem Hospizgebäude soll Platz für zehn Bewohner sein. Eine solche Größe ist laut Braun üblich, Hospize haben zwischen mindestens acht und höchstens 16 Plätzen. Daneben soll das Haus weitere Wohnungen für Pflegepersonal, die Verwaltung, einen Aufenthaltsraum für die Beschäftigten sowie Küchen bieten, die von Angehörigen der Bewohner genutzt werden können. Das Gebäude sei ja kein Krankenhaus, sagt Braun, sondern solle Wohncharakter besitzen. Schließlich werden die Bewohner des Hauses dort ihre letzten Lebenswochen verbringen.

Den Zuschlag für diese Einrichtung zu bekommen, war nach den Worten von Braun nicht leicht. Denn die gesetzlichen Krankenkassen machen eine Reihe von Auflagen: Neben dem Grundstück muss auch eine Finanzierung von Bau und Unterhalt des Hauses vorgelegt sowie eine gewisse Vernetzung mit Senioreneinrichtungen, Kliniken, ehrenamtlichen Hospizhelfern und einer Palliativbetreuung nachgewiesen werden. Außerdem bezahlen die Kassen nicht die vollen Kosten, die bei der stationären Versorgung Todkranker anfallen. Fünf Prozent muss der Träger der Einrichtung finanzieren. Das bedeutet, ein Hospiz benötigt einen steten finanziellen Zuschuss. Dennoch bewerben sich etliche Einrichtungen um Hospizplätze. Herbert Stark, Vorsitzender des Stiftungsrats der Sozialstiftung, sagt, dass Germering die vorerst letzten zehn Plätze bekommen kann, die Oberbayern nach den momentanen Berechnungen zustehen.

Vier Hospize mit zusammen 51 Plätzen gibt es derzeit in Oberbayern, zwei Einrichtungen davon befinden sich in München, je eines in Polling und in Ingolstadt. Das Haus in Germering würde für die Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg und Starnberg errichtet. Im ganzen Freistaat sind 18 solcher Einrichtungen in Betrieb. Hospize dienen der Sterbebegleitung. Dort sind Menschen untergebracht, deren Krankheiten aus medizinischer Sicht nicht mehr zu heilen sind und in absehbarer Zeit zum Tod führen. Im Hospiz werden diese Menschen palliativ versorgt, das heißt, sie erhalten Medikamente gegen die großen Schmerzen, die sie oftmals haben. Außerdem kümmern sich Helfer um die Todkranken, stehen ihnen für Gespräche zur Verfügung und begleiten sie in ihrer Trauer.

© SZ vom 07.07.2017

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