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Germering:Mit Würfel und Bleistift ins Mittelalter

Würfel im BIT-Zentrum in München, 2012

Besiegt man den Gegner oder nicht? Die Würfel entscheiden beim Tischrollenspiel über das Schicksal der Figuren.

(Foto: Allessandra Schellnegger)

An diesem Wochenende finden wieder die Germeringer Würfellegenden "Gewüle" statt. Hier werden Rollenspiele am Tisch zelebriert

Man kann die Welt retten oder sich einfach nur auf eine Schatzsuche begeben. Mal ist man im Mittelalter, mal im Wilden Westen, wo einen die Fantasie eben so hin entführt. Bei den "Germeringer Würfellegenden", kurz "Gewüle", die vom Verein "Würfel und Schwert" organisiert werden, ist das alles möglich. Von Freitag, 24.April, bis Sonntag, 26.April, werden bis spät in die Nacht im Jugendzentrum Outback in Germering Tischrollenspiele gespielt.

Seit 2010 gibt es die Veranstaltung, erzählt Stefanie Pockrandt-Gauderer, die Hauptorganisatorin der Gewüle. Entstanden ist sie aufgrund der Vielzahl von Live-Rollenspiel-Angeboten. "Wir wollten auch einmal etwas für Tischrollenspieler anbieten", erklärt die 31-jährige Rollenspielbegeisterte, die im Verein unter dem Nicknamen "Kendra" auftritt. Es gäbe so viele Rollenspieler, die gerne neue Systeme ausprobieren würden. Außerdem wolle man natürlich auch neue Spieler anwerben und Nachwuchs gewinnen. Anfangs sollten die "Gewüle" nur eine einmalige Sache bleiben, aber nach dem Erfolg des ersten Events hatte man schon ein halbes Jahr später das nächste ausgerichtet.

Bereits vor vielen Jahren begann die Leidenschaft für draußen oder am Tisch stattfindende Rollenspiele bei Stefanie Pockrandt-Gauderer. Im kindlichen Alter von elf Jahren wurde sie von einer Freundin überredet, sich das einmal anzuschauen. Seitdem ist sie mit voller Leidenschaft bei der Sache. Diese Begeisterung hat sich unweigerlich auch auf ihre sechsjährige Tochter übertragen. Trotz ihres zarten Alters spielt das kleine Mädchen schon jetzt begeistert bei Kinder-Rollenspielen mit. Ungewöhnlich findet ihre Mutter das nicht, schließlich sind die jüngsten Mitglieder des Vereins auch erst 13 Jahre alt. - Das Rollenspiel kennt eben keine Altersgrenzen.

Gespielt wird bei dem Event Pen 'n' Paper, so nennt man die Tischrollenspiele in Amerika. Im Gegensatz zu "live action role playing" (Larp) benützt man bei dieser Version keine Schwerter oder Verkleidungen, sondern Würfel und Bleistift. Es sitzen zunächst maximal sieben Teilnehmer an einem Tisch, jeder hat einen Charakterbogen vor sich. Dieser Bogen enthüllt, welche Eigenschaften der jeweilige Spieler hat, ob er also zum Beispiel stark, geschickt oder intelligent ist. Durch das Würfeln können neue Eigenschaften "erwürfelt" werden wie zum Beispiel, ob der Spieler auf einen Baum klettern kann. Der Zufall entscheidet, ob die Herausforderung überwunden werden kann. Jedes Tischrollenspiel sei durch neue Charaktere und andere Handlungen unterschiedlich, wichtig sei deshalb, dass man sich auf die Geschichten einlasse, hebt die 31-jährige hervor. Geleitet wird jede Runde von einem Meister, welcher sich die gespielte Geschichte und die Charaktere vorher ausdenkt. "Der Meister erzählt die Geschichte und die Spieler erleben sie", so beschreibt es Stefanie Pockrandt-Gauderer. Dem Meister sind beim Ausdenken der Geschichte keine Grenzen gesetzt. Er kann sich seiner freien Fantasie hingeben und deshalb treibt es die Rollenspieler auch immer an neue Orte. Beliebt sei aber nach wie vor das Mittelalter, wo die Magie keine Grenzen kennt, erzählt Pockrandt-Gauderer. Für sie selbst ist das Rollenspiel, ob im Freien oder am Tisch, ein Ausgleich, wie ein schneller Urlaub. Man könne einfach abschalten und mit Freunden Zeit verbringen. Sie berichtet, dass bei den Rollenspielen immer viel gelacht werde und die Zeit wahnsinnig schnell vergehe, was auch die ungewöhnlich langen Spielzeiten bei den "Germeringer Würfellegenden" erklärt. Ob sie im Endeffekt die Live- oder die Tischversion des Rollenspiels besser findet, kann sie nicht sagen. Sie möge beides gleich gern.

Bei den "Gewüle" ist diesmal etwas besonderes geboten. Es wird eine Versteigerung stattfinden, dessen Erlös an die Aktion "Plant-For-the-planet" geht. Versteigert werden dabei Spiele, Bücher und Spenden der Sponsoren. Da die Suche nach Sponsoren das Schwierigste am Organisieren sei, wie Pockrandt-Gauderer erklärt, freut man sich beim Verein "Würfel und Schwert" natürlich über weitere Spenden. Und damit trage man ja auch dazu bei, Bäume für unser Klima zu pflanzen und zu pflegen.