Germering:Künstlerischer Hochgenuss

Germering: Seit 25 Jahren spielt das Fauré Klavierquartett in gleicher Besetzung. Dieses Jubiläum feiern die Musiker auch in Germering.

Seit 25 Jahren spielt das Fauré Klavierquartett in gleicher Besetzung. Dieses Jubiläum feiern die Musiker auch in Germering.

(Foto: Günther Reger)

Begeisterndes Eröffnungskonzert der Klassikreihe Germering mit dem Fauré Klavierquartett

Von Klaus Mohr, Germering

Im Klassikbereich ist derzeit vieles im Fluss: Künstler suchen nach neuen Formaten und Konzepten, Veranstalter hoffen nach Corona auf wieder gut mit Publikum gefüllte Säle. Die Besucher nehmen das Konzerterlebnis angesichts der langen Abstinenz wieder ganz neu wahr. Eine solche Aufbruchstimmung hat ihren besonderen Reiz, das galt auch für das Eröffnungskonzert der neuen Saison der Klassik-Reihe in der Stadthalle. Dazu gastierte das renommierte Fauré Klavierquartett mit Dirk Mommertz (Klavier), Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Viola) und Konstantin Heidrich (Violoncello).

Das Fauré Quartett feiert derzeit sein 25-jähriges Bestehen, und das in unveränderter Besetzung. Vieles erinnert dabei an ein silbernes Ehejubiläum quasi zu viert: Die Künstler haben viel Lebenszeit miteinander verbracht, sie haben sich ein großes Repertoire erarbeitet und sie musizieren quasi blind, aber nicht gehörlos miteinander. Daraus ist wohl die Idee entstanden, den Zuhörern kein fertiges Konzertprogramm anzubieten, sondern ihnen die Auswahl aus insgesamt 25 Werken zu überlassen, die in drei Blöcke gegliedert waren. Das Programm enthielt dann erfreulicherweise nicht nur die allseits beliebten Highlights. Es kann vermutet werden, dass die Besucher, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, gerne alle Werke gehört hätten: In den drei Listen finden sich die gewählten Werke immer im oberen Drittel.

Zwei Stücke aus den Etudes-tableaux für Klavier op. 39 von Serge Rachmaninov eröffneten den Abend. Beiden hat der Komponist nachträglich programmatische Titel hinzugefügt, Nr. 1 "Das Meer und die Möwen" und Nr. 2 "Rotkäppchen und der Wolf". In der Bearbeitung für Klavierquartett traten in Nr. 1 die Stimmungen noch plastischer hervor: Eine im zarten Piano glitzernde Wasserfläche durchzog das Stück, der Wechsel von Stimmungsgehalten offenbarte intensiven Klangzauber. Dem programmatischen Höhepunkt in Nr. 2 ging eine dramatische Steigerung in der Musik voraus, und doch hatte der Schluss etwas Augenzwinkerndes.

Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierquartett in g-Moll KV 478 gehört zu den herausragenden Werken der Gattung. Das Fauré Quartett interpretierte das Werk mit unnachahmlicher Selbstverständlichkeit: Transparenz und Innigkeit des Klangs befanden sich auf einem Höhepunkt, nie geriet etwas hart. In den Details ging nichts unter, und trotzdem war immer ein formaler Zusammenhang hörbar. Als Zuhörer hatte man das Gefühl, gleichzeitig in die Höhe mitgenommen zu sein und die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Im Klavierquartett in A-Dur op. 26 von Brahms gab es ähnliche Eindrücke. Leidenschaft prägte die Aura, gepaart mit klarer Strukturierung und einem freien Musizieren. Die differenzierte und insbesondere im unteren Bereich spannungsvolle Dynamik bereitete den Boden für schwärmerische Melodien im Scherzo und ein bisschen ungarisches Kolorit im Finalsatz. Am Ende fragte man sich nur, wo die Zuhörer geblieben waren. Gegenüber den Konzerten vor Corona hatte sich trotz der Attraktivität des Konzerts nur eine kleine Zahl an Musikfreunden im Orlandosaal eingefunden. Zwei Zugaben gab es trotzdem, und das zurecht, weil sich das Publikum begeistert zeigte.

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