Germering Erzieherin aus der Partnerstadt

Angekommen: Agnes Vörös mit Ehemann Balazs Szijarto und der vierjährigen Tochter Boglarka in ihrer neuen Wohnung.

(Foto: Camen Voxbrunner)

Agnes Vörös ist mit Mann und Tochter aus Balatonfüred über Wien nach Germering gekommen. Sie arbeitet im "Kleinen Muck" und will mit ihrem Mann die Beziehungen in ihre ungarische Heimat stärken

Von Svenja König, Germering

Schwierige Zeiten erfordern unkonventionell Mitteln. Deshalb suchte die Stadt Germering per Annonce in der ungarischen Partnerstadt Balatonfüred nach Erziehern. Agnes Vörös antwortete. Seit Oktober lebt die Ungarin mit elf Jahren Berufserfahrung mit Ehemann Balazs Szijarto und der vierjährigen Tochter Boglarka in Germering. Vörös arbeitet nun in der Kindertagesstätte "Kleiner Muck". In Germering sind die Drei bisher die einzigen Bürger aus der Kleinstadt am Plattensee.

Es ist nicht der erste Umzug der jungen Familie. Zuvor hatte sie zwei Jahre in Wien gelebt. Doch der Ruf aus Germering erinnerte sie an die vielen Bekannten, die sie bereits durch die Städtepartnerschaft in dem Münchner Vorort hat. Ihre Familie sei seit den frühen Anfängen in die Partnerschaft der beiden Städte verwoben, erzählt Vörös. Ihre Eltern reisten bereits 1989 mit dem Stadtchor nach Germering. Fünf Busse rollten am 24. Juni aus Ungarn ein. In einem von ihnen saß der damals 14-jährige Balazs Szijarto mit seiner Posaune und den anderen Mitgliedern der Füreder Stadtkapelle. Nach dem Besuch sei es sein größter Wunsch gewesen eines Tages ebenso eine schöne Uniform wie die Germeringer Stadtkapelle zu tragen.

Seitdem sind viele Jahre vergangen, geprägt von einer lebendigen Städtefreundschaft. Nach der Gründungsversammlung des Deutsch-Ungarischen Vereins Germering am 3. Juni 1987 wurde der regelmäßige Austausch auf allen Eben gefördert: Von 1989 an gab es mehrere Schüleraustausche, die Kirchengemeinden stehen bis heute in Kontakt. Eine der engsten Bande besteht vermutlich zwischen den Feuerwehren. Über die Jahre hinweg schenkte Germering den ungarischen Kollegen mehrere Einsatzfahrzeuge.

"Wenn man zehn Personen in Balatonfüred fragt, dann würden bestimmt neun sagen, dass sie schon einmal in Germering waren", erzählt Vörös. Für viele sei es in den 1990er Jahren eine große Chance gewesen, dorthin zu kommen. Sie selbst besuchte 2007 das erste Mal die oberbayerische Stadt. Bereits in der Grundschule lernte sie als erste Fremdsprache Deutsch, während des Studiums zur Erzieherin machte sie ein dreimonatiges Praktikum in Feucht. In Deutschland gefiel es ihr so gut, dass sie wiederkommen wollte und deshalb ihre Sprachenkenntnisse im Kontakt mit deutschen Touristen weiter vertiefte, die nach Balatonfüred an den Plattensee reisten.

Wegen ihrer guten Deutschkenntnisse konnte Vörös im Dezember ihre neue Arbeitsstelle im "Kleinen Muck" antreten. Auch Tochter Boglarka besucht die Einrichtung. Angestellt ist Vörös als Springerkraft bei der Stadt. Diese hat der Familie auch ihre Wohnung in der Josef-Kistler-Straße organisiert - mit Alpenpanorama vom Balkon. Vor allem wegen Boglarka ist die Familie nach Germering gezogen. Im Vergleich zu Wien sei es viel ruhiger und näher an der Natur. "Meine Tochter hat hier in Germering Fahrradfahren gelernt", berichtet die Neubürgerin. So viel Erfahrung wie Vörös haben wenige Erzieher. Sie kennt die unterschiedlichen Systeme in Ungarn, Österreich und Deutschland. Die Kinder hier seien viel selbstständiger. Das sei vielleicht auch nötig, da es hier weniger Personal gibt. In Ungarn hingegen sei ein Kindergarten mehr wie ein "Nest", umschreibt sie ihre Eindrücke. Auch ihr Ehemann fand schnell eine Anstellung, und zwar in der Schlossschänke Blutenburg Obermenzing. Dort ist Szijarto Chef de Partie. Aber seine wahre Spezialität sind Obst- und Gemüseschnitzereien. In Balatonfüred ist er dafür sehr bekannt.

In den letzten Jahren ist die Partnerschaft der beiden Städte nicht mehr sehr aktiv gepflegt worden, da sich der Deutsch-Ungarische Verein aufgelöst hat. Vörös und ihr Mann möchten den Städten dabei helfen die Bande wieder zu stärken. Ein kleiner Laden mit ungarischen Spezialitäten sei eine Idee von vielen. Man könne auch einen Austausch der Erzieherinnen organisieren, wie es 1991 ermöglicht wurde. "Ebenso kann man die Stadtkapellen und -chöre zusammenbringen", sagt Vörös. Denn sie und ihr Mann hätten sich auch durch ihre Liebe zur Musik kennengelernt. Kurz nach ihrer Ankunft in Germering trat Szijarto der Stadtkapelle bei und erfüllte sich damit seinen Jugendtraum. Vörös, die lange Chorleiterin in Balatonfüred gewesen ist, singt seit Herbst im Crossover Chor "Sound around". Ihr Wunsch scheint sich erfüllt zu haben, trotz der Ferne zur Heimat am Plattensee, in Germering ein familiäres Umfeld gefunden zu haben.