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Germering:Die Post kommt - vielleicht

DHL Germering

Bebaubares Grün: Der Stadtrat Germering hat entschieden, dass das Gelände neben DHL nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden muss.

(Foto: Günther Reger)

Der Stadtrat befürwortet die Pläne für ein Briefzentrum im Gewerbegebiet und wird diese voraussichtlich noch in diesem Jahr den Einwohnern vorlegen

Das Vorhaben der Deutschen Post, in Germering ein Briefzentrum zu errichten, bleibt im Stadtrat umstritten. Etwa ein Drittel der Kommunalpolitiker lehnt das Projekt weiterhin ab, obwohl der Logistikkonzern etliche Änderungswünsche aus dem Stadtrat in seine Planungen aufgenommen hat. Das räumen einige der Gegner des Vorhabens auch ein. Dennoch sind sie gegen ein Briefzentrum in Germering, von dem aus der ganze Raum München mit Sendungen beliefert werden soll. Gabi Off-Nesselhauf (CSU) und Robert Baumgartner (SPD) sagten, ihnen sei ein solches Projekt einfach zu groß.

Die Post darf dennoch darauf hoffen, in Germering bauen zu können. Eine Mehrheit der Stadträte beseitigte am Dienstag eine Hürde auf dem Weg zur Errichtung eines Briefzentrums. Sie billigte die Änderung des Flächennutzungsplans, der auf dem zu bebauenden Gelände im Germeringer Norden bislang nur eine landwirtschaftliche Nutzung vorsah. Nun kann auf dem Areal an der Lise-Meitner-Straße neben dem DHL-Gebäude auch ein Verteilzentrum errichtet werden. Zugleich gibt es einen Entwurf für den Bebauungsplan, den sich die Einwohner Germerings voraussichtlich noch heuer ansehen können.

Vor der Abstimmung berichteten Planer und Vertreter der Post über den neuen Stand der Planungen. Demnach wird das Verteilzentrum auch eine Kinderbetreuungseinrichtung enthalten. Damit könnte das Gewerbegebiet nahe der B 2 bald über zwei Kitas verfügen, denn auch zum Büroturm an der Emmy-Noether-Straße, der bereits im Bau ist, gehört eine Kinderbetreuungseinrichtung. Zudem soll der Teil des Gebäudes, der die Büros beherbergt, in Holzbauweise errichtet werden. Nach den Worten von Thomas Schlickenrieder, zuständiger Projektleiter, können das Parkdeck sowie die Sortierhalle nicht aus Holz sein. Der Brandschutz und die geringe Traglast sprächen dagegen, sagte er. Vergrößert werden soll hingegen die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Sie soll aus 3000 Modulen bestehen, bislang waren nur 1000 vorgesehen. Die Anlage liefere dadurch Strom in einer Menge, die dem Verbrauch von etwa 520 Haushalten entspreche, sagte Schlickenrieder.

Bei der Kritik an dem Vorhaben der Post wurde auf Gutachten verwiesen, die wegen des Projekts ausgearbeitet worden sind. So wollte Annemarie Kropp-Dürr (Grüne) wissen, ob sich der Beginn des Baus durch die archäologischen Voruntersuchungen des Geländes verzögern könne. In der Tat, und das bestätigte Stadtarchäologe Marcus Guckenbiehl, ist mit einer Vielzahl von Funden zu rechnen, wenn die für das Briefverteilzentrum vorgesehene Fläche untersucht wird. 8000 bis 10 000 Fundstücke seien prognostiziert worden, sagte Guckenbiehl. Der Bereich nördlich der Augsburger Straße war allen Erkenntnissen nach über lange Zeit besiedelt, auch wenn das Gebiet heutzutage am Germeringer Stadtrand liegt. Ob sich die Grabungen allerdings länger hinziehen als vorgesehen, das ist Spekulation. Sollte es so sein, wird dies den Bauherrn Zeit und Geld kosten.

Gegenstand der Kritik von Kropp-Dürr war auch der zusätzliche Verkehr. Etwas mehr als 920 Fahrbewegungen pro Tag kommen laut Verkehrsgutachten am Kreisel im Gewerbegebiet durch ein Briefzentrum hinzu. Die Grünen-Stadträtin sagte deshalb vor allem für den morgen- und abendlichen Berufsverkehr lange Staus an den Zufahrten zur B 2 voraus. Schlickenrieder widersprach. Er wies darauf hin, dass die Fahrzeuge der Post das Briefzentrum vor allem zu Zeiten anführen und verließen, zu denen am Kreisel wenig Verkehr herrscht. Kropp-Dürr sprach von Sattelschleppern, die Probleme hätten, um die Kurven zu kommen. Schlickenrieder sagte, die Post setze solche Fahrzeuge gar nicht ein, sondern nur Lastwagen mit Anhängern. Diese unternähmen lediglich 57 der mehr als 920 Fahrten.