Germering:Angst und Aggression

Germering: Wegen der Corona-Pandemie musste auch das Jugendzentrum schließen. Das tat vielen jungen Leuten nicht gut.

Wegen der Corona-Pandemie musste auch das Jugendzentrum schließen. Das tat vielen jungen Leuten nicht gut.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Germeringer Jugendzentrumsleiter schildert, wie Kinder und Jugendliche besonders unter der Pandemie leiden

Von Andreas Ostermeier, Germering

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Beschränkungen haben Kinder und Jugendliche sowie Jugendbetreuer vor besondere Schwierigkeiten gestellt. "Die Jugendlichen hatten große Probleme mit der Situation", sagt Thomas Grüner, Leiter des Juz II in Germering. Homeschooling, Ausfall von Sportangeboten, geschlossene Lokale und zugesperrte Jugendzentren, das habe bei Kindern und Jugendlichen Ängste, Unsicherheit und Frust wachsen lassen und zu großer Langeweile geführt. Daraus sind laut Grüner Lethargie und Wut gewachsen. Auch Gewaltausbrüche gehören zu den Reaktionen auf die Isolation von Gleichaltrigen. Einige Jugendliche nahmen nicht mehr am Unterricht teil, die Online-Schulstunden erreichten sie nicht.

Jugendeinrichtungen konnten auf diese Entwicklungen nur unzureichend reagieren, denn auch sie hatten geschlossen, mussten Hygiene- und Abstandsregeln beachten. So hat es in den Lockdown-Phasen keinen offenen Betrieb gegeben, lediglich Einzelhilfen waren laut Grüner möglich - und einige Online-Angebote. Die regelmäßige Beziehungsarbeit mit den Jugendlichen, die in Einzelgesprächen und Spontanberatungen stattfindet, sei aber nicht möglich gewesen, sagt Grüner. Dabei ist sie doch der Kern der Tätigkeit von Jugendbetreuern. Grüner ist deshalb froh, dass Kinder und Jugendliche seit Mitte Mai wieder in das Jugendzentrum am Aubinger Weg kommen dürfen. Nun können er und seine Mitarbeiter wieder mit den jungen Besuchern arbeiten, Gespräche führen und bei Problemen helfen. Die Beobachtung helfe, aufkommende Konflikte frühzeitig zu erkennen und eine Eskalation zu verhindern. Wichtig ist die Öffnung auch für die Integration der Zwölf- bis 16-Jährigen, die Fuß fassen wollen im Jugendzentrum.

Großen Wert legt Grüner auf die Gewaltprävention. Dafür haben die Mitarbeiter des Juz selbst ein Projekt entwickelt, das aus Konfliktbewältigung, Fitnesstraining, Boxen und Selbstbehauptung besteht. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die bereits durch Gewaltausübung auffällig geworden sind. Gedacht ist es aber auch, um Selbstbehauptung und Sicherheit zu trainieren. Grüner würde das Angebot für Gewaltprävention und Selbstbehauptung auch gerne als speziell für Mädchen gedacht anbieten. Aber dazu fehlt ihm ebenso das Personal wie für eine Zusammenarbeit mit den Schulen. Allerdings wird er wohl bald Unterstützung erhalten. Die Mitglieder des Jugendausschusses beschlossen, eine zweite Vollzeitstelle im Juz II einzurichten. Bislang gibt es neben der Stelle von Grüner nur eine weitere halbe Stelle. Etliche Angebote des Jugendzentrums sind nur durch die Arbeit von Honorarkräften möglich, oder durch das Engagement von Ehrenamtlichen. So ist es beispielsweise bei der Hausaufgabenhilfe am Mittwoch und am Freitag. Sechs Kinder und Jugendliche nehmen diese Unterstützung beim Nacharbeiten von Schulstoff laut Grüner in Anspruch. Die Schulen schätzten dieses Angebot für "abgehängte" Schüler, das zeigten die Rückmeldungen, sagt Grüner und verweist auf eine lange Warteliste. Er würde die Zahl der Betreuten gerne auf zehn erhöhen, doch auch dafür hat er zu wenig Personal.

© SZ vom 27.07.2021
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