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Gemeindetag:Der "Ober-Bürgermeister"

Nur coronabedingt auf Distanz (von links): Michael Schanderl, sein Nachfolger Hans Seidl und dessen Vize Joseph Heckl.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Hans Seidl folgt im Kreisverband Michael Schanderl nach

Der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl (CSU), 55, ist zum Vorsitzenden des Gemeindetag-Kreisverbands gewählt worden. Er folgt Michael Schanderl (Freie Wähler), 56, nach, der sich in Emmering nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters beworben hatte. Stellvertreter Seidls ist der Mammendorfer Bürgermeister Josef Heckl (Bürgermeineinschaft), 37. In den Vorstand gewählt wurden zudem Andreas Magg, Peter Münster, Markus Kennerknecht, Norbert Seidl, Andreas Haas und Joseph Schäffler.

Das ehrenamtlich arbeitende Gremium dient den Bürgermeistern aller 23 Landkreisgemeinden als gemeinsames Forum, um sich beispielsweise abzustimmen für Gespräche mit Landkreis oder Freistaat. Die jeweilige Parteizugehörigkeit spiele keine Rolle, heißt es. Alle Bürgermeister würden hier auf Augenhöhe wahrgenommen - egal, ob sie nun aus der kleinen Gemeinde Landsberied mit ihren 1440 Einwohnern kommen oder aus der Großen Kreisstadt Germering mit ihren fast 40 000 Einwohnern.

Michael Schanderl, der den Vorsitz sechs Jahre lang innegehabt hatte und am Dienstag bei der ersten Sitzung der neuen Amtsperiode im Emmeringer Bürgerhaus mit einem großen Geschenkkorb verabschiedet wurde, blickte zurück auf die Herausforderungen. So stand vor allem das Thema Flüchtlinge und deren Unterbringung in den Jahren 2014 bis 2016 im Blickpunkt. Der Kreisverband habe sich letztlich erfolgreich eingesetzt für eine Quotenregelung - ebenso wie für die 2019 erfolgte Gründung einer interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Dass der Teilflächennutzungsplan Windkraft nach langer Vorbereitung "beerdigt werden musste", zeigt, dass auch die Macht der Bürgermeister ihre Grenzen hat, wenn die Staatsregierung andere Vorstellungen hat - die unter Horst Seehofer eingeführte 10H-Regel brachte den Bau neuer Anlagen praktisch zum Erliegen. Schanderl bleibt dennoch dabei, dass die Städte und Gemeinden im Landkreis mit ihrer interkommunalen Planung ein Erfolgsmodell geschaffen haben, an dem sich andere Landkreise gern orientieren.

Sich in dem etwa zehn Mal pro Jahr tagenden Gremium auch persönlich näher zu kommen, bezeichnen Schanderl und sein bisheriger Stellvertreter Hans Seidl als sehr wertvoll. Beliebt sind bei den Politikern, die alle per du sind, die Bürgermeister-Lehrfahrten, bei denen interessante Orte und Projekte besucht werden. Jenseits des Fachlichen soll dabei die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen werden. Der "menschliche Aspekt" sei nicht zu unterschätzen, betont Seidl. In diesem Jahr sollte es eigentlich nach Südtirol gehen. Coronabedingt musste die Fahrt verschoben werden.

Von Hans Seidl dürften viele Bürgermeister erwarten, die Linie Schanderls weiterführen. Der Maisacher CSU-Politiker will aber auch eigene Akzente setzen - denn die Region stehe "unter Druck", und das nicht nur wegen der noch kaum absehbaren coronabedingten Herausforderungen. Die Mittel werden knapper, gleichwohl müsse die öffentliche Hand investiere, so Seidl. "Und das möglichst clever", ergänzt Heckl. Seidl will "vorausschauend in neue Geschäftsfelder" investieren und dabei den Klimaschutz berücksichtigen. Mit seinem Vize Heckl ist er sich einig, dass neben sozialen Themen wie Wohnen auch die umweltfreundliche Energieerzeugung und Mobilität gefördert werden sollten. "Wachstum alleine wird es nicht mehr sein", prophezeit der neue "Ober-Bürgermeister" Seidl, der in der Leitung des Kreisverbands eine "große Herausforderung" sieht.

© SZ vom 03.06.2020

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