bedeckt München 17°

Fürstenfeldbruck:Geräusche, die unter die Haut gehen

Was andere nie hören würden, empfinden Brummton-Geschädigte als quälend. Die Ursachen sind unklar, Lösungen gibt es nicht

Es sei wie ein Motor im Leerlauf, hat Angelika M. den Brummton beschrieben, der sie seit einem knappen Dreivierteljahr quält. Es sind Geräusche, die nur sie hört, ihre Umgebung aber nicht wahrnimmt. Wenn dann das Thema einmal im Bekanntenkreis zur Sprache kommt, wird mit Achselzucken oder Ungläubigkeit reagiert. Genau das hat auch SZ-Leserin Ulrike K. erlebt. Auch sie weiß, wie schmerzend die Töne sein können, die von ihrer Umgebung - wenn überhaupt - kaum wahrgenommen, geschweige denn als bedrohlich empfunden werden.

Ulrike K. wohnt in Maisach und sagt, sie habe den Auslöser für den störenden Brummton ausgemacht. Früher, als der Fliegerhorst noch Flugbetrieb hatte, seien es die langsam laufenden Rotoren der Hubschrauber vor dem Start gewesen. "Sobald sie starteten und dafür die Rotorengeschwindigkeit erhöhten, verschwand die Missempfindung", erklärt Ulrike K. Nun könnte man annehmen, dass die Maisacherin glücklich über den Abzug der Bundeswehr sein müsste, vor allem seit der Einstellung des Flugverkehrs. Doch eine weitere Geräuschquelle verursache Töne im niederen Frequenzbereich, die ihr schadeten: Es handle sich dabei um Hebebühnen, wie sie zum Beispiel Fensterputzer verwenden oder der Bauhof, wenn Straßenlampen gereinigt oder repariert werden. Beim Hochfahren und Absenken machen sie Geräusche, die für die meisten Menschen vielleicht kurzfristig unangenehm sind, sich aber sonst im vielstimmigen Chor des Alltagskrachs mischen. Auch für Ulrike K. bestehen die Probleme nur, solange mit den Hebebühnen gearbeitet wird. Sind sie fort, "verschwinden sofort meine Beschwerden wieder".

Ulrike K. kann ganz genau beschreiben, wie sich so ein Brummton auswirkt. Es sei - wie bei Angelika M. - nicht so sehr das Hören dieser Geräusche, sondern das Spüren. Sie habe das Gefühl, dass "irgendwelche Teile in meinen Kopf oder Ohr in Schwingungen geraten". Die Folge: Ulrike K. wird aggressiv, wenn sie diesen Geräuschen nicht entfliehen kann. Entfernt sich die Brummton-Quelle, ist alles wieder in Ordnung.

Von einem Dauerbrummen berichtet auch Christine G. aus Fürstenfeldbruck. Sie wohnt in einem anderen Teil der Stadt als Angelika M., auch sie hört die Geräusche seit etwa sechs Jahren und empfindet den Ton als unerträglich. "Ich bin hilflos", sagt sie. Christine G. weiß, was Lärm ist, hat sie doch früher viel mit Lärmkartierungen zu tun gehabt. Sie wohnt seit mehr als drei Jahrzehnten in einer ruhigen Gegend der Kreisstadt, doch im Haus hört sie dieses Brummen ganz deutlich. Lauter werde es allerdings, wenn sie die Tür oder Fenster öffne. Dabei ist sich Christine G. sicher, dass die Geräusche, die sie vor allem nachts plagen und ihr den Schlaf nehmen, aus dem Haus und vom Grundstück kämen. Freilich ist sie ebenso wie andere Brummton-Geschädigte auf der Suche nach den Ursachen. Beweisen hat sich bislang nichts lassen, deshalb kann sie nur Vermutungen äußern. Einmal, erzählt die Bruckerin, habe man das ganze Haus vom Elektriker stromlos machen lassen - "wir saßen mit Kerzen da" - doch auch das hat nicht zu einer Erklärung geführt. Mittlerweile nimmt sie sogar an, dass es unterirdische Wasseradern sein könnten, deren Rauschen sich an die Oberfläche überträgt.

Lösungen kann SZ-Leser Helmar Prechtl zwar nicht anbieten, doch der Diplom-Ingenieur aus Bruck hat die Schilderungen von Angelika M. zum Anlass genommen, nachzuforschen. Er empfiehlt Tests mit modernen Antischall-Kopfhörern. Damit gelinge der Beweis, dass die Geräusche von außen kämen. Es handele sich dabei um moderne Kopfhörer, die Geräusche im Niederfrequenzbereich erzeugten, um Störgeräusche auszublenden.