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Fairtrade:Faires Spiel

Dritter Bürgermeister Thomas Hofschuster (Mitte) übergibt die "Puchheim spielt fair"-Bälle an (von links) Aveen Khorschied (Quartiersbüro), Florian Lux (Leitung Jugendzentrum Stamps), Sieghilde Pinna und Gudrun Vilhar (beide Seniorenbeirat Stadt Puchheim).

(Foto: Ursula Sesterhenn)

In Puchheim wird nun mit Fußbällen gekickt, die weder von Kindern noch in reiner Handarbeit hergestellt werden

Von Cynthia Seidel

PuchheimOb Kaffeebohnen, eine Tafel Schokolade oder die Banane, heutzutage werdensolche Produkte"fair" gehandelt. Und so engagiert sich auch die Stadt Puchheim für den fairen Handel und trägt deshalb seit 2014 den Titel "Fairtrade-Stadt". Insgesamt teilt sich Puchheim den Titel mit 2100 Kommunen weltweit.

In den vergangenen sechs Jahren veranstaltete die Stadt daher Aktionen im Sinne des fairen Handels und nutzt somit die Möglichkeit, um diesen zu unterstützen und für mehr Fairness zu werben. Momentan widmet Puchheim dem Thema unter der Überschrift "Fair handeln - nachhaltig handeln" eine Ausstellung mit Begleitprogramm.

Am Dienstag stand der Programmpunkt "Puchheim spielt fair - Fair gehandelte Bälle" auf der Agenda des elftägigen Programms. Dritter Bürgermeister Thomas Hofschuster überreichte im Jugendzentrum Stamps fair gehandelte Fußbälle an das Quartierbüro, die Sportgruppe des Seniorenbeirats und an das Jugendzentrum. "Mit dieser Aktion wollen wir den fairen Gedanken ins Rollen bringen", betont Darya Konec-Fakler, Koordinatorin der Fairtrade-Stadt. Die Fußbälle wurden, wie ein Großteil der Fußbälle weltweit, in der pakistanischen Stadt Sialkot - auch bekannt als die "Welthauptstadt des Fußballs" - hergestellt. Der eigentliche Unterscheid zu anderen nicht fair gehandelten Bällen sei allerdings nicht der Aufdruck des Fairtrade-Siegels auf dem Leder des Balles, sondern die damit einhergehende "sozial vorbildliche" Art der Herstellung, so Konec-Fakler. Dazu zähle insbesondere der Verzicht auf Kinderarbeit und auf ausschließliche Handarbeit. Die im Stamps überreichten Bälle sind anhand eines sogenannten Hybridverfahrens hergestellt wurden: Dabei werden die Bälle überwiegend maschinell vernäht und nur die letzten Nähte händisch festgezurrt. Von der Übergabe an die sozialen Einrichtungen verspricht sich Konec-Fakler, "den Fairen Handel auf einer ganz anderen Ebene sichtbar machen" zu können und das Fairtrade-Siegel nicht mehr nur wie gewöhnlich mit Lebensmitteln in Verbindung zu bringen.

Im Mittelpunkt der Aktionswoche steht allerdings ein Gewächshaus. In dem Glashaus am Grünen Markt wird die Foto-Ausstellung "Nachhaltig Handeln - Arbeitsschwerpunkte Fairtrade" des Vereins Transfair gezeigt. Die großen Tafeln, die dort von den Wänden hängen, zeigen unter anderem Bilder von Kindern, Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Familien aus Entwicklungsländern, die besonders von einer Ausweitung des fairen Handels profitieren würden. Unter den Bildern finden sich Erklärungen wie "Geschlechter Gerechtigkeit fördern, "Kinderrechte stärken" und "Arbeitsrechte sichern" gefolgt von Ausführungen und Statistiken.

"Mehr als 152 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssen regelmäßig arbeiten", heißt es zu den Kinderrechten und "702 Millionen Menschen leben weltweit in extremer Armut, mindestens 70 Prozent davon sind Frauen" zu der Geschlechtergerechtigkeit. Neben den Bildern befinden sich an den Wänden Erklärtafeln, mit denen dazu aufgefordert wird, die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Außerdem wird ausführlich erklärt, was unter dem Begriff Fairtrade zu verstehen ist.

Die Ausstellung kann bis 9. August durchgehend besichtigt werden.

© SZ vom 05.08.2020
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