Empfehlung zur Mediennutzung:Grenzen der Handyzeit

Mediennutzung

Autoren der Empfehlung (von links): Thomas Geiger, Guido Grotz, Claudia Wagenführer, Michaela Wienke und Jürgen Biffar

(Foto: Jürgen Biffar/privat)

Wie lange soll ein Kind sich mit Smartphone und Tablet befassen? Der Digital-Unternehmer Jürgen Biffar und einige Germeringer Eltern haben sich mit dieser Frage beschäftigt - und geben Antworten

Von Andreas Ostermeier, Germering

Viele Eltern kennen und beklagen das: Sohn und Tochter spielen am Tablet, schauen Youtube-Videos oder chatten am Smartphone - und dies stundenlang. Die Nutzung sozialer Medien nimmt einen großen Zeitraum im Alltag der Kinder ein - etliche Eltern finden, einen zu großen. Jürgen Biffar, Vorsitzender der Germeringer Stiftung Digitale Bildung, und die Mitglieder des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft - allesamt selbst Eltern - geben auf die Frage nach der zeitlichen Dauer der Nutzung sozialer Medien nun eine Antwort. Sie haben eine Empfehlung erarbeitet, wie viel Zeit Kinder, je nach Alter, pro Tag mit Smartphone, Tablet oder PC höchstens verbringen sollen.

Biffar ist überzeugt, dass die digitalen Medien in der Schule sinnvoll angewendet werden und den Lernerfolg steigern können. Wenn er den Einsatz von Tablet und Co. im Unterricht befürworte, dann, so habe er sich gedacht, sollte er auch zur außerschulischen Nutzung Stellung nehmen, sagt der Germeringer Unternehmer. Mitsamt den anderen Mitgliedern des Arbeitskreises, darunter Claudia Wagenführer, Konrektorin der Kerschensteiner Schule, und Biffars Frau Michaela Wienke, stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats am Max-Born-Gymnasium, sei die Idee entstanden, den Eltern eine Handreichung zum Zeitbudget der außerschulischen Nutzung digitaler Medien anzubieten, sagt Biffar. Doch im Internet war laut dem Germeringer Unternehmer zu dem Thema keine verständliche und einfach anzuwendende Empfehlung zu finden. Deshalb hätten die Mitglieder sich vorgenommen, eine solche für Eltern von Schülern der ersten bis zehnten Klasse selbst zu erarbeiten.

Die liegt nun vor. Eigene Geräte sollten Kinder frühestens mit dem Schuleintritt besitzen, lautet die Empfehlung der Autorinnen und Autoren um Biffar. Erst- bis Viertklässler sollten sich dann bis zu 60 Minuten am Tag mit ihnen beschäftigen dürfen, empfehlen sie. Für Fünftklässler steigert sich die Medienzeit auf 90 Minuten, dann auf zwei Stunden. Biffar sagt, die Mitglieder des Arbeitsreises seien zunächst für eine geringere Zeitdauer gewesen - vor allem für die Erst- und Zweitklässler. Aufgrund einer Befragung von Eltern hätten sie den Zeitrahmen jedoch ausgeweitet. Zur Befragung von Eltern kam es, weil der Arbeitskreis seine Vorstellungen mit der Realität habe abgleichen wollen, sagt Biffar. 400 Mütter und Väter von Kindern und Jugendlichen aus sämtlichen Schularten antworteten anonym auf die vom Arbeitskreis gestellten Fragen.

Bei einem ganz einfachen Schema, das lediglich das Alter der in der und die Zeit des Medienkonsums verbindet, wollte der Arbeitskreis es aber nicht belassen. So unterscheidet die Empfehlung die beiden Nutzungsarten Kommunikation und Spiele/Videos. Was das Spielen und Ansehen von Videos angeht, so empfehlen die Mitglieder des Arbeitskreises für Grundschulkinder nur maximal eine halbe Stunde pro Tag. Auch auf andere Faktoren sollten Eltern laut Biffar schauen, so auf den Lernerfolg in der Schule, körperliche Bewegung und soziale Kontakte im realen Leben.

Laut Biffar sind die ersten Reaktionen auf den Flyer recht positiv gewesen. Bereits die befragten Eltern hätten zustimmende Kommentare gegeben, sagt der Germeringer Unternehmer, und auch das Schulamt habe die Initiative gelobt. Anregungen wollen die Autoren aufgreifen und in einer weiteren Auflage berücksichtigen. Die Handreichung mit dem Titel "Empfehlung zur außerschulischen Mediennutzung" geht an sämtliche Elternbeiräte in Germering. Sie ist aber auch im Internet zu finden, entweder unter https://wir-sind-germering.de/projekt/mediennutzung oder unter www.digitale-schule-ffb.de. Zudem enthält die Empfehlung auch die Adressen von Homepages, die sich mit weiteren Themen der Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche beschäftigen.

© SZ vom 26.07.2021
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