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Emmering:Zulauf bei den Naturisten

Die Corona-Beschränkungen haben der Freien Sportgemeinschaft Amperland neue Mitglieder beschert

Von Manfred Amann, Emmering

In Corona-Zeiten passieren interessante Dinge. Die Freie Sportgemeinschaft Amperland (FSA) hat 45 neue Mitglieder, darunter 24 Kinder, gewonnen. Jetzt soll das Vereinsgelände für die Bedürfnisse junger Familien umgebaut werden. Es sei höchste Zeit, die Infrastruktur des Geländes dem Freizeitverhalten anzupassen, erklärte Vorsitzender Ralph Ziereis kürzlich im Emmeringer Bau-, Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss . "In den 1970er Jahren hatten wir 1760 Mitglieder, jetzt sind es noch etwa 600." Die Hälfte sei im Seniorenalter.

Außerdem seien circa 120 der 385 Wohnwagenstellplätze, die sich auf dem Gelände locker verteilten, unbesetzt. Damit die FSA eine Zukunft habe, wolle man jüngere Familien gewinnen und sich auf deren Bedürfnisse einstellen. Der coronabedingte Zulauf zeige, dass Potenzial vorhanden sei.

Das 17 Hektar große Areal liegt an der Amper, am Ende der Siedlerstraße im Norden Emmerings Dort betreibt die FSA seit über 90 Jahren einen eingezäunten Freizeitbereich. Nach eigenen Angaben ist die FSA der älteste und größte Naturisten-Verein Bayerns. Die Mitglieder kommen aus der Region und dem Münchner Umland, sie gehen der Freikörperkultur (FKK) nach.

Nacktbaden für einen guten Zweck in Großbritannien

Ganz so viele Mitglieder wie hier hat die Freie Sportgemeinschaft Amperland durch die Coronabeschränkungen nicht gewonnen, aber immerhin 45 sind dazu gekommen. Das Bild zeigt ein Benefiz-Baden an der englischen Nordseeküste im Jahr 2018.

(Foto: Owen Humphreys/dpa)

Ein Grobkonzept für die Modernisierung hat Ziereis nun im Ausschuss vorgestellt. Nach kurzer Aussprache wurde dem Verein Unterstützung signalisiert, wenngleich das Landratsamt für die Genehmigung der Veränderungen zuständig ist. Auf Vorschlag von Ottmar Altbauer (FW) wird der Verein eine Ortsbegehung organisieren, denn nur wenige Gemeinderäte waren schon auf dem Gelände. "Viele wissen gar nichts von uns, und für die anderen sind wir nur die Nackerten", sagte Ziereis. "Dass es nicht einfach wird, die Pläne umzusetzen, ist uns bewusst." Denn das Freizeitgelände befindet im Außenbereich, im Landschaftsschutzgebiet Amperauen und im Hochwasserschutzgebiet.

In zentraler Lage soll ein neues Wirtschaftsgebäude mit Biergarten und Saunabereich errichtet werden, als Holzbau mit Glaselementen. Um es vor Hochwasser zu schützen, soll der Untergrund etwa einen Meter aufgefüllt werden. Da sich an der Stelle bereits Saunen und Duschmöglichkeiten befinden, die abgerissen werden sollen, wird laut Ziereis nur wenig zusätzliche Fläche versiegelt. Das bisherige Wirtschaftsgebäude bei den Parkplätzen soll umgebaut werden und die Werkstatt sowie die Geräten zur Geländepflege aufnehmen. Dafür soll das bisherige Werkstattgebäude abgebrochen und der Platz wie andere auch renaturiert werden. Die Zahl der Tischtennisplatten soll dem Bedarf entsprechend reduziert werden. Die Plätze für Badminton, Volleyball, Indiaca, Faust- und Fußball sowie die Schießstände für Luftgewehr, Pétanque-Bahnen, das Turniertrampolin, der Fitnessraum und die Sommerstockbahnen sollen saniert werden. Insgesamt sollen durch die Veränderungen der Natur mindestens 200 Quadratmeter Grund zurückgeben werden.

Die FSA hat in Emmering ein großes Gelände.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zweiter Bürgermeister Fritz Cording der die Sitzung leitete, zeigte Verständnis für das Vorhaben und bestätigte wie sein FW-Kollege, Altbürgermeister Michael Schanderl, bislang habe es mit der FSA keine Konflikte gegeben, man habe keine Bedenken. Auf Anfrage von Korbinian Würstle (Grüne), ob man das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich machen könnte, sprach Ziereis von einem "heiklen Thema" - die FKKler könnten sich dadurch in ihrem Freizeitverhalten eingeschränkt fühlen und den Verein verlassen. Auch Konrad Füßl (CSU), der sich erkundigte, ob wenigstens der Uferbereich der Amper geöffnet werden könnte, musste einsehen, dass sich "nackert Badende" von Nichtmitgliedern in ihrer Lebensweise gestört fühlen könnten.

© SZ vom 17.10.2020

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