bedeckt München
vgwortpixel

Egenhofen:12 000 Jahre Weihnachten

Gerald Huber unterhält mit Vortrag in der Furthmühle

Es geht mit eiligen Schritten auf Weihnachten zu. Dass dieser Zeitbegriff als "wîhen nahten" bayerischen Ursprungs ist und 1170 erstmals verwendet wurde, ist eine von vielen interessanten Erkenntnissen über das hohe Kirchenfest, die Gerald Huber im Café Mahlgang in der Furthmühle mit sonorer Stimme und Dialekt in humoristischen Anspielungen auf das heute "nahezu vollends kommerzialisierte" Christfest darbot.

Der Historiker, Buchautor und Journalist beim bayerischen Rundfunk führte die etwa 70 Besucher zurück zu den Wurzeln der Menschheit, die seiner Meinung nach schon seit jeher ausgelassene Feste in der dunklen Jahreszeit feierte. Im Wandel der Zeiten und mit der Entwicklung der Menschheit seien aber auch Aberglauben, Legenden und Mythen entstanden, die sich immer wieder wandelten.

Eingeladen hatte der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte, der zum siebten Mal in der Alten Mühle den Altbairischen Mundarttag feierte. Siegried Bradl, der mit seiner Frau Gisela den Abend mit zu den Texten passenden Weihnachtsliedern zum Mitsingen gestaltete, lobte Huber als dialektsprechenden Münchner Turmschreiber, der aus dem niederbayerischen Landshut stamme und sich sehr für die Erhaltung der Heimatsprache einsetze. "Wir bräuchten junge Leute, damit unsere Arbeit auch in die Zukunft getragen werden kann", warb Bradl, die meisten der über 3000 Mitglieder seien nämlich "nicht mehr die Jüngsten".

Gerald Huber hat unlängst im Volk-Verlag München ein Buch mit dem Titel "12 000 Jahre Weihnachten - Ursprünge eines Festes" herausgegeben, in dem er eigenen Worten zufolge die Leser von ihrem Glauben abbringen will, dass Weihnachten nur ein christliches Fest sei. "Die Weihnachtszeit hat viel mit Dunkelheit und der Erwartung von neuem Licht zu tun", erklärte Huber. Schon die Steinzeitmenschen hätten in der grauen und dunklen Zeit mit ausgelassenen Festen um den Tag mit der längsten Nacht die Rückkehr der Sonne gefeiert. Auch die Geburt Christi durch die unbefleckte Empfängnis Maria hat laut Huber in nahezu allen vor- und nachchristlichen Religionen eine Parallele. Im alten Ägypten sei zum Beispiel die Göttin Iris mit ihren Sohn Horus auf dem Schoß abgebildet worden, wie später bei den Christen Maria und das Christuskind.

Huber sieht das Weihnachtsdatum unter anderem als Reaktion auf den damals groß gefeierten Geburtstag des römischen Gottes Sol Invictus, den Kaiser Aurelian im Jahre 274 auf den Tag der Wintersonnenwende am 25. Dezember gelegt hatte. Die vorherigen "Saturnalien", Feierlichkeiten zu Ehren des Sonnengottes Saturn in Rom hatten um den 17. Dezember begonnen und am 24. Dezember ihren Höhepunkt. Die Vorstellung, Christus als den wahren Sol invictus, den Sieger über den Tod, wie die Sonne als Sieger über die Nacht, zu präsentieren, habe zudem in den damaligen Kalender gepasst.

Dass sich die Menschen in der dunklen Jahreszeit auf jeden Lichtstrahl freuten, sei letztlich auch der Grund warum die Feiern um die Sonnenwende stets mit viel Feuer und Licht gefeiert wurden, erzählte Huber. Da man in vorchristlicher Zeit keine Ahnung davon hatte, was in der dunklen Zeit passiert, hatten sich laut Huber im Laufe der Zeit Mythen und Legenden etabliert, deren Auswirkungen wir bis heute spüren. "Perchten, Hexen und Geister hätten ihre Wurzeln in antiker Zeit und wirkten zum Beispiel in Perchtenauftritten oder Krampus-Läufen sowie in Halloween bis heute nach. Auch das Schenken an Weihnachten sei keine Erfindung der Christen. "Das hat es schon immer gegeben, um Friedlichkeit auszudrücken, aber auch mit der Erwartung etwas zurückzubekommen", befand Gerald Huber. "Der Turbokonsum vor dem 24. Dezember habe schon die alten Römer irritiert - ebenso wie die Pfarrer des 16. Jahrhunderts" und später die Aufklärer.