Dahoam in Bruck:Ein Baby für Lansing

Lesezeit: 2 min

Im Brucker Brauhaus trifft das Team der BR-Seifenoper "Dahoam is Dahoam" auf 150 Fans. Die loben den bairischen Dialekt, spinnen die Geschichten weiter und genießen die Nähe zu den Schauspielern.

Petra Fröschl

Ein Baby für das Dorf Lansing, eine kernige Bauernhochzeit, einen Landfrauenchor und endlich wieder einen Mann für die Jana - das wünschen sich die Fans von "Dahoam is Dahoam" für die neuen Folgen ihrer Lieblingsserie. Der Patrick sei zwar ein "liaba Bua", findet eine Zuschauerin, doch dass sein erst im Oktober eingeführter Charakter so schnell vom Hochdeutschen ins Bairische wechselte, hätte nicht unbedingt sein müssen. "Der Joseph", ruft eine andere Frau in die Menge, "könnt' a Kohlsuppn vertragen. Der hat a ganz schöne Wampn bekommen."

Dahoam is dahoam

Begehrte Autogramme: Fans und Schauspieler von 'Dahoam is dahoam'.

(Foto: Günther Reger)

Wenn Menschen über längere Zeit eine Serie sehen, entwickeln sie zu den Figuren ein Gefühl emotionaler Bindung. Sie glauben, die Charaktere gut zu kennen, teilen deren Probleme und leben durch die Identifikation mit ihnen eigene Wünsche aus. Genau dieses Phänomen, das in der Kommunikationswissenschaft als parasoziale Beziehung bezeichnet wird, war am Donnerstagabend im Brucker Brauhaus zu erleben. Gut 150 Fans der ersten bayerischen Daily - die meisten älter, Männer und Frauen hielten sich die Waage - machten von der Möglichkeit Gebrauch, mit sieben Darstellern, Produzent Markus Schmidt-Märkl und Chefautorin Martina Borger über neue Ideen für die Serie zu diskutieren.

Alle sechs Monate findet eine solche Tour statt, mit jeweils drei Terminen in allen Ecken Bayerns. Diesmal war es nur ein Katzensprung vom fiktiven Filmdorf Lansing, dessen Kulisse sich in einer ehemaligen Papierfabrik bei Dachau befindet. Viele der Gäste im Brauhaus waren dort schon mal beim Fan-Tag, warum sie die Serie so lieben, wird beim Gang durch die Tischreihen schnell klar: wegen des bairischen Dialekts. "Sonst ist im Fernsehen alles so amerikanisiert", findet zum Beispiel Heike Strehle aus Puch, die mit Sohn Felix (13) und dessen Freund Florian zu der Veranstaltung gekommen ist. Der zwölfjährige Florian gibt ihr Recht. "Bei mir in der Schule sprechen alle Hochdeutsch", bemängelt der Bub aus Emmering. "Die verstehen dich nicht, wenn du Bairisch redest." Der Dialekt ist auch für Gerlinde Baier der Grund, die Seifenoper im Bayerischen Fernsehen von Beginn im Oktober 2007 an regelmäßig zu schauen. "Außerdem sind es Geschichten aus dem Leben", schwärmt die 62-Jährige aus Neuried. Die Freundinnen Marcella und Sarah aus Bruck finden "Dahoam is Dahoam" vor allem eines: lustig. Für spätere Folgen hätten die Zwölfjährigen schon so manche Idee: "Dass Flori und Nina ein Baby kriegen und dass der Xaver Besuch von dem unehelichen Sohn mit seiner Jugendliebe bekommt."

Das Brauhaus ist weiß-blau dekoriert, wer will, kann Schweinebraten bestellen, die Titelmelodie läuft in der Endlosschleife. An den Merchandising-Ständen gibt es DiD-Fußabstreifer, Kaffeebecher und Lebkuchenherzen zu kaufen. Bevor die Diskussion mit den Schauspielern beginnt, wird die 1077. Folge mit dem frechen Titel "Potenzielle Potenzdiebe" ausgestrahlt, die freilich keiner verpassen will. Dem Apotheker Bamberger kommt darin ein Päckchen Potenzmittel abhanden. Er verdächtigt sämtliche männlichen Dorfbewohner, doch keiner will es genommen haben. Sein fränkischer Dialekt sorgt für viele Lacher.

Dann sitzen die Schauspieler auf der Bühne und antworten - ganz Serienstar, so dass Realität und Fiktion verschwimmen - auf die Fragen des Publikums. Theres (Ursula Erber) und Alois (Erich Hallhuber) kappeln sich wie immer, Gregor (Holger M. Wilhelm) muss erklären, warum er sich ein Jahr nach dem Tod seiner Frau nicht wieder eine Partnerin sucht ("Wir wollen ihn glücklich sehen", ruft eine Frau) und Jana (Isabella Hübner) gibt zu, dass es tatsächlich wieder an der Zeit für einen Mann wäre. Danach wird aus der parasozialen eine soziale Interaktion: Beim Schlangestehen für die Autogramme gibt es Gelegenheit, mit den Darstellern zu ratschen.

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