Bundesfinale in Fürstenfeldbruck "Der Melkkurs war am schwierigsten"

In zwei Stunden ein mehrgängiges Menü zuzubereiten gehörte zu den Aufgaben beim Bundeswettbewerb im Fach Hauswirtschaft. Katharina Beil, hier in ihrer Küche in Niederding, belegte Platz zwei. Sie überzeugte unter anderem mit einem selbst gedrehten Youtube-Video zum Thema Hemdenbügeln.

(Foto: Renate Schmidt)

Katharina Beil aus dem Landkreis Erding gehört zu den besten Hauswirtschafterinnen Deutschlands. Beim bundesweiten Wettbewerb in Fürstenfeldbruck belegt sie den zweiten Platz

Interview von Regina Bluhme

Wenn Katharina Beils Mutter einen Tipp für umweltfreundliches Fensterputzen braucht, fragt sie ihre Tochter. Denn die 24-Jährige aus Niederding (Landkreis Erding) ist gelernte Hauswirtschafterin und gehört seit Mittwoch offiziell sogar zu den deutschlandweit Besten ihres Fachs. Beim Finale des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend in Fürstenfeldbruck erreichte sie den zweiten Platz. Bundesweit hatten sich rund 10 000 junge Männer und Frauen seit Februar am Auswahlverfahren in verschiedenen Agrarberufen, unter anderem auch Land- oder Forstwirtschaft, beteiligt. Auf den ersten Platz kochte sich die erst 19-jährige Tabea Sackmann aus Niedersachsen. Im Gespräch gibt Deutschlands zweitbester Nachwuchs-Hauswirtschafterin Auskunft über berufliche Pläne, Bügeltipps auf Youtube und Männer im Haushalt.

SZ: Erst mal herzlichen Glückwunsch. Hauswirtschaft klingt für viele junge Frauen nicht sofort super attraktiv. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Katharina Beil: Ich bin gelernte Konditorin, habe dann das Abitur an der BOS Landshut gemacht und mit dem Studium der Lebensmitteltechnik in Weihenstephan begonnen. Da habe ich aber bald gemerkt, dass das nichts für mich ist. Nach mehreren Schulpraktika war klar: Ich will Hauswirtschaftslehrerin werden! Nach der zweijährigen Ausbildung zur Hauswirtschafterin beginne ich im September am Staatsinstitut in Pasing mit dem Studium zur Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung. Ich kann dann an Grund- Mittel- und Realschulen unterrichten.

Was lernt man als Hauswirtschafterin?

Oft wird bei einer Hauswirtschafterin an eine Art Putzhilfe gedacht. Aber das stimmt nicht! Natürlich gehören Wäschepflege und das richtige Reinigen dazu, aber ein großer Teil der Ausbildung ist das Kochen, das Nähen, auch die Betreuung von Kindern, Kranken oder Senioren gehört dazu, und der Gemüse- und Obstanbau oder das Gestalten von Blumengestecken und Karten. Man lernt so viel, und mittlerweile fragt mich schon ab und zu auch meine Mama nach einem Tipp.

Apropos: Wie putzt man denn aus Sicht des Profis am besten Fenster?

Also, ich verwende gar nicht die typischen Reiniger. Zuerst putze ich die Fenster mit Wasser mit Neutralreiniger, oder auch mit Spülmittel. Dann wird mit klarem Wasser, vielleicht mit ein bisschen Essig drin, und einem Geschirrtuch nachgereinigt. Fertig.

Was mussten Sie beim Berufswettbewerb an Können zeigen?

Wir mussten in Theorie und Praxis antreten. In Theorie gab es zum Beispiel einen Test in Allgemeinwissen. Das war ein bisschen schwer, gerade für junge Leute. Da wurde gefragt, wer den Roman "Die Blechtrommel" geschrieben hat. Das ist halt nicht mehr so präsent. Aber wir mussten auch Sehenswürdigkeiten den jeweiligen Bundesländern zuordnen. Und dann mussten wir eine Präsentation halten. Ich habe dazu ein Youtube-Video im Stil vom Lif-Hacks gedreht, das zeigt, wie man richtig Hemden bügelt. Und dann kam noch der praktische Teil.

Welche Aufgaben bekamen Sie da gestellt?

Da mussten wir innerhalb von zwei Stunden ein festliches Büffet mit landesüblichen Speisen erstellen.

Und was hatten Sie sich ausgedacht?

Zuerst gab es einen Obazdn mit selbstgebackenen Breznstangerln und Radieserlsalat, dann Spargelsuppe, Münchner Schnitzel mit Kartoffelsalat und Spargel und zum Schluss Rohrnudeln mit Erdbeer-Rhabarberkompott und eine Rhabarberschorle.

Wo haben Sie eigentlich Ihre zweijährige Ausbildung absolviert?

Mein erstes Jahr habe ich auf Gut Karlshof bei Ismaning verbracht, dort kommen die Ochsen für die Ochsenbraterei auf der Wiesn her. Zu dritt haben wir täglich für bis zu 80 Leute gekocht, und ich habe auch viel gegärtnert. Im zweiten Jahr war ich auf dem Hof der Familie Riedl in Berglern. Dort habe ich mich viel um die vier kleinen Kinder gekümmert, für sie gekocht, mit ihnen gespielt, auch viel geflickt. Was ich noch sagen wollte: Es gibt zwei Richtungen, die städtische Hauswirtschaft und die ländliche - das ist die, die ich absolviert habe.

Was muss eine ländliche Hauswirtschafterin im Gegensatz zur Städterin können?

Wir haben zum Beispiel einen viertägigen Melkkurs hinter uns. Das war meine größte Schwierigkeit, denn ich habe Angst vor Tieren. Aber ich hatte ja noch Glück: Früher stand auch noch das Schlachten von Hühnern auf dem Stundenplan. Das haben wir nur noch in der Theorie gelernt. Da war ich nicht traurig.

Wie überbrücken Sie die Zeit bis zum Studium im September?

Ich bin in der Senioreneinrichtung "Pflegestern" in Oberding alleine für Küche und Café zuständig. Am Sonntag backe ich dort immer vier bis fünf Torten oder Kuchen, die es von 13 bis 17 Uhr im Café zum Kaufen gibt. Das kann sich ruhig noch etwas herumsprechen.

Sie haben erzählt, dass Sie gerade ein Haus bauen und bald mit Ihrem Freund zusammenziehen. Kann er Haushalt?

Mein Freund ist Koch! Wir kochen auch zusammen und dann spült er immer ab und räumt auch gleich wieder auf. Ich glaube, das wird gut klappen bei uns. Überhaupt denke ich, dass viele Männer mittlerweile fit sind im Haushalt, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

Im Bundesfinale der Landjugend traten 115 Teilnehmer in verschiedenen Fachrichtungen an. Es waren Forst-, Tier- und Landwirtinnen und Winzerinnen dabei, aber kein einziger Hauswirtschafter. In diesem Fach waren die zehn jungen Frauen unter sich. Da ist schon noch Luft nach oben.

Stimmt, bei uns gibt es fast keinen Mann. Einmal war einer in der Berufsschule, und einmal hat es einer in Hauswirtschaft bis in den Bezirksentscheid geschafft. Aber der ist dann nicht weiter gekommen.