Bauvorhaben:Unmut über Supermarkt-Pläne

Germeringer Stadträte äußern heftige Kritik an dem Entwurf für ein neues Gebäude in der Innenstadt. Oberbürgermeister Andreas Haas soll deshalb nachverhandeln

Von Andreas Ostermeier, Germering

Erneut stoßen Pläne für einen Neubau des Edeka-Markts an der Gabriele-Münter-Straße in Germering auf große Ablehnung im Stadtrat. War es vor Jahren vor allem die Idee eines großen Parkplatzes auf Fußgängerebene, die den Kommunalpolitikern missfiel, so ist es jetzt die schwarze Fassade, die das neue Gebäude am Kreisverkehr beim Bahnhof erhalten soll. Auch die Planung eines außer mit dem Auto schwer erreichbaren Getränkemarkts in dem Gebäude sowie eines Parkplatzes im Obergeschoss wurden von den Stadträten aus allen Fraktionen kritisiert. Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) soll nun noch einmal mit dem Eigentümer verhandeln. Klar ist aber, dass die Stadt nichts an den Planungen verhindern kann, denn auf die Gestaltung hat sie laut Bebauungsplan keinen Einfluss.

Bauvorhaben: Zu den prägenden Gebäuden der Innenstadt von Germering gehört das Gebäude der City-Galerie. Nach nicht einmal 30 Jahren soll es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Zu den prägenden Gebäuden der Innenstadt von Germering gehört das Gebäude der City-Galerie. Nach nicht einmal 30 Jahren soll es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Am heftigsten fiel die Kritik von CSU-Stadtrat Christian Ganslmeier aus. Er attestierte den Plänen, zu den Vorstellungen von der autogerechten Stadt zu passen, wie es sie in den Sechzigerjahren gegeben hat. In "1-A-Lage" entstehe ein Gebäude, das aussehe wie ein Parkhaus monierte Ganslmeier, die Konzeption nannte er "völlig deplatziert". Franz Senninger (CSU) bezeichnete den geplanten Neubau als "erschreckend" und äußerte die Befürchtung, dass eine schwarz-metallene Außenfassade im Sommer enorm Wärme abstrahle.

Bauvorhaben: An die Stelle dieses Geschäfts- und Bürohauses in der Friedenstraße soll ebenso ein neues Gebäude kommen.

An die Stelle dieses Geschäfts- und Bürohauses in der Friedenstraße soll ebenso ein neues Gebäude kommen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch Zweite Bürgermeisterin Manuela Kreuzmair (CSU) fand kein Gefallen an den Vorschlägen für das neue Supermarkt-Gebäude. Sie kritisierte, dass es nicht gelungen sei, eine gemeinsame Planung für den neuen Edeka-Markt sowie für den gegenüber liegenden Gebäudekomplex am Therese-Giehse-Platz zu erreichen, der ebenfalls abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Dies monierte auch Haas. Der Oberbürgermeister sprach von einer "vertanen Chance" für die Innenstadt. Trotz intensiver Gespräche sei es nicht gelungen, die Eigentümer beider Gebäude zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Schwarze Box

Das Modell des geplanten Neubaus gefällt den Stadträten nicht.

(Foto: Andreas Ostermeier)

Positive Aspekte konnten die Stadträte den Planungen nur wenige abgewinnen. Gerhard Blahusch von den Grünen verwies auf die Planung von Parkplätzen für Lastenfahrräder. Franz Hermansdorfer (Freie Wähler) befürwortete die Verlegung der Parkplätze. Denn Abstellmöglichkeiten für Autos gebe es in der Innenstadt zu wenige, sagt er. Und die bestehende Tiefgarage sei nur schlecht nutzbar.

Der Bauherr ist der Stadt allerdings in einigen Punkten entgegengekommen. So will er laut Stadtbaurat Jürgen Thum für den Neubau auch recycelte Baustoffe aus dem bestehenden Gebäude verwenden. Das hatte die SPD-Fraktion gefordert. Auch soll das Dach begrünt werden und das neue Gebäude nur noch 55 Prozent der Energiemenge verbrauchen, die das bestehende benötigt.

Kaum Diskussion gab es dagegen über die Neubaupläne für einen Verbrauchermarkt in der Frieden-/Ecke Riesstraße. Auch dort soll das bisherige Haus durch ein neues ersetzt werden. Senninger sagte, das geplante Gebäude füge sich in die Umgebung ein. Stadtbaurat Thum attestierte dem Entwurf, man könne ihm aus städtebaulicher Sicht gut zustimmen. SPD-Fraktionssprecher Daniel Liebetruth sagte, in diesem Gebiet sei ein Nahversorger wichtig. Ein wenig kritisch sah er lediglich die geplanten Büroflächen. Ob in Zeiten von Home-Office das noch angebracht sei, wollte er wissen. Thum antwortete, dass die Stadt in diesem Bereich eine gemischte Nutzung von Wohnen und Arbeiten aufrecht erhalten wolle. Für eine Erhöhung der Anzahl der Wohnungen müsste ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

© SZ vom 18.06.2021
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