Aufbruch in Schottland Zeichen gegen den Brexit

Start zur Europatour: Claudia Zeiske beginnt ihre Reise im schottischen Huntly.

(Foto: Privat)

Claudia Zeiske aus Unterpfaffenhofen wandert durch Europa

Von Christian Lamp, Unterpfaffenhofen

Was bringt jemanden dazu, 1800 Kilometer zu wandern? Für Claudia Zeiske war es der Brexit. "Trauer, Wut und Unruhe" habe das Referendum 2016 bei ihr verursacht. Die 58-Jährige lebt und arbeitet in Huntly, im Nordosten Schottlands. Seit mehr als 25 Jahren ist sie mit dem Briten Nick May verheiratet, mit dem sie auch drei Kinder hat. Ihre Wanderung, die sie als "säkulare Pilgerreise" bezeichnet, führt sie zurück in ihre Geburtsstadt Unterpfaffenhofen: "From home to home", wie sie es nennt.

Zeiske bezeichnet sich selbst als Europäerin, ihren deutschen Pass hat sie auch nach so vielen Jahren in Schottland nicht abgegeben. Insofern ist sie als "Expat" auch unmittelbar vom Brexit betroffen. Dieser habe die Frage aufgeworfen, so die wandernde Europäerin, wo und was überhaupt (ihre) Heimat sei. Um das zu ergründen, wandert sie seit 3. Juli durch Europa, von Schottland durch England und die Niederlande in Deutschlands Süden. Im Gegensatz zu so vielen, betont sie, sei sie ja privilegiert genug und mit dem richtigen Pass ausgestattet, das zu unternehmen.

Daher stammt auch der Titel ihres dreimonatigen Projekts: "Pathport", von "path", englisch für Weg, und "passport", dem Pass. Ihre Pilgerreise solle die "große Zahl an sozialen, kulturellen und politischen Problemen" verdeutlichen, die die Brexit-Abstimmung für Europa als räumliche und ideelle Heimat aufgeworfen habe, sagt die Ökonomin und Anthropologin. Überwiegend würde der Brexit als große "Unsicherheit" und "Enttäuschung" wahrgenommen, berichtet sie nach zweieinhalb Monaten Wanderschaft. Zeiske befürchtet, dass diese Gemeinsamkeit wieder unter den abgrenzenden nationalen Identitäten zu verschwinden droht.

Mit dem Schiff hat sie am 21. Juli von Newcastle nach Holland übergesetzt, seit Anfang August wandert sie durch Deutschland. Am 30. September ist die Ankunft bei ihrer 84-jährigen Mutter in Unterpfaffenhofen geplant. Jeden Tag habe sie eine Postkarte nach Unterpfaffenhofen geschickt, erzählt Zeiske. Entlang der Romantischen Straße bei Nördlingen besuchte sie einen Cousin, in den nächsten Tagen ihren Bruder in Landsberg. Dann geht es über Herrsching nach Germering.

Am Ende ist ihre dreimonatige Wanderung auch eine Art eigenes Kunstprojekt. Die gesammelten Objekte wie symbolische Eichenblätter sowie hoffentlich zahlreiche Ideen will sie nutzen, um ihre Kunstorganisation, "Deveron Projects", ihre Heimatstadt Huntly und schließlich - vielleicht - Europa ein klein wenig zu verbessern. Dazu dient die Pilgerreise auch einem ganz profanen Zweck: "Digital Detox" nennt Zeiske das. Entschleunigung in einer beschleunigten digitalen Welt, der Versuch, abzuschalten und "physische und geistige Fitness" aufzubauen - für ihre Idee von Europa.