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Altlasten in Kottgeisering:Müll unterm Wertstoffhof

Zufahrt gesperrt: Der Wertstoffhof in Kottgeisering ist auf unbekannte Zeit nicht nutzbar.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Altlasten blockieren die Arbeiten zur Erweiterung der Abgabestelle

Unerwartet entdeckte Altlasten im Boden unter dem großen Wertstoffhof in Kottgeisering haben die Bauarbeiten zur Erweiterung der Einrichtung zum Erliegen gebracht. Da der Boden offensichtlich stark mit Schadstoffen belastet ist und voraussichtlich ausgetauscht werden muss, geht der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises von einer hohen Kostenmehrung aus. Nun muss allerdings geklärt werden, wer die Mehrkosten übernimmt: die Gemeinde als Grundeigentümer oder der AWB als Pächter und Betreiber oder vielleicht beide zu Anteilen, die zu vereinbaren sind. Bürgermeisterin Sandra Meissner (BV) treibt dies Sorgenfalten auf die Stirn. Die Rathauschefin fürchtet, dass die Gemeinde zumindest einen Großteil davon schultern muss. "Für eine kleine Landgemeinde ist eine hohe Beteiligung aber eine große Belastung, weil es zu Lasten des ohnehin knappen Geldes für Investitionen geht", sagte Meissner.

Im Zuge der Bauarbeiten war laut AWB-Sachbearbeiter Stefan Zöllner "wie stets üblich" der ausgebaggerte Boden untersucht worden. Da wegen der besseren Standfestigkeit des künftigen Untergrundes tiefer gegraben werden musste, war allerdings mehr Erdaushub nötig als gedacht. Bei der üblichen Beprobung des Materials sei dann festgestellt worden, dass der Aushub stellenweise zum Bespiel mit Schwermetallen höher belastet ist, als man nach der vorbereitenden Prüfung des Bodens hatte annehmen können. Man müsse nun die Abgrabungen zu einer Deponie bringen, wo kontaminiertes Material abgelagert werden kann. Wie der amtierende AWB-Werkleiter Stefan Mayer erzählte, sei an manchen Stellen beim Ausbaggern sogar Müll zum Vorschein gekommen. Alteingesessene Kottgeiseringer wundern sich darüber nicht, denn bis vor etwa 45 Jahren bestand dort eine aufgelassene Kiesgrube, die als Müllgrube diente und nach und nach verfüllt worden war. Damals sei dies noch rechtlich und bezogen auf Umweltfragen völlig unbedenklich gewesen, so Mayer. Als die Müllgrube, in der angeblich auch ein altes Autowrack entsorgt worden war, voll gewesen sei, sei diese einfach mit einer dicken Erdschicht überdeckt worden.

Meissner hofft nun, dass bei einem "runden Tisch" eine Regelung gefunden wird, die aus finanzieller Sicht für Kottgeisering "gut verträglich" ist. Erste Schätzungen gehen von Mehrkosten in Höhe von 200 000 Euro aus, die laut AWB-Sachbearbeiter Stefan Zöllner unter anderem wegen des Bedarfs an neuem Material zum Auffüllen kaum reichen werden. Am Montag wird sich der Werkausschuss mit der Problematik befassen. Bis dahin soll auch geklärt sein, wie hoch die Zusatzkosten für die Bodensanierung sein werden.

Der Wertstoffhofhof wird erweitert und die Müllcontainer werden neu geordnet. Überdies sollen Parkplätze, eine überdachte Annahmestelle für leichte Verpackungen, ein Sanitärraum, ein Löschwassertank und ein Regenwassersammelbecken geschaffen werden. Auch der Anschluss ans Stromnetz ist vorgesehen. Der AWB hat dafür eine halbe Million Euro eingeplant. Wann der Wertstoffhof wieder angefahren werden kann, ist nicht vorhersehbar und hängt laut Mayer aber auch davon ab, welche Arbeiten das Winterwetter zulässt.