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Alling:Mutmaßlicher Kinderschänder in Haft

Polizei nimmt Mann aus Fürstenfeldbruck wegen des Verdacht des sexuellen Missbrauchs an Kindern fest

Von Manfred Amann, Alling

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat ein mutmaßlich Pädophiler in Alling eine unbekannt lange Zeit sein Unwesen getrieben. Nachdem belästigte Kinder ihren Eltern von den Begegnungen mit dem Erwachsenen und seinem "anormalen Verhalten" erzählt hatten, wurde bei der Polizei in Germering Anzeige erstattet. Mitte Januar wurde der Mann Augenzeugenberichten zufolge von sechs Polizisten in Handschellen abgeführt. Wie Eltern der SZ berichteten, hatten Kinder im Vorschulalter bereits Ende Oktober über ihre Begegnungen mit dem Mann erzählt, bei denen dieser vor ihnen mit seinem Penis gespielt habe.

"Das hat uns erst Mal schockiert und auch stark verunsichert, denn Kinder erzählen manchmal auch Schauergeschichten", erinnert sich eine Mutter. "Sicherheitshalber" habe sie dann aber Eltern befreundeter Kinder davon informiert, woraufhin man gemeinsam verstärkt das Augenmerk darauf gerichtet habe, wo die Kinder sich aufhielten und diese immer wieder gefragt, ob es zu weiteren ähnlichen Vorkommnissen gekommen sei. Herausgekommen sei schließlich, dass der aus Fürstenfeldbruck stammende Mann, der sich des Öfteren in Alling aufhielt, immer wieder den Kontakt zu mehreren Kindern suchte, vor ihnen den Hosenschlitz öffnete und stehend oder sitzend auf einer Bank mit seinem Glied herumspielte.

Manchmal habe der Mann mittleren Alters Kindern auch Kekse oder Bonbons angeboten, um sie zu sich zu locken. "Und wenn eine Erwachsener des Weges kam, zog er schnell den Pulli über seine geöffnete Hose", so die Erzählung betroffener Kinder. Nachdem klar gewesen sei, dass die Geschichten von den Kindern nicht erfunden worden waren, sondern wahr sein mussten, hatten mehrere Eltern Anzeige erstattet. Tage darauf seien "Polizisten in Zivil" unterwegs gewesen und hätten den Mann beobachtet, so eine Mutter. Von der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck und der Pressestelle des für solche Fälle zuständigen Polizeipräsidiums Ingolstadt wurde die Festnahme auf Anfrage der SZ bestätigt. Weitere Angaben zum Sachverhalt wurden wie üblich "während laufender Ermittlungen" nicht gemacht. Ebenso wenig wollte sich die Staatsanwaltschaft München I zu den Vorfällen im Detail äußern.

Die Pressestelle der Justizbehörde teilte jedoch mit, lediglich bestätigen zu können, dass es zu einer Festnahme wegen des Verdachtes sexuellen Missbrauchs von Kindern in Alling gekommen ist. "Es geht um mehrfaches öffentliches Onanieren vor Kindern", so die Begründung für die Festnahme. Das Verfahren sei ursprünglich von der Staatsanwaltschaft München II bearbeitet worden, "aufgrund der Inhaftierung des Verdächtigen" zuständigkeitshalber aber an die Staatsanwaltschaft München I übergeben worden, die nun eine Klage vorbereite.

Ein von Eltern gehegter Verdacht, der Vorfall könnte im Zusammenhang mit der Sprengung eines Kinderpornoringes stehen, besteht laut Staatsanwaltschaft nicht. Die Eltern hoffen nun, dass der mutmaßliche Kinderschänder "möglichst dauerhaft weggesperrt" werde. Es sei ja nicht auszuschließen, dass sich der Festgenommene nach seiner Freilassung an den Kindern auf irgendeine Weise rächen wolle.

© SZ vom 17.02.2021
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