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Alling:Kein Bett im Kornfeld

Das Übernachten im Kornfeld ist nicht gestattet, warnt der Besitzer die Besucher.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nach der Entdeckung des Achtecks bei Biburg kommen die Menschen in Scharen und wollen mitten im Weizen übernachten. Der Grundbesitzer hat das aus Sorge ums Getreide jetzt verboten

Sie kommen aus Sachsen, aus Brandenburg, aus Nürnberg und Rosenheim und sie alle haben nur ein Ziel: ein in ein Weizenfeld getrampeltes Achteck im Allinger Ortsteil Biburg. Scharen pilgern seit Sonntagabend zu diesem Kornkreis, seit aus einer einfachen Pressemitteilung der Polizeiinspektion Germering eine Art Happening geworden ist. Der Besitzer des Feldes, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen will, sieht das Treiben mittlerweile eher gelassen, will aber nicht zulassen, dass sich die Kornkreis-Fans auch nächtens dort niederlassen.

Ob das Schild hilft, das der Biburger Nebenerwerbslandwirt am Rand des Weizenfeldes aufgestellt hat, weiß er nicht. Er kann nur hoffen, dass die vielen Menschen, denen er in den vergangenen Tagen begegnet ist, "so vernünftig sind und dort nicht übernachten". Denn bisher ist der Schaden, den die bislang unbekannten Täter bei ihrer Kornkreisaktion angerichtet haben, überschaubar. Ungefähr 500 Euro dürfte das Getreide wert sein, das in dem Kreis von 60 Metern Durchmesser niedergetreten worden ist. Um das achteckige Muster zu erschaffen sind nach Einschätzung der Polizei mindestens 10 bis 15 Leute notwendig. Davon geht Andreas Ruch, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Germering aus. Auch wenn die Polizei mit der Veröffentlichung von Luftaufnahmen des Kornkreises ziemliches Aufsehen erregt hat, so sollte damit ein Ermittlungsziel verfolgt werden: Zeugen zu finden, die die Täter beobachtet haben.

Das 35 000 Quadratmeter große Feld liegt nicht uneinsehbar, aber doch gut einen Kilometer außerhalb von Biburg. Am Donnerstagmorgen hatte ein Landwirt den Schaden entdeckt und zunächst den Vater des Grundbesitzers darüber informiert. Bei der Polizei Germering wurde eine Anzeige gemacht, später flog ein Polizeihubschrauber über die Felder und schoss einige Aufnahme. Beweise für die Sachbeschädigung, wenn auch eine "handwerklich gut gemachte", wie der Grundbesitzer sagt.

Sobald die ersten Polizeifotos im Internet kursierten, machten sich schon Kornkreis-Fans auf zu dem Biburger Feld. Dem Grundbesitzer, der, wenn er Zeit dazu hat, darauf achtet, dass sich keine Hunde im Feld aufhalten und auch keine Glasflaschen weggeworfen werden, hat von einem Besucher erfahren, dass dieser sogar bis nach England reise, wenn dort Kornkreise gemeldet würden. Die Leute seien freundlich und neugierig, er habe keinen Groll gegen die Besucher oder die Verursacher des Schadens, ihm gehe es darum, dass dieses Beispiel nicht Schule mache und noch mehr landwirtschaftliche Flächen betroffen wären. Schließlich seien die Landwirte gerade bei der Ernte, und auch er will, dass von seinem Feld etwas übrig bleibt. "Das Getreide soll schließlich verkauft werden." Schon in wenigen Tagen könne es soweit sein, je nach Verfügbarkeit des Mähdreschers. Das Problem mit den parkenden Fahrzeugen am Wegesrand soll schon bald gelöst sein, wenn die Gemeinde Alling ein Schild aufstellt, das die Einfahrt in den Feldweg verbietet. Seine Kollegen müssten schließlich mit ihren Traktoren auf die Felder fahren können, sagt der Grundbesitzer.

An der Stelle am Feldrand, wo die Leute ins Feld gehen, hat er am Montag eine Spardose für Spenden aufgestellt und dazu einen Zettel, dass das Übernachten im Feld verboten ist. Polizeisprecher Ruch kündigte an, dass die Streife auch darauf achten werde.

© SZ vom 22.07.2015

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