bedeckt München

Abspaltung von Eichenau:Separatisten feiern Jubiläum

Seit der Eigenständigkeit ist Alling stark gewachsen. Das Rathaus braucht einen Anbau, um die größere Verwaltung unterzubringen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Dorfgemeinschaft Alling besteht als politische Gruppierung seit 65 Jahren

Von Manfred Amann, Alling

Gerne hätten die Mitglieder und Freunde der Dorfgemeinschaft Alling (DGA) mit einer großen Feier an ihre Gründung vor 65 Jahren erinnert. Gilt der Zusammenschluss doch als die bedeutendste kommunalpolitische Entscheidung im damaligen Kampf der Allinger um die Abtrennung der Siedlung Eichenau zu einer separaten Kommune und um die Bewahrung der Selbstständigkeit von Alling. Doch Corona lässt eine feierliche Erinnerung leider nicht zu. Der Vorsitzende, Vizebürgermeister und Landtagsabgeordneter Hans Friedl von den Freien Wählern, denen sich die DGA 1989 anschloss, sowie die Fraktionschefin der FW im Gemeinderat, Simone Stenzer, haben daher über soziale Medien an das historische Ereignis erinnert.

Die DGA wurde am. 1. März 1956 von Michael Reischl, Josef Friedinger, Matthias Sporer, Matthias Schmalzgruber, Ferdinand Kain, Ernst Friedl, Ferdinand Breu, Ernst Hofmann, Florian Krammer, Max Vogt, Josef Echensperger und Matthias Friedl, als unabhängige Bürgergemeinschaft ins Leben gerufen und ist somit die älteste politische Gruppierung, die in Alling regelmäßig Kandidaten für Kommunalwahlen aufstellt und mit Ratsmitgliedern die Ortsentwicklung mitgestaltet. Trennungsbestrebungen habe es schon seit den Zwanzigerjahren, weil die seit 1907 durch königliches Dekret geschaffene Siedlung Eichenau rasant wuchs, dortige Bewohner im Gemeinderat bald die Oberhand bekamen, schließlich auch den Bürgermeister stellten und so praktisch über den Mutterort Alling bestimmen konnten. Schon 1924 war während der Ernte angeblich heimlich die Gemeindeverwaltung nach Eichenau verlegt worden, was das Trennungsbestreben der Allinger stark beflügelte. "Waren vorher die Eichenauer der Ansicht, dass ihre Siedlung von Alling zu wenig Beachtung findet, betrachtete sich Alling nun als Melkkuh der Eichenauer", beschrieb Hans Friedl anlässlich der 60-Jahrfeier vor fünf Jahren die damalige Situation.

Doch der Antrag auf Trennung in zwei Kommunen wurde vom damaligen Bezirksamt und vom Innenministerium mehrmals abgelehnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Kampf in Alling sofort wieder auf, doch die Fronten verhärteten sich, so dass 1952 sogar zum einem Wahlboykott kam und die Allinger Belange von einem Ortsausschuss im Gemeinderat vertreten werden mussten. Als vor der Wahl 1956 erneut zu einem Wahlboykott aufgerufen wurde, machten die Mitglieder vom Ortsausschuss, Matthias Friedl und Michael Reischl, nicht mit und stellten einen eigenen Wahlvorschlag zusammen, den sie Dorfgemeinschaft tauften. Laut Hans Friedl wurde der Name gewählt, "um darauf aufmerksam zu machen, dass Alling zusammenhalten muss, wenn man etwas erreichen will".

Bei der Wahl am 18. März 1956 konnte mit Matthias Friedl nur ein Allinger einen Sitz im Gemeinderat erlangen. Dessen Ziel war es fortan, in vielen Gesprächen und Beratungen die Trennung durchzusetzen. Nur wenige Monate nach der Wahl, am 20. Juli, stimmte der Gemeinderat für die Aufteilung und knapp ein Jahr später, am 1. April 1957, ordnete das Innenministerium die Neubildung der Gemeinde Alling an. Bei der ersten Wahl nach der Trennung erreichte die DGA die Hälfte der acht Sitze im Allinger Gemeinderat, und schließlich wurde Matthias Friedl zum Ersten Bürgermeister der neuen Gemeinde bestimmt. Im Jahre 2000 wurde Matthias Friedl mit der Allinger Bürgermedaille ausgezeichnet.

© SZ vom 30.03.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema