Auf Facebook Volksfest-Besucher machen Ausländer für Prügeleien verantwortlich

Auf Volksfesten geht es mitunter etwas rau zu, so auch im oberbayerischen Neufahrn. Auf Facebook hetzen Nutzer nun gegen Ausländer und geben ihnen die Schuld an den Prügeleien. Bürgermeister Rainer Schneider überraschen die Äußerungen nicht.

Von Thomas Radlmaier

Dass es bei Volksfesten mitunter etwas rau zugeht, ist nichts Neues. In polizeilichen "Volksfest-Bilanzen" vermerken die Beamten immer wieder Bierzeltbesucher, die sich unter Alkoholeinfluss prügeln. "Ganz normal" für ein Volksfest in Au, Moosburg oder Freising, könnte man meinen. Beim Volksfest in Neufahrn sind einige Facebook-Nutzer jedoch anderer Ansicht. Sie führen die dortigen Vorfälle auf den hohen Ausländeranteil in der Gemeinde zurück. 20 Prozent der Einwohner in Neufahrn haben keinen deutschen Pass. Die Bevölkerung der Ortschaft im südlichen Teil des Landkreises besteht zu etwa 35 Prozent aus Menschen mit Migrationshintergrund.

In den Kommentaren unter einem auf Facebook veröffentlichten Bericht der SZ Freising zu zwei Schlägereien auf dem Neufahrner Volksfest ist unter anderem vom "asozialsten Volksfest im kompletten Landkreis" die Rede. Nicht wenige teilen zum Beispiel die Meinung eines Users, der folgendes schreibt: "Mich wundert, dass das Volksfest in Neufahrn noch existiert. Das war schon immer Mist, und das wird es auch immer bleiben. In Neufahrn geht so was halt nicht. Warum, das kann sich jeder selbst überlegen", beendet dieser sein Statement, das mit acht Likes gewürdigt wird.

Ein anderer dagegen nennt das, was in vielen Kommentaren unterschwellig mitschwingt, beim Namen: "Typisch Little Istanbul", meint er und hebt einen Satz aus dem Polizeibericht hervor, "die Schläger hatten eine kräftige Statur und sprachen vermutlich Türkisch."

"Wir haben in unserer Gesellschaft ein Problem am politisch rechten Rand"

Der Leiter der Polizeiinspektion Neufahrn, Peter Vogtleitner, kennt solche Vorurteile. Er denkt allerdings nicht, dass Neufahrn ein "Ausländerproblem" habe. "Unter türkischen Mitbürgern gibt es genau so viele Idioten wie unter Deutschen", weiß Vogtleitner. Keineswegs habe er die Absicht, zu bagatellisieren. Doch es wäre ein Fehler, etwas hoch zu stilisieren, "was nicht existiert", meint er. Schließlich wären bei den Schlägereien am Mittwoch wahrscheinlich nur in einem Fall Türkisch sprechende Jugendliche beteiligt gewesen. "Der hohe Ausländeranteil führt eben dazu, dass auch mal solche Leute in polizeiliche Angelegenheiten verwickelt sind", erklärt Vogtleitner.

Den Neufahrner Bürgermeister Rainer Schneider überraschen die Äußerungen auf Facebook nicht. Für ihn bedeuten sie die Bestätigung einer These, die in der bayerischen Politik gerne kleingeredet wird. "Wir haben in unserer Gesellschaft ein Problem am politisch rechten Rand", stellt Schneider fest. Er wundere sich darüber, dass bei einer Bierzeltschlägerei vor 30 Jahren die Schuld nicht der Landsmannschaft zugeordnet worden sei. "Damals überwog anscheinend die Haltung, dass auf Volksfesten eben traditionell geschlägert wird", glaubt Schneider. Von dem Personenkreis, der auf Facebook derartige Kommentare von sich gibt, fordert der Neufahrner Bürgermeister: "Die sollen wenigstens mit ihrem richtigen Namen ihre Statements in der Öffentlichkeit äußern."

Seit 17 Jahren veranstaltet Gerhard Widmann das Volksfest in Neufahrn. Der Festwirt findet nicht, dass sich die Besucher hier öfter prügeln als in Moosburg, Freising oder Au. Auch heuer habe er nichts Außergewöhnliches bemerkt. Für den besagten Mittwoch hätten ihm seine Securities "vier kleinere Rangeleien" mitgeteilt. Jedoch könne er lediglich die Sicherheit der Besucher auf dem Festplatz gewährleisten. "Alles was außerhalb des Festplatzes passiert, entzieht sich unserer Kenntnis", sagt Widmann. Vier Securities sind während des Volksfestbetriebs im Einsatz. Auf die Frage, ob er glaube, dass das zu wenig Sicherheitspersonal für ein Volksfest ist, antwortet er: "Nein, das waren noch nie mehr."

In der Nacht zum Sonntag kam es zu einem weiteren Vorfall: Nach Angaben der Polizei hatte eine "elfköpfige türkische Personengruppe" vor dem Bierzelt auf einen 23-Jährigen grundlos eingeschlagen. Die Schläger waren der Polizei aufgrund eines vorangegangenen Disputes im Bierzelt bekannt. Die Beamten konnten die Täter daher schnell finden. "Ich mache keinen Unterschiede zwischen Deutschen und Ausländern", sagt Bürgermeister Schneider, "für mich sind das alles Neufahrner. Wer hier lebt, muss sich dessen bewusst sein, dass wir eine bunte Gemeinschaft sind."