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Wenige Wochen nach Baubeginn:Förderverein verärgert Stadträte

Statt das ursprünglich versprochene Geld zum Bau des Eisstadions beizusteuern, werden weitere Forderungen gestellt

Freising - Den Verantwortlichen des Fördervereins und dem Bundestagsabgeordneten und früheren CSU-Stadtrat Erich Irlstorfer müssen am Donnerstag die Ohren geklungen haben: Gut eine Stunde lang diskutierte der Stadtrat über die Wünsche des Vereins für den gemeinsamen Bau des Eisstadions in der Luitpoldanlage - und das Unbehagen über das Gebaren der Förderer war quer durch die Fraktionen greifbar.

Der Förderverein, der bei seiner Gründung einmal gut zwei Millionen Euro für das Stadion versprochen hatte, muss inzwischen nur noch etwas mehr als die Hälfte davon zum Bau der Halle beisteuern. Doch lediglich 500 000 Euro sollen wirklich aus Eigenleistung resultieren - für den Rest braucht der Verein erneut die Hilfe der Stadt. Und so sah der Forderungskatalog, der den Stadträten jetzt vorgelegt wurde, neben der üblichen - und weitgehend unstrittigen - Sportförderung von zehn Prozent Zuschuss und zehn Prozent zinslosem Darlehen (je 110 000 Euro) weitere Posten vor. Danach soll die Stadt für das 300 000 Euro-Darlehen bei der Sparkasse die Bürgschaft übernehmen. Der Förderverein will seine Einnahmen durch die Vermarktung der Werbeflächen und Veranstaltungen generieren - und eine angeblich bereits eingeworbene, 100 000 Euro schwere Sponsorenzusage für die Namensrechte an dem Stadion soll dem Verein angerechnet werden, wenn die Stadt die Rechte an einen anderen Bieter vergibt.

Diese überdimensionale Förderung eines einzelnen Vereins ging vielen Stadträten zu weit. In dem jüngsten Schreiben des Fördervereins werde "auf vielen Seiten viel gefordert, es fehlt aber die Information, wie es mit der Eigenleistung aussieht", kritisierte Reinhard Fiedler. Dem FSM-Fraktionssprecher widerstrebte es außerdem, die "schöne Halle" nun derart mit Werbung zuzupflastern. "Wir stellen der Eishockey-Abteilung da eine sündteure Halle hin und trotzdem kommen immer neue Forderungen", empörte sich Eckhardt Kaiser (Linke). Es gebe keinen seriösen Finanzplan und nur vage Versprechungen zu den Eigenleistungen. "Wir müssen das ablehnen und dem Druck widerstehen, den die aufbauen", so sein Appell - manch ein Kollege nickte zustimmend.

Und während Kaiser noch in Andeutungen von "Männerfreundschaften" und "Absprachen, die nicht vom Stadtrat abgesegnet waren" geredet hatte, scheute sich Sebastian Habermeyer (Grüne) nicht, Ross und Reiter zu nennen: "In der Geschichte des Eisstadions ist starke Lobbyarbeit geleistet worden", fasste er zusammen - "und der damalige Stadtrat Erich Irlstorfer war dabei sicher sehr federführend". Diese Behauptungen fand dann zwar CSU-Fraktionssprecher Peter Geiger "definitiv unverschämt", blieb mit dieser Meinung aber schon deshalb relativ allein, weil Irlstorfer schlicht der für das Eisstadion zuständige Referent war, wie Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher trocken erinnerte.

Habermeyer zeigte sich zudem verwundert darüber, dass vom Förderverein niemand in der Sitzung anwesend sei, "wo es doch angeblich um eine so überlebenswichtige Entscheidung geht". Trotzdem stimmte auch er am Ende mit der 24:12-Mehrheit für die Wünsche des Fördervereins - und er tat das wegen des Dilemmas, das FDP-Stadträtin Anna-Maria Sahlmüller, stets eine Kritikerin der Eishallen-Pläne, zusammenfasste: "Wir haben den Fehler schon viel früher gemacht", sagte sie: "Wir haben als Stadtrat entgegen unseren Vorstellungen Dingen zugestimmt, weil wir so angegangen wurden." Jetzt aber müsse man Ja sagen, weil der Bau bereits begonnen sei.

Tatsächlich ist das finanzielle Risiko, auf das sich die Stadt mit der erneuten Unterstützung des Fördervereins einlässt, nicht sehr groß, wie Eschenbacher aufzeigte: Wenn der Förderverein die Darlehen von insgesamt 410 000 Euro tatsächlich nicht zurückzahlen könne, habe die Stadt diese Summe zwar verloren, dafür aber ja den Gegenwert der vom Verein erbrachten Eigenleistung erhalten. Wenn der Förderverein dagegen jetzt aussteige, bleibe die Stadt auf 1,1 Millionen Euro sitzen, so seine nüchterne Analyse.

Für die Zukunft wünschte sich Birgit Mooser-Niefanger (Grüne), dass der Stadtrat aus diesen Machenschaften lerne "und wir uns nie wieder auf so ein Spielchen einlassen". Dass es inzwischen möglicherweise weitreichendere Zweifel an der Entscheidung für den Bau der Halle gibt, ließe sich aus einer Bemerkung von Anton Frankl (FSM) ablesen: "Wenn es einen Bürgerentscheid zum Eisstadion gegeben hätte - ich möchte nicht wissen, wie der ausgegangen wäre", sagte er.