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Vortrag beim Bürgerverein Freising:"Der Klimawandel ist längst da"

Matthias Drösler, Ordinarius für Vegetationsökologie, spricht beim Bürgerverein über nötige Wiedervernässung von Mooren

Von Johann Kirchberger, Freising

Die Frage sei nicht, ob der Klimawandel kommt, "der Klimawandel ist längst da", sagte Professor Matthias Drösler bei der Mitgliederversammlung des Bürgervereins. In Bayern seien die Temperaturen um ein Grad im Sommer und 1,3 Grad im Winter angestiegen, "das Klima wird unsicherer, die Extreme nehmen zu". Drösler, Ordinarius für Vegetationsökologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, hält die Trendwende für unabdingbar, um die maximale Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Notwendig sei, mehr Kohlendioxid CO₂ zu speichern, als ausgestoßen wird. Das gehe nur, wenn man die Moore wieder befeuchtet macht und Bäume pflanzt.

Moore binden CO₂, werden sie ausgetrocknet, verlieren sie nicht nur ihre klimaschützende Wirkung, sie werden selbst zu Treibhausquellen, weil sich dadurch viel pflanzliches Material zersetzt. Nun sei es aber so, dass gerade Moore in erbärmlichem Zustand sind, so Drösler. Jahrhundertelang habe man sie ausgetrocknet, so wurden und werden Unmengen von CO₂, Methan und Lachgas frei. Moore seien heute der Ökosystemtyp, der am meisten CO₂ ausstößt. Je tiefer der Wasserstand, umso höher die Emissionen. Notwendig sei es, den Wasserstand wieder anzuheben. Das stehe auch so im bayerischen Klimaprogramm 2050. Am meisten CO₂ stoße in Bayern das Donaumoos aus, wo vor allem Kartoffeln angebaut werden. Erforderlich sei, so Drösler, die Bewirtschaftung zu ändern, etwa Schilf anzubauen und Landwirte zu entschädigen. Auch das Freisinger Moos müsse spürbar aufgenässt werden. Sei dies wegen der Eigentümer nicht flächendeckend möglich, könne dies auch mit einer Unterflurbewässerung erfolgen.

Im Erdinger Moos, auf der für die dritten Startbahn vorgesehenen Fläche, habe man nur einen Besitzer, den Flughafen. Betroffen seien 144 Hektar Anmoor und 49 Hektar Niedermoor. Nehme man den Umgriff dazu, gehe es um 564 Hektar Moorlandschaft. Lege man das trocken, komme es durch die 3. Startbahn zu einem äquivalenten CO₂-Ausstoß von 11 000 Tonnen im Jahr. Problematisch sei es auch, organischen Boden wegzunehmen. Dadurch entstünden Unmengen von Methan, das schlimmer als CO₂ sei. Drösler berichtete von Bemühungen des Flughafens, etwas für den Klimaschutz zu tun. Das sei besser als nichts. "Durch den Verzicht auf die 3. Startbahn könnte der Flughafen aber im großen Umfang einen wirklichen flächendeckenden Klimaschutz leisten."

Schon beim Bau des Flughafens habe man das Moor zerstört, berichtete Aufgemuckt-Sprecher Christian Magerl. Man habe den Boden abgeschoben und mangels Verwendung Besucherhügel aufgeschüttet. Dass der Bodenaustausch illegal gewesen sei, habe man Jahre später zugegeben, so Magerl. Die FMG, forderte auch er, müsse daher jetzt dringend mit der Wiederbewässerung des Erdinger Mooses beginnen. Drösler räumte auch mit Mär auf, die Grundwasserabsenkung führe zu weniger Nebel führe. Das Gegenteil sei der Fall, sagte er. Streiche kühle Luftfeuchte von der Isar über die ausgetrocknete Oberfläche, entstehe Nebel. Der Flughafen verhindere also nicht die Nebelbildung, so Drösler, "der Flughafen macht Nebel".

Zu Beginn der Versammlung beklagte Vorsitzender Reinhard Kendlbacher die steigende Zahl von Nachtflügen. Von 2015 bis 2018 seien die Flüge zwischen 22 und 6 Uhr von 21 000 auf 28 000 gestiegen. In Pulling sei dadurch der Dauerschallpegel von 47,3 auf 49,7 dBA gestiegen. Trotzdem weigere sich die FMG, 30 Jahre alte Lärmschutzfenster zu erneuern. Magerl berichtete, dass die maximalen Flugbewegungen von 2008 weiterhin nicht erreicht würden, im Gegenteil. In der 44. Kalenderwoche sei ein Minus von 2,9 Prozent gemeldet worden, in der 45. Kalenderwoche von 11,1 Prozent, allerdings habe da ein Streik mitgewirkt. Nach wie vor steigend sei die Zahl der Flugpassagiere. Die Fracht sei jedoch um knapp fünf Prozent weniger geworden.

© SZ vom 15.11.2019

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