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Vermisstensuche:Rettungshunde für drei Landkreise

Christina Lex, Leiterin der Facheinheit Rettungshunde der Freiwilligen Feuerwehr Aschheim, unterstützt die Pastettener Bestrebungen. Hier ist sie mit ihrem Hund Blueberry bei einer Übung zur Personensuche zu sehen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Freiwillige Feuerwehr in Pastetten will eine Staffel gründen, die auch für Freising zuständig ist

Von Gerhard Wilhelm, Pastetten/Freising

Die Freiwillige Feuerwehr Pastetten will als erste Feuerwehr im Landkreis Erding eine eigene Rettungshundestaffel ins Leben rufen - eine "Facheinheit Rettungshunde - Ortungstechnik (RHOT)". Begründet wird das in einem Antrag an den Gemeinderat mit den zunehmenden Vermisstenfällen. Vor allem ältere, demente Personen seien betroffen, aber auch Kinder und Jugendliche würden vermehrt gesucht.

"Rettungshunde sind eine sinnvolle Ergänzung für die taktischen Einsatzeinheiten der Rettung und Ortung", sagt Feuerwehrkommandant Peter Lex. Zunächst wolle man mit vier Personen und ihren Hunden ein Jahr auf Probe beginnen. Alle vier sind Mitglieder der Feuerwehr Pastetten und waren bis vor kurzem Mitglieder der privaten Rettungshundestaffel Isar. Diese hatte zuvor vergeblich versucht, in der Gemeinde einen Trainingsplatz zu bekommen. Über den Antrag entscheidet der Gemeinderat an diesem Dienstag.

Was der Staffel Isar nicht gelang, unter anderem weil es im Gemeinderat keine Mehrheit für die Überlassung eines gemeindeeigenen Grundstücks gegeben hatte, wird kein Stolperstein für die Feuerwehr. "Ein Trainingsgelände sowie ein Großteil der Trainingsgeräte sind ebenfalls bereits vorhanden, noch fehlende Geräte werden über Spenden finanziert", sagt Lex. Für das beantragte Probejahr würden für die Kommune keine Kosten anfallen. Erst danach wäre ein eigenes Budget wünschenswert, so der Kommandant. Impfungen, Kranken- und Haftpflichtversicherung sowie die Hundesteuer würden von den Hundebesitzern übernommen. Ausrüstung wie leichte Einsatzjacken, Stirnlampen und Kenndecken für die Hunde decke man mit dem vorhandenen Budget ab.

Dem Antrag vorausgegangen ist laut Kommandant Lex ein Jahr mit "reichlichen Überlegungen" und Fachgesprächen, unter anderem mit Christina Lex, Leiterin RHOT der Freiwilligen Feuerwehr Aschheim und Hauptmitwirkende beim Landesfeuerwehrverband Arbeitskreis Rettungshunde. Aschheim ist eine der 25 Rettungshundeeinheiten bei Feuerwehren in Deutschland - fünf gibt es in Bayern. Auch der Landesfeuerwehrverband und Erdings Kreisbrandrat Willi Vogl unterstützen laut Peter Lex die Gründung, da sie "ein erheblicher Mehrwert für unsere Feuerwehr, für unsere Gemeinde, aber auch für die gesamte Region wäre". Die Hunde sollen nicht nur im Landkreis, sondern auch in Freising und Ebersberg zum Einsatz kommen. Alle drei Landkreise werden von der Integrierten Leitstelle (ILS) Erding betreut.

Feuerwehr-Kommandant Lex betont den großen Vorteil, den eine eigene Rettungshundestaffel habe: "Während eine private Staffel erst unsere logistische Hilfe anfordern muss, ist bei uns von Anfang an alles da. Von der Koordinierung des Einsatzes bis zu technischen Hilfsmitteln wie Ausleuchtung, Zelte, Versorgung, da Einsätze oft bis zu acht oder zehn Stunden gehen können." Zudem seien die Hundeführer aktive Mitglieder der Feuerwehr und haben die Grundausbildung erfolgreich absolviert.

Pastettens Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger (CSU) sieht auf Anfrage der SZ keinen Grund, der gegen die Genehmigung des Probejahres für eine Rettungshundestaffel bei der Feuerwehr sprechen könnte. Der Hauptgrund, warum sich die private Staffel Isar nicht in der Gemeinde ansiedeln konnte, sei das fehlende Grundstück gewesen. Entweder scheiterte die Suche an behördlichen Hürden oder an einem Nein des Gemeinderats bei einem Grundstück der Gemeinde. Dieses Problem gebe es jetzt nicht. Im Übrigen sei eine Rettungshundestaffel eine gute Sache. Die Bürgermeisterin hatte sich deshalb auch für die Ansiedlung der Rettungshundestaffel Isar eingesetzt.

Der Vorsitzende des Vereins, Andreas Inioutis, ist von der Entwicklung in Pastetten nicht überrascht. Er habe gewusst, dass eine Familie im Verein aufgehört habe. "Ich denke, sie wollen eine eigene Staffel gründen." Das habe sich mit dem Antrag bestätigt. Derzeit sei sein Verein immer noch auf der Suche nach einem Vereinsgelände, auf dem Ausbildung und Training der Tiere möglich sei.

Fast 30 Jahre war die Heimat der ehrenamtlichen Helfer mit ihren vierbeinigen Kollegen ein Gelände an der Kirchenstraße bei Schwaig. Doch der Vermieter dort, der langjährige frühere Vorsitzende des Vereins, hatte aus privaten Gründen wegen Eigenbedarfs zum 31. Januar 2016 gekündigt, er selber habe aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten müssen. Seitdem trainieren Hunde und ihre Besitzer an verschiedenen Orten.

© SZ vom 10.12.2019
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Mehrmals in der Woche trainieren die Mitglieder der Rettungshundestaffel Isar mit ihren Vierbeinern für den Ernstfall. Der Verein hat jedoch ein großes Problem: Er hat kein eigenes Trainingsgelände mehr.

Von Laura Dahmer