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Tragischer Unfall im Jahr 1951:Eisenbahnunglück im dichten Nebel

Vor 70 Jahren sind zwei Freisinger am Lohhofer Bahnhof ums Leben gekommen, weil sie helfen wollten

Von Peter Becker, Freising/Lohhof

"Ihre Hilfsbereitschaft hat ihnen den Tod gebracht." Unter diesem Titel berichtet das Freisinger Tagblatt am 31. Januar 1951 über den Tod zweier Freisinger. Diese waren fünf Tage zuvor bei einem Eisenbahnunglück im Lohhofer Bahnhof ums Leben gekommen, als sie versuchten, einen Lastwagen von den Gleisen zu schieben. Unter den vier Getöteten befanden sich ein 23-jähriger junger Mann aus Lerchenfeld und ein 55-jähriger Neustifter. Das Unglück sorgte vor 70 Jahren für große Anteilnahme unter der Freisinger Bevölkerung.

Die damals noch erscheinende Freisinger Zeitung schilderte den Unfall in ihrer Ausgabe vom 29. Januar 1951 ausführlich. Demnach hatte sich am Freitag zuvor am Lohhofer Bahnhof ein "folgenschweres Eisenbahnunglück" ereignet. Der aus München kommende Personenzug 1011 war kurz vor 16.30 Uhr langsam in die Station eingefahren. In diesem Augenblick durchbrach ein Lastwagen auf der Bundesstraße 13 die Bahnschranke und rammte die schon fast zum Stehen gekommene E-Lok. Obwohl der Aufprall nicht allzu stark war, platzte im Dieselmotor des Lasters eine Leitung, und der Motor fing Feuer.

Der Lastwagenfahrer und sein Beifahrer sprangen aus dem Wagen, um das Feuer zu löschen. Andere Männer aus dem Personenzug eilten zu Hilfe, um das schwere Gefährt mit seinen zwei Anhängern von den Gleisen zu schieben. Denn allen war bewusst: In wenigen Minuten würde der Gegenzug aus Richtung Freising in den Bahnhof einfahren.

Gerade als die Männer fieberhaft versuchten, den Lastwagen aus dem Weg zu räumen, erscholl der Ruf: "Der Eilzug kommt!" Laut Berichterstatter war es zu diesem Zeitpunkt für einige der Helfer schon zu spät, sich aus der Gefahrenzone zu bringen. "Mit einem irrsinnigen Krach fuhr der aus Richtung Freising kommende beschleunigte Personenzug mit einer Geschwindigkeit von 85 Stundenkilometern in den Lastzug hinein", heißt es in der Freisinger Zeitung. Er habe das Fahrzeug aufgegabelt und es etwa 400 Meter mitgeschleift. Dabei habe sich das brennende Dieselöl über die Front der Lok ergossen, so dass diese wie eine Fackel geleuchtet habe. Ein Teil der mit dem Lastwagen beschäftigten Männer und auf dem Bahnsteig stehende Reisende wurden von den Trümmern des Fahrzeugs getroffen. Dabei kam der Neustifter sofort ums Leben. Der 23-jährige Lerchenfelder starb auf dem Weg ins Oberföhringer Krankenhaus.

Der Eilzug kam erst ein gutes Stück außerhalb des Bahnhofs zum Stehen, wobei der Lastwagen die E-Lok aus dem Gleis hob. Der Fahrer der Lok berichtete, dass er aufgrund des dichten Nebels die Situation zu spät erkannt habe und deshalb nicht mehr bremsen konnte. Er blieb bei dem Unfall unverletzt. Der Lastwagenfahrer gab gegenüber Staatsanwalt und einem Beamten der Landpolizei ebenfalls an, er habe wegen des dichten Nebels die Bahnschranke zu spät gesehen, obwohl er mit eingeschaltetem Licht gefahren sei.

Unterdessen war die Kunde von dem Unfall bis nach Freising vorgedrungen. Die Frauen der Männer, die für gewöhnlich um diese Zeit aus München von ihrer Arbeit zurückkehrten, hatten sich am Bahnhof versammelt. Sie wollten Näheres von den Beamten erfahren. Der Personenzug 1011 traf dann um 18.30 Uhr in Freising ein.

Besonders tragisch ist das Schicksal des verunglückten jungen Lerchenfelders. Er hatte geplant, noch im selben Jahr zu heiraten.

© SZ vom 27.01.2021
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