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Ein Clown in Namibia:Ein Lachen im Gepäck

Toni Toss in Namibia

Fürstlicher Empfang: Auch Hompa, König der Kavango-Region, hat die "Clowns ohne Grenzen", darunter Toni Toss aus Wang, auf ihrer Reise durch Namibia willkommen geheißen.

(Foto: Fabia Mendoza/oh)

Anton Czemmel aus Wang alias Toni Toss ist mit drei Mitstreitern für "Clowns ohne Grenzen" zwei Wochen lang in Namibia unterwegs, um Kindern, die unter schwierigen Bedingungen leben, unbeschwerte Stunden zu bereiten

Namibia ist ein tolles Land. Zumindest für Touristen. "Man kann da wunderschöne Urlaube machen - und bekommt von den ganzen Missständen nichts mit", sagt Anton Czemmel. Der Wanger hat die ehemalige deutsche Kolonie auch von einer anderen Seite kennengelernt. Czemmel alias Toni Toss war vor Kurzem zusammen mit den Berlinerinnen Sonja Zeyfang und Barbara Duss sowie der Fotografin Fabia Mendoza rund zwei Wochen lang für den Verein "Clowns ohne Grenzen" in dem südwestafrikanischen Land unterwegs. Sie spielten dort 27 Shows vor insgesamt etwa 8500 Kindern - und bescherten damit vielen Menschen, die in ihrem Leben oft nicht allzu viel zu lachen haben, ein paar unbeschwerte, spaßige Stunden.

Ein Teil von Namibia "ist absolut Erste Welt", sagt Czemmel, "aber es gibt dort definitiv keine Zweite Welt, und ein ganz großer Teil ist Dritte Welt". Neben idyllischen Postkarten-Landschaften ist das Land geprägt von einem großen Alkoholismus-Problem, Korruption sowie Krankheiten wie Tuberkulose und Aids. Eine große Baustelle ist zudem das Bildungssystem. Die Regierung stecke zwar rund 20 Prozent ihres Etats in die Schulen, "aber denen mangelt es trotzdem an vielem", berichtet Czemmel. So gebe es in Namibia viele Regionen mit unterschiedlichen Sprachen, aber oft nicht die sprachlich passenden Lehrmaterialien und Bücher. Ein großes Problem ist zudem die Qualifikation der Lehrer. Deren Ausbildung, berichtet Czemmel, sehe folgendermaßen aus: "Du gehst neun Jahre in die Schule, musst keinen Abschluss machen - und bist Lehrer."

Was allerdings noch schwerer wiegt, ist der Umgang mancher Lehrer mit ihren Schülern. Wegen der sehr dünnen Besiedelung des Landes und der großen Entfernungen zu den Schulen besuchen fast alle Kinder ein Internat - und müssen dort zuweilen die bittere Erfahrung machen, dass in dem Land selbst Lehrer korrupt sind. "Essen, das für die Kinder bestimmt ist, verhökern die woanders, und die Kinder müssen Hunger leiden - das hat mich echt mitgenommen", sagt Czemmel.

Mit ihren Auftritten in Kindergärten, Schulen, Suppenküchen und anderen Anlaufstellen für Kinder konnten die drei Clowns aus Deutschland den Kleinen auf ihre Art nun ein bisschen Freude bereiten. Wobei es für die Kinder schon eine ganz neue Erfahrung war. "Wenn jemand aus Europa da ist, gehen die gleich mit ans Auto und erwarten, dass sie Guttis oder irgendwelche anderen Sachen bekommen, weil das sonst meistens so ist", sagt Czemmel: "Für sie war es was Neues, dass wir nur ein Lachen mitbringen." Aber was heißt da "nur". Die Kinder - und auch Erwachsenen - hatten bei den Auftritten "einen Riesenspaß", sagt der Clown aus Wang. "Und sie haben für uns dann ihre traditionellen Lieder gesungen und getanzt - man kriegt also auch was zurück, das war wahnsinnig schön."

Für die Clowns aus dem fernen Europa war das der Lohn für ihre Strapazen. Denn: "Urlaub ist das definitiv nicht", sagt Czemmel, nach seiner Rückkehr sei er "ganz schön fertig" gewesen. Kein Wunder. Die Clowns legten in ihrem Geländewagen, den ihnen ein Autovermieter namens Luan kostenlos zur Verfügung stellte, insgesamt 2500 Kilometer zurück - bei 40 Grad Hitze und meist auf unbefestigten Schotterstraßen. Aber die Reise bescherte Czemmel und seinen Mitstreiterinnen auch viele schöne Momente und Begegnungen. Wie jene mit Hompa, dem König der Kavango-Region, der sie in seiner Hütte empfing. Oder die mit zwei Lehrerinnen, die das Quartett bei sich übernachten ließen. Man unterhielt sich, kochte füreinander. "Das war ein sehr schöner Austausch", sagt Czemmel, für den es insgesamt schon die sechste Auslandsreise mit "Clowns ohne Grenzen" war. Ob und wann er sein nächstes Abenteuer anpackt, ist noch ungewiss. "Aber nächstes Jahr", sagt er, "will ich jetzt eigentlich erst mal nichts machen".

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