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Sophienhospiz Freising-Erding:Unter einem guten Stern

Die Arbeiten zum Bau des künftigen Sophienhospizes am Sternweg in Erding laufen bereits auf Hochtouren. Am vergangenen Dienstag wurde feierlich der Grundstein gelegt.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Grundstein ist gelegt. Die Eröffnung für den Neubau in Erding ist für Herbst 2021 geplant

Von Regina Bluhme, Erding

Kurz vor Beginn der Veranstaltung wird ein Bagger von einem Kran durch die Luft gehievt und zur Seite geschafft. Noch schnell aufräumen in der gewaltigen Baugrube am Erdinger Sternweg. Dort war am Dienstagnachmittag Grundsteinlegung für das Sophienhospiz Freising-Erding. Ins Rollen gebracht hat das Projekt die MWS-Stiftung der Freisinger Familie Folger. In den Ansprachen betonten die Vertreter der beiden Städte und Landkreise die Bedeutung dieser Einrichtung, die Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Landräte und Oberbürgermeister zeigten sich zudem zuversichtlich, dass das gemeinsame Haus Freising und Erding näher zusammenbringen wird.

Der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) sprach von der Herausforderung, die die Landkreise und Kreisstädte von Freising und Erding "mit Optimismus, Zuversicht und einer klaren Vision" angenommen hätten. Sein Dank ging an das Ehepaar Folger, die mit Tochter Sofia die MWS-Stiftung gegründet hatten, um ein Hospiz in der Region zu errichten. Er wolle an der Stelle "einen großen Dank der Bürger und Bürgerinnen zum Ausdruck bringen". Großen Dank zollte der Erdinger OB auch allen, die in der Hospizarbeit in Freising und Erding tätig sind.

Kurz erinnerte Gotz an die Anfänge: 2016 haten sich erstmals die Landräte und Bürgermeister der beiden Landkreise getroffen, nachdem die Krankenkassen Grünes Licht für das Projekt gegeben hatten. Schnell stand fest, dass in Freising kein geeignetes Grundstück zur Verfügung stand, aber Gotz wusste: "Ich hab eins mit wunderbarem Hintergrund": Der 2013 verstorbene Erdinger Karl Käser hatte der Stadt Erding sein 3121 Quadratmeter Grundstück am Sternweg vermacht mit dem Wunsch, es solle etwas fürs Gemeinwohl entstehen. Käser habe Mut gezeigt und Vertrauen in die Stadt. "Ich denke, wir haben den Nachweis erbracht, dass wir mit dem Grundstück etwas Gutes tun", so Gotz.

"Ein Zuhause" soll das Gebäude werden, "für zwölf Menschen, die ihre letzte Lebenszeit nicht in der gewohnten Umgebung verbringen können", sagte Marianne Folger. Mit zwölf Gästezimmern gehört das Sophienhospiz zu den größeren Einrichtungen dieser Art. Betrieben wird es von der gemeinnützigen Hospiz-Betreibergesellschaft mit Thomas Heim als kaufmännischem Leiter. Rita Gabler vom Palliative-Care-Team Erding übernimmt die Heimleitung und Leitung des Pflegediensts. Wie Marianne Folger ausführte, ist die Idee in den Hospizvereinen Freising und Erding samt Palliativteams entstanden. Freie Plätze in Hospizen gebe es nur wenige. Durch den Zusammenschluss der Landkreise Erding und Freising und einem Teil von Ebersberg sei es gelungen, die von den Krankenkassen vorgeschriebene Mindesteinwohnerzahl zu erreichen.

Werner Folger dankte allen in der Hospizarbeit Tätigen, zudem Architekt Edwin Effinger und Bauunternehmen Donhauser für die gute Zusammenarbeit. Sein größter Dank galt Max Gotz: "Er hat sein Herzblut hineingesteckt und uns immer unterstützt." Im Sommer 2021 Bau soll das Haus stehen, die Eröffnung ist laut Werner Folger für Herbst 2021 geplant. Er verwies darauf, dass die Kosten für den Betrieb nicht durch die Krankenkassenbeiträge komplett aufgefangen werden können. Das Haus werde auf Spenden und das Engagement der Kommunen angewiesen sein. Ein Förderverein ist in Planung.

In einer Videobotschaft dankte Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei, allen Beteiligten. Er sei überzeugt, "dass das Vorhaben unter einem guten Stern steht". Ulrike Scharf, die Erdinger CSU-Landtagsabgeordnete, betonte: "Hier entsteht etwas Segensreiches." Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) freute sich über "das Landkreis- und Städte-übergreifende Miteinander" und Freisings Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) betonte: Sterbende bräuchten Zuwendung, "aber auch Angehörige brauchen jemand, der sie auffängt". Zum Schluss mauerte Familie Folger gemeinsam mit Gotz eine Kapsel ein. Darin befindet sich auch ein Lebenslauf von Karl Käser. Etwas "Vernünftiges" solle die Stadt mit seinem Grundstück anfangen, hatte er gesagt. Dass das gelungen ist, hat neben Vernunft und Verstand auch sehr viel mit dem Herzen zu tun.

© SZ vom 16.07.2020

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