bedeckt München
vgwortpixel

Service:Baustein für die Energiewende

Mit einem neuen Online-Programm können Hausbesitzer jetzt prüfen, ob ihr Dach für den Einbau einer Solaranlage geeignet ist und wie viel sie kosten würde. Auch ein möglicher Kredit wird berechnet

Von sofort an steht online eine Anwendung zur Verfügung, mit der Hausbesitzer die Tauglichkeit ihrer Dächer für Solaranlagen testen können. Mit diesem Solarpotenzialkataster können Bürger aus dem Landkreis ihre Adresse und einige Daten wie den jährlichen Stromverbrauch eingeben. Das Programm rechnet dann aus, ob sich eine Solaranlage auf ihrem Dach lohnt und wie viel sie kostet.

Der Planungsausschuss des Landkreises hatte das Projekt im Mai 2017 einstimmig beschlossen. "Solaranlagen sind ein zentraler Baustein für die Energiewende", erklärte Albrecht Gradmann, einer der beiden Energiebeauftragten im Landkreis Freising, bei der Vorstellung des Katasters im Landratsamt. Damit mehr Freisinger sich eine Fotovoltaikanlage aufs Dach bauen lassen, will man die Bürger informieren. Dazu haben sich 17 Gemeinden zusammengetan und die Erstellung des Katasters finanziert, die jährlichen Kosten für den Betrieb übernimmt der Landkreis.

Damit die Anwendung für jedes Haus individuell Auskunft geben kann, wurden Laserscandaten gesammelt. Ein Flugzeug oder Helikopter sei über den Landkreis geflogen und habe mit einer Art Radar das Oberflächenprofil gemessen, erklärt Gradmann. Hier wurde einerseits die Dachneigung gemessen, andererseits registriert der Scan auch Bäume oder Türme in der Nähe: "Die werfen eventuell einen Schatten und beeinflussen das Solarpotenzial", erklärt Gradmann. Die Innenstadt ist dabei wegen des Denkmalschutzes ausgespart.

Wer die Online-Anwendung nutzt, gibt zuerst seine Adresse ein. Durch die Messung der Dachneigung und Sonneneinstrahlung kann der Kataster anzeigen, ob sich das eigene Haus grundsätzlich für Solarzellen eignet. Auch der jährliche Stromverbrauch wird abgefragt und auch, ob ein Batteriespeicher gewünscht ist: Das macht Sinn, wenn die Hausbewohner tagsüber arbeiten und den produzierten Strom vor allem abends brauchen. Der Kataster berechnet dann die Kosten für die Solaranlage und einen möglichen Kredit. Wer will, kann zusätzlich Solarthermie aktivieren: Damit laufen auch Heizung und Warmwasser mit Sonnenenergie. Moritz Strey, ebenfalls Energiebeauftragter, kommt in seiner Beispielrechnung bei einem Zwei-Personen-Haushalt nach 20 Jahren auf einen Gewinn von rund 8000 Euro, außerdem habe man in der Zeit rund 44 Tonnen CO2 eingespart, so Strey.

Im Moment ist die Anzahl von Solaranlagen auf den Dächern der Region allerdings überschaubar. 7,5 Prozent der geeigneten Dachflächen im Landkreis sind mit Fotovoltaikanlagen belegt. Knapp ein Drittel aller Anlagen seien Freiflächenanlagen, sagt Strey, also ganze Grundstücke, auf denen Solaranlagen stehen.

Die beiden Energiebeauftragten haben auch Zahlen für den Optimalfall dabei. Würden alle Bewohner im Landkreis das Solarpotenzial ihrer Dächer ausnutzen, könnte der Landkreis 1,077 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren. Das ist deutlich mehr, als die Region im Jahr 2016 verbraucht hat (832 Gigawattstunden). In Zukunft werde der Landkreis aber mehr Strom verbrauchen als bisher, so Gradmanns Prognose: Auch weil die Entwicklung bei Autos hin zum Elektromotor gehe. Der Landkreis hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Das Ziel ist hochgesteckt, mit dem Solarpotenzialkataster will man nun einen Schritt in die Richtung gehen. Deswegen gibt es mancherorts zusätzlich zum EEG-Zuschuss eine weitere Förderung von Seiten der Kommune, zum Beispiel in Moosburg.