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Prozessauftakt am Landgericht Landshut:Kokain für den Chef

Moosburger steht wegen Drogenhandels vor Gericht

Von Alexander Kappen, Landshut/Moosburg

Eigentlich sei er ja "nur Konsument gewesen und nicht Dealer", berichtete der 32-jährige Moosburger, der seit Donnerstag im Landshuter Landgericht auf der Anklagebank sitzt, zum Prozessauftakt. Aber an seinem Arbeitsplatz, einer Firma im Landkreis Erding, habe sein Vorgesetzter längere Zeit an ihn hingeredet, "ob ich ihm Kokain besorgen kann - und dann hat er mich halt überredet".

Letztlich versorgte der 32-Jährige nicht nur seinen Chef mit Drogen, sondern kaufte und verkaufte an seinem Arbeitsplatz sowie an seinem Wohnort im ersten Halbjahr 2020 diverse Male Kokain und Marihuana im größeren Stil. Deshalb muss der in vollem Umfang geständige Angeklagte sich jetzt vor der dritten Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Inken Bouabe wegen des Handeltreibens mit sowie des Erwerbs, der Veräußerung und des Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge verantworten.

Die Anklage umfasste ursprünglich insgesamt zwölf Punkte. In drei davon wurde in der Verhandlung auf Antrag der Staatsanwältin die weitere Verfolgung vom Gericht eingestellt, weil sie in Anbetracht der weiteren Fälle und der dafür zu erwartenden Strafe nicht ins Gewicht gefallen wäre. 100 Gramm Marihuana hin oder her, da waren sich die Verfahrensbeteiligten in Bezug auf den gesamten Anklagekatalog einig, seien in diesem Prozess "nicht kriegsentscheidend".

Der Angeklagte bezog seine Drogen weitgehend von einem Arbeitskollegen direkt in der Firma oder in seiner eigenen Wohnung in Moosburg. Offenbar wusste der Kollege, dass das Kokain für den Chef bestimmt war. Dieser wiederum wusste jedoch nicht, von wem es stammte. Die Richterin wunderte sich, warum der Angeklagte das große Risiko auf sich genommen und mit den Drogen gehandelt habe, anstatt direkt den Kontakt zwischen dem Kollegen, von dem das Kokain stammte, und dem Chef zu vermitteln. Das wäre ihrer Ansicht nach ein Leichtes gewesen, schließlich arbeiteten alle im selben Unternehmen. "Das war schon eine große Menge, ich weiß - ich habe über die Folgen nicht nachgedacht", sagte der Moosburger. Sein Motiv sei gewesen, beim Chef gut da zu stehen: "Ich dachte, dass ich bei ihm dann dafür vielleicht mal einen Freifahrtschein bekomme, wenn ich in der Arbeit was verbocke." Der Angeklagte kaufte von seinem Arbeitskollegen teilweise auch Marihuana auf Kommission und veräußerte es an andere Kollegen weiter, teilweise jede Woche. Er habe so viel an die Kollegen vertrieben, "bis ich den Einkaufspreis wieder herinnen hatte, den Rest habe ich selbst konsumiert", sagte der 32-Jährige.

Im Juni 2020 verkaufte er am Moosburger Viehmarktplatz auch einmal 65 Gramm Kokain an einen verdeckten Ermittler der Polizei. Einmal bezog er auch Kokain von einem Kumpel, den er aus einem Moosburger Verein kennt. Den Namen nannte er anfangs bei der Polizei noch nicht, "weil ich ihn da raushalten wollte - er ist vor Kurzem Vater geworden und ich wollte ihn damit nicht belasten".

Der Prozess wird am 2. Februar fortgesetzt.

© SZ vom 22.01.2021
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