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Probebohrungen in Vötting:"Da wackeln die Tassen im Schrank"

Die Vorarbeiten für die Westtangente beunruhigen die Vöttinger Bürger. Sie fühlen sich von der Stadt allein gelassen.

Von Birgit Goormann-Prugger

Die Vorbereitungen für den Bau der Westtangente haben gerade erst begonnen, doch schon jetzt sind die Vöttinger auf das Höchste beunruhigt. Bei einem kurzfristig angesetzten Pressegespräch des Vöttinger Bürgerforums, an dem sich Sprecher Wolfgang Reinhardt und sechs direkt betroffene Anwohner beteiligten, wurden erneut heftige Vorwürfe an die Adresse der Stadt geäußert. Mit Beginn der Bohrungen für die Pumpversuche gehe der Ärger für die Anwohner bereits los, so Reinhardt. Nicht nur Schulwege und Bushaltestellen würden von Baufahrzeugen blockiert, sondern auch Fassaden beschmutzt und die umliegenden Häuser in Schwingungen versetzt, die vor allem die älteren Bewohner "in Angst und Schrecken" versetzten.

"Da wackeln die Tassen im Schrank und die Gläser auf dem Tisch, man hat fast den Eindruck, das ist ein Erdbeben", schilderte Reinhardt die Lage. Dazu müsse man wissen, dass die meisten Häuser in Vötting "schon etwas in die Jahre gekommen sind". Der Großteil sei nach dem Krieg gebaut worden, einige sogar noch davor, die Fundamente seien nicht so stabil. Die betroffenen Anwohner fürchteten nun um die Standsicherheit ihrer Häuser. Vor allem den Älteren machten die Bauarbeiten zu schaffen und sie fühlten sich auch gesundheitlich strapaziert. "Sie klagen über Herzrasen und Schlaflosigkeit", berichtete Reinhardt. "Mir ist es vollkommen unverständlich, wie man hier vorgeht". Ludwig Dallinger beschwerte sich darüber, dass die Fassade des Hauses seiner Schwester über und über mit Lehm bespritzt worden sei. Und nachdem er am Morgen gegen neun Uhr bei der Stadt deswegen angerufen und sich beschwert habe, habe sich Tiefbauamtschef Franz Piller erst um 14 Uhr zur Baustelle bemüht und dann auch nur mit den Mitarbeitern der Baufirma gesprochen und nicht mit den Anwohnern. "Wir haben den gar nicht interessiert", so Dallinger. Gereinigt worden sei die Fassade überdies auch erst, als er mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung gedroht habe. Die Vöttinger fragen sich nun, was denn erst alles auf sie zukommen wird, wenn diese Vorbereitungen abgeschlossen sind und die eigentlichen Bauarbeiten starten. "Wir glauben, die Stadt hat gar kein Verkehrskonzept für die Bauphase", sagte dazu Stefan Riedl. Schließlich müssten Tonnen von Erdreich abtransportiert werden. "Wenn das hier richtig losgeht, wird Vötting im Verkehrschaos versinken", prophezeite er. Die Stadt habe überdies versäumt, die Betroffenen bei diesem Großprojekt zu Beteiligten zu machen. Er habe in den vergangenen 40 Jahren erst eine Informationsversammlung erlebt, in der die Vöttinger als persönlich Betroffene über die Bauarbeiten informiert worden seien.

"Man fühlt sich nicht richtig abgeholt", klagte Riedl weiter. Grundsätzlich, so der Tenor bei den aufgebrachten Vöttingern, habe man in dieser Sache wenig Vertrauen in die Stadt und vermute bei der Planung der Bauarbeiten "erhebliche Unsicherheiten".

© SZ vom 02.05.2014

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