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Ostendorf übernimmt Müller-Brot:Insolvenz billigend in Kauf genommen?

Der Antrag soll mehrere hundert Seiten lang und nicht über Nacht verfasst worden sein, heißt es aus Justizkreisen. Das würde bedeuten, dass die Eigentümer schon länger wussten, auf welches Drama die Firma Müller-Brot zuschlitterte. Das lässt einige Spekulationen zu. Etwa jene, dass sie die Insolvenz billigend in Kauf nahmen, um dann genau das zu tun, was jetzt passiert: erneut einzusteigen.

Aber wozu das Ganze? Vielleicht, um das Unternehmen zurechtzuschrumpfen. Um sich von Firmenteilen und Mitarbeitern trennen zu können, so wie es nun ja geschehen soll. Um Rentables von Unrentablem zu trennen. Mit den Prinzipien, nach denen ehrbare Kaufleute handeln, hätte das wenig zu tun. Aber beileibe nicht alle Unternehmer halten sich an Devisen wie: "Eigentum verpflichtet". Da wäre Ostendorf nicht der erste.

Es können aber auch noch andere Gründe im Spiel gewesen sein. Etwa die Angst vor dem Eingeständnis, als Unternehmer gescheitert zu sein. Als mögliche Käufer von Müller-Brot wurden zeitweise verschiedene Konkurrenten genannt. Es könnte den Patriarchen Ostendorf geschmerzt haben, dass ungeliebte Kontrahenten sich womöglich anschickten, sein Firmenreich zu schlucken und seiner geschäftlichen Laufbahn einen erheblichen Dämpfer zu versetzen.

Denn das Geschäft ist für Ostendorf, so wie sich seine Vita liest, seit Jahrzehnten wesentlicher Bestandteil des Lebens. Das Handelsregister verzeichnet seit 1986 fast 120 Einträge für den Geschäftsführer Klaus Ostendorf, meistens in Firmen, die er selbst als Gesellschafter gegründet oder übernommen und dann häufig auch wieder liquidiert hat.

Verschachtelt und schwer durchschaubar

Am Anfang seines Aufstiegs, in den 80er und frühen 90er Jahren, verwaltete der gelernte Bankkaufmann zunächst den Besitz anderer. 1986 wurde er erstmals Geschäftsführer - bei der Wendeln-Gruppe, zu der die Marken Lieken Urkorn und Golden Toast gehören. Stück für Stück übernahm er mehr Verantwortung und Firmenanteile.

Als die Unternehmensgruppe Ende der 90er Jahre an Heiner Kamps verkauft wurde, gehörten Ostendorf 17 Prozent sowie, dem Vernehmen nach, 200 Millionen Euro. Dies bildete den Grundstock seines Vermögens, das er in den folgenden Jahren in zahlreiche Firmen der Backindustrie steckte. Außerdem gab er das Geld für teure Sportpferde aus.

Ostendorfs Firmenwelt ist verschachtelt und schwer durchschaubar. Zur Neufahrner Großbäckerei kam er über den Senior-Chef Hans Müller. Dieser hat es inzwischen bereut, Ostendorf vertraut zu haben. Ihre Beziehung, die zu Beginn als freundschaftlich galt, mündete in einen Rechtsstreit um die Mehrheit bei Müller-Brot. Gemeinsam mit einem langjährigen Weggefährten und Mitinvestor sicherte sich Ostendorf schließlich die Großbäckerei. Er soll sie mit einer hohen zweistelligen Millionensumme an Schulden übernommen haben - zu welchem Kaufpreis, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.

Die wenigen Fotos, die von Klaus Ostendorf zu finden sind, zeigen ihn meist mit Golfschläger in der Hand. In seinem einzigen Interview beteuerte er, sehr oft in Neufahrn gewesen zu sein und die Brezen von dort zu lieben. Die Mitarbeiter hingegen sagen, dass sie den Mann selten in der Bäckerei gesehen haben. Sie wollten ihn nicht zurück. Aber ihre Wünsche waren nicht entscheidend am "Tag der Entscheidung".