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Neufahrner Solarfirma:Mit dem Porsche in die Pleite

Geschäftsführer und Prokurist belasten sich im Verfahren wegen Insolvenzverschleppung gegenseitig

Von Alexander Kappen, Landshut/Neufahrn

Mit einer Flut von Beweisanträgen, durch welche die beiden Angeklagten sich gegenseitig be- beziehungsweise selbst entlasten wollten, ist am Freitag der Prozess am Landshuter Landgericht um die Insolvenz einer Neufahrner Solarfirma fortgesetzt worden. Der 41-jährige frühere Geschäftsführer des Unternehmens und sein ehemaliger Vertriebsleiter und Prokurist, 39, waren wegen Betrugs, vorsätzlicher Insolvenzverschleppung, vorsätzlichen Bankrotts und Untreue angeklagt worden.

Den beiden Angeklagten wurde vorgeworfen, sie hätten erst am 21. Januar 2014 Insolvenz beantragt, obwohl die Firma spätestens seit 30. April 2013 nicht mehr zahlungsfähig war. Ein früher Mitarbeiter des Unternehmens, der 2012 ein Dreivierteljahr dort beschäftigt war und als Vertriebsleiter des Stuttgarter Büros gearbeitet hatte, sagte am Freitag als Zeuge aus. Er berichtete, dass die Firma offenbar schon 2012 Probleme hatte - für ihn überraschend. Er wisse, dass manchen Kunden ihre Solarmodule nicht geliefert worden seien. "Da ist mir ein Lichtlein aufgegangen - vorher habe ich gedacht, dass alles so läuft, wie ich es den Kunden versprochen hatte." Die beiden Angeklagten hätten Luxusautos gefahren. Der Prokurist fuhr laut des Zeugen einen Porsche, der Geschäftsführer besaß seinen Aussagen nach einen Porsche und einen Ferrari.

Wer von den beiden welche Kompetenzen und Aufgaben in dem Unternehmen hatte, konnte er nicht genau sagen. Der Zeuge berichtete jedoch, dass beide "im Bereich Motivation ziemlich gut sind, sie können ihre Euphorie gut auf ihre Mitarbeiter übertragen". Der 39-jährige Prokurist "wirkte auf mich so, dass er sich gut auskennt und die rechte Hand des Geschäftsführers ist", sagte der Zeuge.

Der Geschäftsführer hatte zu Beginn des seit Ende September laufenden Prozesses gesagt, der von ihm eingestellte Prokurist habe ihn aus der Firma gedrängt. Die Verantwortung für die Insolvenzverschleppung schieben sich die beiden gegenseitig zu. Auf Antrag des Verteidigers des 41-Jährigen wurden am Freitag Mails verlesen, die den Geschäftsführer entlasten sollten.

Dieser ließ über seinen Anwalt aber auch erklären, er habe geschäftliche Fehler gemacht, die er zu spät erkannt habe. Den wirtschaftlichen Schaden - laut Anklageschrift betrug der bei Lieferanten und Kunden insgesamt mehr als eine Million Euro - werde er wohl zeitlebens nicht wiedergutmachen können. Dafür entschuldige er sich. Der Verteidiger des 41-Jährigen beantragte, auch einen Bankberater als weiteren Zeugen zu laden. Es ging darum, zu beweisen, dass der Prokurist nicht nur Vertriebsleiter, sondern auch Betriebsleiter war.

Der 39-Jährige, der wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Betrugs und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in der Vergangenheit schon zu zwei Bewährungsstrafen verurteilt worden ist, bestritt, in der Verantwortung gestanden und einen Überblick über die Finanzen gehabt zu haben. Auch sein Anwalt beantragte, weitere Zeugen zu vernehmen, um den 39-Jährigen zu entlasten.

© SZ vom 05.12.2020
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