Müller-Brot Desaströse Bilanz

Das Insolvenzgutachten belegt: Die Großbäckerei Müller-Brot war viel höher verschuldet als bislang bekannt. Das Gutachten zeigt auch, wie Müller-Brot in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen rutschte.

Von Katja Riedel

Die Großbäckerei Müller-Brot hatte noch weit höhere Schulden als zunächst angenommen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung war das Unternehmen zum Beginn des Insolvenzverfahrens am 1. April mit fast 60 Millionen Euro überschuldet. Laut Insolvenzgutachten war deshalb klar, dass der Betrieb nur weitergeführt werden kann, wenn ein externer Investor in das Unternehmen einsteigt. Dennoch hatte sich der Gläubigerausschuss zunächst dafür entschieden, Müller-Brot-Besitzer Klaus Ostendorf den Zuschlag für einen Rückkauf zu geben.

Die Großbäckerei Müller-Brot war viel höher verschuldet als es bislang bekannt war.

(Foto: dpa)

Der Weg in die roten Zahlen

Das Gutachten, das Insolvenzverwalter Hubert Ampferl für das Gericht Landshut erstellt hat und das der SZ vorliegt, zeichnet eine dramatische Situation des Traditionsunternehmens. Verbindlichkeiten von mehr als 69 Millionen Euro stünde nur ein Anlage- und Umlaufvermögen von etwa 11,5 Millionen Euro entgegen. Für die Gesamtliquidation des Unternehmens schätzte Ampferl etwas mehr als drei Millionen Euro. Dies dürfte allerdings zu niedrig gegriffen sein.

Die neuen Besitzer des Filialnetzes, Evi Müller und Franz Höflinger, sollen etwa zwei Millionen Euro allein für Markenrechte und Ladenwerte gezahlt haben. Sie hatten letztlich doch den Zuschlag bekommen, da Ostendorf kein schlüssiges Finanzierungskonzept vorlegen konnte.

Schon während der vorläufigen Insolvenz seit Februar hatte Ampferl Löhne und Gehälter der Müller-Brot-Beschäftigten nur mit Hilfe neuer Kredite zahlen können. Dem Gutachten zufolge hatte er bei der Hauptgläubigerin Commerzbank, bei der Verbindlichkeiten über 18,5 Millionen Euro bestehen, 2,35 Millionen Euro beschafft - über verschiedene Kredite und einen Vorschuss auf seine eigene Vergütung.

Nachdem das Gutachten bereits vorlag, hat die Commerzbank Anfang April kurzfristig ein weiteres Darlehen über 700.000 Euro bereitgestellt, um die Mieten an die Eigentümer der Filialen zu zahlen. Selbst das hatte Klaus Ostendorf versäumt. Ohne die Zahlung wären die Vermieter umgehend nicht mehr an Müller-Brot gebunden und das Filialnetz so nicht mehr gebündelt verwertbar gewesen. Dieses hatte Ampferl in dem Gutachten aufgrund des Imageschadens durch den Hygieneskandal nur mit einem symbolischen Wert von einem Euro eingerechnet.

Das Gutachten zeigt auch, wie Müller-Brot in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen rutschte. Das Unternehmen hatte kurz vor Bekanntwerden des Skandals in den Büchern noch 4,6 Millionen Euro für immaterielle Vermögenswerte angesetzt, woraus sich Ende Februar ein Firmenwert von etwa 5,8 Millionen Euro errechnete. 2006, als Mehrheitseigner Ostendorf die Aktiengesellschaft in eine GmbH überführt hatte, waren laut Bilanzen noch etwa elf Millionen Euro Eigenkapital vorhanden.

Ein beträchtlicher Wert steckt zudem in Immobilien und im Maschinenpark, um die Evi Müller und Franz Höflinger derzeit mit Insolvenzverwaltung und Ostendorfs Firma Backwelt verhandeln. Allein das Produktionsgebäude wäre einem Gutachten zufolge mehr als zwölf Millionen Euro wert, wovon fast neun Millionen in die Insolvenzmasse fließen könnten. Das Verwaltungsgebäude hat einen Wert von vier Millionen, ein Grundstück in Obertraubling könnte weitere 650.000 Euro bringen.

Einen großen Brocken könnten zwei Schadenersatzklagen eintreiben, die Müller-Brot vor den Landgerichten Oldenburg und Braunschweig führt. Darin geht es um Schadenersatz und Abfindungen für die Marke "Golden Toast". Bis 2003 hatte Müller-Brot unter dem einträglichen Label produziert. Kamps hatte den Vertrag gekündigt - nach Ansicht von Müller-Brot nicht fristgerecht. Das Insolvenzgutachten räumt den Ansprüchen realistische Chancen auf eine zweistellige Millionensumme ein, wovon etwa acht Millionen Euro als Sicherheiten an mehrere Banken abgetreten sind.

Das Gutachten hält sich mit wertenden Passagen zu möglichen Verfehlungen der Geschäftsführer sehr zurück. Bei erster Durchsicht der Bücher hätten sich weder Vermögensverschiebungen noch Sondervorteile für bestimmte Gläubiger gezeigt, heißt es. Die Staatsanwaltschaft Landshut hatte nach dem Insolvenzantrag Mitte Februar routinemäßig Vorermittlungen wegen möglicher Insolvenzverschleppung aufgenommen.