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Modellversuch Islamunterricht an Schulen:"Die Erfahrungen sind sehr gut"

Auch fünf Schulen im Landkreis beteiligen sich an einem Modellversuch und bieten Islamunterricht in deutscher Sprache an. Das Projekt läuft aus, doch die Schulleiter wissen nicht, wie es nun weiter geht

Mittlerweile läuft der Modellversuch Islamunterricht in deutscher Sprache im zehnten Jahr an bayerischen Schulen. Die Erfahrungen sind so gut, dass das Projekt vor fünf Jahren ausgeweitet wurde, mittlerweile nehmen 337 Schulen daran teil. Im Juli aber läuft es regulär aus. Ob und wie es dann weitergeht, weiß niemand.

An den Schulen, an denen der deutsche Islamunterricht mittlerweile ganz selbstverständlich zum Stundenplan gehört, ist die Unsicherheit groß, nicht nur bei den betroffenen Lehrern mit ihren in der Regel auf je ein Jahr befristeten Verträgen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat Alarm geschlagen. Er fordert statt eines Endes des Modellprojektes flächendeckenden Islamunterricht.

Drei Freisinger Schulen sind bei dem Modellversuch dabei, die Grund- und Mittelschulen Neustift und die Mittelschule Lerchenfeld, dazu kommen die Neufahrner Grundschule am Jahnweg und die Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Moosburg. Schulleiterin Juliane Dorfmüller weiß offiziell noch nichts darüber, ob der Islamunterricht Ende des Schuljahres nun wirklich zu Ende geht. "Ich fände es sehr, sehr traurig, wenn er nicht mehr stattfinden würde", sagt sie. Noch bleibt Zeit, die Klassenbildung für das neue Schuljahr findet stets erst im Mai statt. "Ich werde die Islam-Stunden auf jeden Fall beantragen", betont Dorfmüller. 46 der 261 Kinder ihrer Grundschule besuchen den Islamunterricht in diesem Schuljahr, "die Erfahrungen sind sehr gut", sagt sie.

Keine Auskünfte zum Thema dagegen gibt es von der Schulleiterin der Grund- und Mittelschule Neustift aus Freising, auch nicht darüber, wie viele Kinder am Unterricht teilnehmen oder welche Erfahrungen man gemacht hat. Auch aus der Neufahrner Grundschule am Jahnweg war keine Stellungnahme zu bekommen. Dem Vernehmen nach ist die Verunsicherung an den Schulämtern und Schulen derzeit allgemein groß, kaum jemand will sich öffentlich äußern.

Der neue Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat eine wissenschaftliche Untersuchung der Erfahrungen mit dem Islamunterricht angekündigt. Auf Anfrage der SZ heißt es aus dem Kultusministerium: "Die Entscheidung über eine Verstetigung des Islamischen Unterrichts soll möglichst zeitnah getroffen werden. Maßgeblich ist, ob die Ziele des Modellversuchs erreicht wurden, das heißt, ob der Islamische Unterricht Integration, interkulturelle Kompetenzen sowie die Werte- und Persönlichkeitsbildung fördert." Die Evaluation finde aktuell bereits statt, und "das bestehende Konzept wird dann gegebenenfalls angepasst."

Das klingt zwar nicht nach einem Aus, dennoch hängen Lehrer, Schüler und Schulen in der Luft. Immerhin hatte schon im April 2018 Piazolos Vorgänger Bernd Sibler (CSU) angekündigt, den Modellversuch auslaufen zu lassen. Das Pilotprojekt ist 2009 als Alternative zum Ethikunterricht eingeführt worden. Gehalten wird er von in Deutschland ausgebildeten muslimischen Religionslehrern. Der staatlich abgesegnete Lehrplan vermittelt neben der Religionslehre auch Wissen über das Grundgesetz und soll die Integration fördern. Das betont auch der Lehrer- und Lehrerinnenverband, der dem Islamunterricht attestiert, extremistischen Positionen vorzubeugen. Auch bei den Eltern der muslimischen Kinder sei er hoch angesehen. Bayernweit nehmen rund 15 000 Kinder an Grund- und Mittelschulen teil, tatsächlich gibt es rund 100 000 Kinder und Jugendliche muslimischen Glaubens.