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Landwirte unter Druck:Ohne Verhandlungsmacht

Bauernverband Freising fordert höhere Erzeugerpreise

Die Landwirte im Landkreis Freising geraten wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Aufgrund der Trockenheit ist der zweite und dritte Grasschnitt der Milchbauern ausgefallen. Die Maissilage ist zu trocken und die Milch- und Schweinepreise sind auf niedrigem Niveau. Um auf die schwierige Lage der Landwirte hinzuweisen, lud der Bauernverband Freising zu einem Pressegespräch auf den Schweinebetrieb der Familie Bauer in Giglberg bei Gammelsdorf ein.

Eigentlich habe dieser Betrieb alles richtig gemacht, sagte Gerhard Stock, Geschäftsführer des Bauernverbandes. Der Familienbetrieb, auf dem drei Generationen leben, baut auf 40 Hektar Eigenland und 60 Hektar Pachtfläche unter anderem Getreide und Erbsen an. Der Betrieb erzeugt sein Schweinefutter weitgehend selbst, die zugekaufte Sojamenge aus Übersee konnte durch die heimischen Eiweißpflanzen verringert werden. Darüber hinaus züchten Bauers die Ferkel, die sie mästen, mit 90 Muttersauen selbst. Dies bedeute, dass der Betrieb keine Tiere zukaufen muss. Damit entfalle die Gefahr einer Keimeinschleppung. Betreten werden dürfen die Schweineställe allerdings nicht. Zu groß sei die Gefahr einer Ansteckung der empfindlichen Tiere, sagte Landwirt Konrad Bauer. Er verkauft seine Tiere an eine Großschlachterei. Eine Wahl habe er bei der Vermarktung nicht. Denn kleinere Betriebe, seien aufgrund der gestiegenen Hygieneanforderungen nach und nach verschwunden. Dies bedeute, dass er den Preis, den der Großschlachtbetrieb zahle, akzeptieren müsse.

Ähnlich geht es seinem Kollegen, dem Milchbauern Peter Goldbrunner, der auch Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Moosburg ist. "Auch wenn wir eine Erzeugergemeinschaft sind, haben wir keine Verhandlungsmacht gegenüber der Molkerei", sagt Goldbrunner. "Wir müssen den Preis, den sie bezahlt, akzeptieren." Im Moment seien dies 30 Cent pro Liter. Vor einem Jahr waren es noch zehn Cent mehr. Und die Tendenz beim Milchpreis ist weiter fallend. Die Spanne zwischen dem Preis, den der Erzeuger erhält und dem Betrag, den der Kunde im Supermarkt bezahlt, bleibt beim Handel.

Natürlich könne der Kunde im Supermarktregal entscheiden, ob er lieber zu regionalen Produkten greife, die in der Regel etwas teurer seien. Ob dieser Mehrpreis dann auch bei den Landwirten ankommt, sei sehr fraglich, sagte Martin Schmid, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Für Familie Bauer und ihre Schweine sehe die wirtschaftliche Zukunft deshalb düster aus. Früher habe ein Betrieb dieser Größe ein Auskommen für eine Großfamilie erwirtschaften können. Im Sommer seien die Schweinepreise immer höher gewesen als im Winter. In diesem Jahr sei diese Regel erstmals außer Kraft gesetzt. Die Preise, die Konrad Bauer für seine rund 100 Kilogramm schweren Schweine erhält, sind aktuell so niedrig wie im Winter. Auch der Preis, den er für seinen Weizen erzielt, wiege nicht die Produktionskosten auf. Die Trockenheit der vergangenen Wochen hat dem Betrieb bisher noch nicht zugesetzt. Aber die Böden seien hart wie Beton und schwer für die Aussaat der Zwischen- oder Winterfrüchte zu bearbeiten.

Auch heuer werden im Landkreis Freising wieder landwirtschaftliche Betriebe aufgeben, vermutet Gerhard Stock. Diese Strukturen einer regionalen Nahrungsmittelerzeugung würden unwiederbringlich verschwinden, wenn die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe nicht bald steigen, mahnt er.