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Kommentar:Löhne rauf, Belastung senken

Eine Einmalzahlung für eine erfolgreiche Werbung ist nicht genug

Von Alexandra Vettori

Die Prämie von mehreren Tausend Euro, die Münchner Krankenhäuser zum Teil für neues Pflegepersonal zahlen, sei diesen gegönnt, der Lohn einer Pflegekraft in Vollzeit im Bundesdurchschnitt liegt derzeit bei 2100 Euro brutto. Doch auch wenn es absolut nötig ist, Krankenschwestern und Pflegern mehr Geld zu zahlen, um mehr Menschen in diesen Beruf zu bringen, mit einer Einmalzahlung ist es sicher nicht getan.

Erst im vergangenen Herbst hat eine Analyse der Deutschen Stiftung Patientenschutz ergeben, dass Krankenpfleger in Deutschland dauerhaft an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Die Zahl der Patienten, für die ein Krankenpfleger im bundesweiten Durchschnitt verantwortlich ist, ist in den vergangenen 25 Jahren um ein Drittel gestiegen. 60 Patienten versorgt ein Pfleger im Schnitt, 1991 waren es noch 45. Dazu kommt, dass die Fälle, die im Krankenhaus zu versorgen sind, immer schwerer werden. Das liegt an der Krankenhausfinanzierung: Eine Klinik erhält für einen Patienten eine Fallpauschale und verdient umso mehr, je eher er wieder entlassen wird. Für die Pfleger heißt das, dass sie viele Schwerkranke versorgen müssen.

Nun ist es nicht so, dass gar nichts passiert. Derzeit gibt es ein Pflegestellenförderprogramm in Höhe von 830 Millionen Euro, von 2019 an sollen weitere 330 Millionen Euro jährlich fließen. Das alles genügt nicht, zumal es zu wenig Bewerber gibt, daran ändern auch Programme für osteuropäische Kräfte wenig. Was es braucht, ist eine konzertierte Aktion. Zu der gehört auch der verstärkte Einsatz von Pflegehelfern, die allerdings auch entsprechend geschult werden müssen, gesetzliche Mindeststandards bei den Pflegeschlüsseln, um die Belastung für die einzelne Kraft zu senken. Das wäre der wichtige erste Schritt, höhere Löhne als Anreiz täten dann das Ihre, um das Image der wichtigen Pflegeberufe wieder zu steigern.

© SZ vom 25.01.2018
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