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Kommentar:Die Schere öffnet sich weiter

Während ein Teil der Beschäftigten am Flughafen noch immer gut verdient, drücken Billiganbieter das Lohnniveau

Für 25 Euro von München nach Nizza, für 35 nach Mallorca. Solche Preise mögen für Fluggäste paradiesisch sein, für die Mitarbeiter der Airlines sind sie eine Katastrophe. Wenn die Einnahmen durch den Ticket-Verkauf kaum noch ausreichen, um die Kosten zu decken, muss an anderer Stelle gespart werden, beim Personal. Mit British Airways entledigt sich nun die letzte ausländische Fluggesellschaft am Münchner Flughafen ihrer ordentlich bezahlten Belegschaft und setzt bei der Abfertigung auf einen Billiganbieter, der kaum mehr als den Mindestlohn bezahlen wird.

Die Schere am Airport klafft durch solche Entscheidungen immer weiter auseinander. Da sind auf der einen Seite Beschäftigte, etwa bei Flughafengesellschaft (FMG) oder Lufthansa, deren Arbeit gut honoriert wird. So verweist die FMG gerne darauf, dass eine Vollzeitkraft bei der Muttergesellschaft im Schnitt mehr als 52 000 Euro brutto im Jahr erhält. Schon bei den Töchtern können die meisten Mitarbeiter davon jedoch nur träumen. Noch viel schlechter sieht es bei privaten Dienstleistern aus. Nimmt deren Zahl zu, dreht sich die Lohnschraube weiter nach unten.

Dass - anders als früher propagiert - immer mehr Billig-Airlines an den Flughafen geholt werden, wird diese Entwicklung eher beschleunigen. Dem Service wird es nicht zuträglich sein, wenn eine gute Ausbildung und eine Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen nichts mehr wert sind. Früher, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Ulrich Feder, seien die Leute stolz gewesen, am Flughafen zu arbeiten. Das sei bei vielen inzwischen leider nicht mehr so.