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Inspirieren, aber nicht provozieren:Sehnsucht nach Ordnung

Penibel komponiert sind die Bilder von Michael Likan.

(Foto: Marco Einfeldt)

Michael Likan legt bei seinen Bildern Wert auf eine penible Komposition. Auch Licht und Farben sind ihm wichtig

Wenn man Michael Likan fragt, was ihm beim Malen wichtig ist, bekommt man mehrere Antworten: Einerseits das Licht, andererseits die Farben, vor allem aber: die penible Komposition. Anders als mancher moderne Maler will Likan den Betrachter aber nicht verwirren oder verärgern. Abstrakt dürfen die Bilder sein, ja, aber dabei penibel genau komponiert. Keine politische Botschaft, keine Abbildung der Welt in ihrer Realität. Inspirieren ja, provozieren nein. Spannung zwischen den Farben ja, Willkür nein. Freiheit ja, aber Ordnung muss sein.

Vielleicht, mag mancher Betrachter denken, ist diese Sehnsucht nach Ordnung nicht zu verstehen ohne das bewegte Leben des Künstlers: 1944 auf der Durchreise in Tschechien geboren als Sohn zweier Vertriebener. Die Mutter aus Breslau, der Vater aus Kroatien - ohne Land, Staatsbürgerschaft und Perspektive. Displaced Persons nannten die Amerikaner diese Leute, von denen es damals in Europa Millionen gab, heute würde man sie Flüchtlinge nennen.

Weil sie sonst kein Land wollte, emigrierte die Familie nach Argentinien, 1949 war das. Der Vater, ebenfalls Maler, machte sich dort einen Namen, malte Porträts für die High Society in Buenos Aires - lange hielt es ihn dort allerdings nicht. Für den Heranwachsenden Michael ging es in die USA nach Chicago, dann Montreal, Kanada, nach Austin, Texas, ein Jahr als Seemann auf hohe See, bis er sich 1971 schließlich in München niederließ.

Gemalt, meint Likan, habe er dabei eigentlich immer. Die Malerei sei für ihn mehr als ein Hobby oder ein Beruf, sie sei seine Leidenschaft. Künstler zu werden sei schließlich keine Entscheidung, "man wird geboren für sowas". Von seiner Kunst leben, konnte der 74-Jährige nie wirklich: Er habe in seinem Leben viele Jobs gehabt, rekapituliert er, vom Pressefotografen, über Seemann bis hin zum Kurier für Blutkonserven. Sein Beruf aber ist die Kunst. Es gebe viele, die Maler werden wollen, meint er, aber die meisten würden irgendwann vernünftig. Er nicht, im Gegenteil: "War Picasso vernünftig?"

Wenn er male, meint Likan, überlege er sich sehr genau, welche Form und welche Farbe wohin solle. Die Elemente müssen bei ihm einen Halt haben, dürfen nicht beliebig sein und nicht zynisch. Müsste er seinen Stil benennen, sagt er, dann vielleicht als eine Art abstrakten Realismus. Halb abstrakt, halb gegenständlich und vor allem: genau komponiert. Likan unterschreibt seine Bilder nicht einmal, das würde die Komposition stören.

Einmal habe ein Journalist geschrieben, er male Sonnenuntergänge. Für Likan eine unzulässige Banalisierung. Ein Sonnenuntergang sei für ihn nur eine Ausrede, abstrakte Farben und Formen unterzubringen: Seine Bilder, sagt er, sollen nicht abgeschlossen sein, eine Art fiktive Räumlichkeit herstellen. Mit Ordnung. Seine Ausstellung "Begegnungen" ist noch bis diesen Samstag, 20. Juli, in der Galerie fine arts in der General-von-Nagel-Straße 10 zu sehen.