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Insolvente Großbäckerei bei München:Rückkauf von Müller-Brot gescheitert

Die Übernahme ist gescheitert, die Fronten verhärtet: Der ehemalige Besitzer Ostendorf hat sein Kaufangebot für Müller-Brot zurückgezogen. Insolvenzverwalter Ampferl will nicht mehr mit ihm reden - nur noch vor Gericht.

Schon am Montag hatte es sich abgezeichnet, jetzt besteht Gewissheit: Der Müller-Brot-Deal um den ehemaligen Mehrheitsgesellschafter Klaus Ostendorf und seinen ehemaligen Geschäftsführer Stefan Huhn ist am Dienstag geplatzt. Jetzt strebt Insolvenzverwalter Hubert Ampferl stattdessen einen schnellen Abschluss mit den zuvor gescheiterten Bietern um den Münchner Bäcker Franz Höflinger und die Gründertochter Evi Müller an. Die Gespräche wurden nach SZ-Informationen bereits am Dienstag aufgenommen.

Großbäckerei Müller-Brot

Der Rückkauf von Müller-Brot durch den ehemaligen Besitzer Ostendorf ist gescheitert.

(Foto: dpa)

Ostendorf teilte dem Gläubigerausschuss bei einem Krisengespräch am Dienstagnachmittag nach zweistündiger Sitzung mit, dass er sein erst am Mittwoch vergangener Woche abgegebenes Angebot zurückziehe. Als Grund nannte er, so berichten Beteiligte, ein Gespräch mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Dieses habe ihn am Dienstag derart verunsichert, dass er von dem Geschäft Abstand nehmen wolle, um erst einmal über die Zukunft des Unternehmens zu beraten.

In einer offiziellen Pressemitteilung machen Huhn und Ostendorf den hohen öffentlichen Druck und auch die Verhandlungsführung des Insolvenzverwalters verantwortlich. Dieser habe die Vertragsverhandlungen "immer wieder mit neuen und zum Teil schon geklärten Punkten belastet", sagte Stefan Huhn. Dies habe "zu Verzögerungen und einer Verunsicherung der Investoren und damit zu einem Scheitern der Finanzierung" geführt.

Insolvenzverwalter Ampferl sagte, er und der Gläubigerausschuss seien "fassungslos" über das Gebaren Ostendorfs. Mit diesem werde es "definitiv keine Gespräche mehr geben, es sei denn vor Gericht".

Geplatzt ist das Geschäft nach SZ-Informationen nicht aufgrund von Befindlichkeiten, sondern weil kein schlüssiges Konzept vorlag. Anders als schriftlich vereinbart, hatten Ostendorf und Huhn bis Montagabend weder einen Kaufvertrag noch eine Finanzierungsbestätigung vorgelegt. Ostendorf und Huhn hätten für die Übernahme 22 Millionen Euro, für den Geschäftsbetrieb eine mindestens einstellige Millionensumme vorweisen müssen.

Die Commerzbank hatte am vergangenen Mittwoch im Gläubigerausschuss nach Aussagen Beteiligter mit massivem Druck durchgesetzt, dass das alte auch das neue Management werden sollte. Trotz eines Gesprächs mit Ostendorf und dem Insolvenzverwalter Hubert Ampferl, das am Montag ergebnislos abgebrochen wurde, wollte die Commerzbank nun jedoch keine Finanzierungszusage erteilen.

Evi Müller und Franz Höflinger haben nach SZ-Informationen ein neues Konzept vorbereitet. Weil seit zwei Monaten keine Mieten gezahlt wurden, können die Filialvermieter neue Verträge schließen. Mit Unterstützung des Insolvenzverwalters wollen Müller/Höflinger nun zunächst etwa 150 Filialen in München und der Region übernehmen und sich dann erneut um die Produktion bemühen. Hierzu würden sie in die einzelnen Verträge eintreten und der Insolvenzverwaltung einen Betrag pro Filiale zahlen, der in die Insolvenzmasse einfließt.

In der Zwischenzeit sollen die Filialen weiter von den derzeit etwa 20 Lieferanten Waren bekommen. Eine eigene Produktion lohne sich ab etwa 150 Filialen, hieß es aus ihrem Umfeld. Langfristig sei auch der Bau einer neuen Backfabrik möglich. So könnten zunächst etwas mehr als 500 Arbeitsplätze erhalten werden. Mit Aufnahme der Produktion kämen etwa 100 weitere hinzu.