Hygienemängel bei Müller-Brot Showdown in der Backstube

Am Donnerstag fällt die Entscheidung über die Zukunft von Müller-Brot. Insolvenzverwalter Hubert Ampferl wird verkünden, wer das völlig abgebrannte Unternehmen übernehmen wird. Fest steht schon jetzt: Hunderte Mitarbeiter werden ihren Job verlieren.

Von Katja Riedel

Der Skandal um Müller-Brot hatte seit dem Produktionsstopp Ende Januar viel von einem Thriller: vermeintliche Täter, Opfer und Retter, einen Plot mit überraschenden Wendungen. An diesem Donnerstag steht das an, was in keinem guten Streifen fehlen darf: der Showdown. Für viele Mitarbeiter dürfte die Auflösung kein gutes Ende bringen.

Die Müller-Brot-Mitarbeiter wollen am Donnerstag für Hilfe vom Freistaat demonstrieren.

(Foto: dpa)

Am Donnerstag wird der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl den Beschäftigten sagen, wer das völlig abgebrannte Unternehmen übernehmen wird. Er wird ihnen zugleich verkünden, wie viele von ihnen ihre Arbeit verlieren - mitunter nach mehr als 30 Jahren, ohne Abfindung, sofort. Nach allem, was zuvor aus den Hinterzimmern dringt, wird es Hunderte der bisher etwa 1250 Mitarbeiter treffen. Derzeit verhandeln Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter den Sozialplan.

Zugleich entscheidet der Gläubigerausschuss, welcher der zwei verbliebenen Interessenten Großbäckerei, Logistik und Filialnetz übernehmen darf. Beide Bieter, die offenbar aus der Branche kommen, sollen nicht an dem gesamten Filialnetz und auch nur an Teilen der Produktion Interesse haben. Ob sie den Behörden einen Hygieneplan vorlegen können, der diese überzeugt, dass in Neufahrn schnell wieder gebacken werden darf, ist völlig unklar.

Mancher befürchtet, dass es sich bei dem Vorhaben, auch die Bäckerei wieder betreiben zu wollen, um ein Lippenbekenntnis handeln könnte, um sich im Bieterprozess gut zu positionieren. Und selbst wenn die Pläne ernst gemeint sind, kann sich erst in einigen Monaten zeigen, ob irgendjemand diese Backwaren kaufen und essen möchte. Zwar kaufen wieder mehr Kunden in den Filialen - aber noch immer werben diese damit, gerade keine Waren aus Neufahrn anzubieten. Bei allen Unklarheiten scheint eines höchstwahrscheinlich: dass es keine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter geben wird.

In solchen Übergangsgesellschaften, welche die Unternehmen immer selbst finanzieren müssen, werden Mitarbeiter ein Jahr lang zu annähernd vollen Bezügen gehalten und für Bewerbungen geschult. Mangels Masse sei dafür aber kein Geld da, sagt ein Sprecher der Insolvenzverwaltung, "beim besten Willen nicht". Anders als im Fall Schlecker hat die Insolvenzverwaltung den Staat bisher nicht um finanzielle Hilfe gebeten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die eine Transfergesellschaft oder andere finanzielle Unterstützung von der Politik, insbesondere vom zuständigen Minister Martin Zeil (FDP), fordert, will mit den Müller-Brot-Beschäftigten am Donnerstagvormittag vor Zeils Haus ziehen. Als Auftakt des Showdowns.