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Herziger Erfolg:Weltrekord der Großgründlingler "Bussi-Kühe"

Weltrekordversuch

Reihenweise standen die Freiwilligen Schlange, um sich von Urmel die Backe abschlechen zu lassen - ein Kuss nach Kuh-Art.

(Foto: Lukas Barth)

Ochse Urmel küsst 15 Menschen in einer Minute und ist damit im Januar im Fernsehen in "Heimat der Rekorde" zu sehen

Sie geben nicht nur Milch, sondern sie küssen auch ganz hervorragend und sind deshalb am vergangenen Samstag die Hauptdarsteller in einem Film des Bayerischen Rundfunks gewesen. Nach Flipper, Fury und Lassie erobern jetzt Mucki und Urmel, Mutter und Sohn Fleckvieh, die Herzen der Zuschauer. Denn die beiden hornlosen Rindviecher küssen schleckend auf Befehl menschliche Wangen. Deshalb ist am Samstag ein Team des Bayerischen Rundfunks nach Großgründling in der Gemeinde Nandlstadt gereist und filmte für die Serie "Heimat der Rekorde" die "Bussi-Kühe", die schließlich tatsächlich einen Weltrekord aufgestellt haben.

Ganz genau gesagt war es Ochse Urmel, der tat, was von ihm erwartet wurde. Seine Mutter Mucki hat das Abschlecken nämlich verweigert, Weltrekord hin oder her. Sie habe sich vor dem Dreh unter einem Apfelbaum voll gefressen und sei nun nicht mehr in Schlecklaune, begründete die 22-jährige Annika Müller den Ausfall, sie hat die beiden Rinder von Jugend an trainiert. So schlug Urmels Stunde, der Ochse war ursprünglich nämlich gar nicht als Darsteller vorgesehen. Die Leckerlis aber, die er nach jedem Schlecken bekam, ließen ihn zu Höchstform auflaufen.

In einer langen Reihe hatten sich Freunde, Familienmitglieder und Bekannte von Annika aufgestellt, um einer nach dem anderen von der Kuh über das Gesicht geschleckt zu werden - ein Kuss nach Rinderart. Einer der ersten war Nandlstadts dritter Bürgermeister Gerhard Betz, der sich eine besonders feuchte Variante, bei der der Kuhspeichel nur so durch die Gegend spritzte, holte. Für den Weltrekord musste das Rind innerhalb einer Minute mindestens zwölf Mal die hingehaltene Wangen schlecken. "Urmel, Bussi!" rief Annika ein ums andere Mal und Urmel fuhr seine raue Zunge aus. Überwacht wurde die Show von Olaf Kuchenbecker vom Rekord Institut, der deutschen Variante des Guinness Buchs der Rekorde. Dieses Institut gebe es seit 2014, Ziel sei, "Weltrekorde made in Germany" zu erfassen und die Datenbank aufzufüllen, erklärte Kuchenbecker. Vor allem Rekorde mit Tieren faszinierten die Menschen. 15 Mal in der Minute schaffte es Urmel schließlich, einem Menschen über das Gesicht zu schlecken. Das war eindeutig Weltrekord, jubelten die Menschen am Samstag auf der Wiese.

Für Kuhbesitzerin Annika geht es jedoch um die Freude an den Tieren, das Küssen sei eher ein Zufallsprodukt gewesen, schilderte sie. Da ihre Eltern ihr kein Pferd finanzierten, freundete sie sich vor acht Jahren eben mit Kalb Mucki auf dem Nachbarhof an und begann, es auszubilden und schließlich auf der erwachsenen Kuh zu reiten. Mucki könne auch einen Ball kicken, gehe auf Befehl rückwärts, aber ihr Lieblingskunststück sei das Küssen, schildert die junge Frau, die soziale Arbeit studiert. Mucki wurde auch einmal gedeckt, Sohn Urmel ist jetzt vier Jahre alt und tritt nun in die Klauenstapfen seiner Mutter, wie am Samstag zu sehen war. Milch geben muss Mucki jetzt nicht mehr, sie steht mit Urmel auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb und muss nur noch nett sein. Eine Kuh sei charakterlich ähnlich einem Pferd, sagte Annika Müller, in ihrer Seele ähnlich einem Hund, treu und verschmust. Sie würde gerne ihre Kuh und ihren Ochsen für die tiergestützte Therapie ausbilden, Rinder gebe es dort bisher nicht, bedauert die junge Frau. Aber vielleicht ist die Sendung des BR, die im Januar 2019 ausgestrahlt wird, der Beginn einer neuen Karriere von Mucki und ihrem Sohn Urmel.