Gefährliche Brennhaare Massenwanderung Richtung Baumkrone

Die so genannten Brennhaare, die der Eichenprozessionsspinner im dritten Raupenstadium ausbildet, gefährden die Gesundheit des Menschen.

(Foto: oh)

Stadt warnt vor dem Eichenprozessionsspinner. Dessen Raupen können Reizungen, Ausschläge und Husten verursachen

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Stadt Freising ruft alle Gartenbesitzer im Stadtgebiet dazu auf, eventuell auf ihren Grundstücken stehende Eichen auf einen Befall durch den Eichenprozessionsspinner zu untersuchen. Die Gespinstnester, die von dieser Falter-Art an Stämmen und in Astgabelungen angelegt werden, sind kaum zu übersehen, sollten aber wegen der von ihnen ausgehenden Gesundheitsgefahren auf jeden Fall von Fachleuten entfernt werden, so die Warnung der Stadtverwaltung.

Es ist eigentlich ein beeindruckendes Schauspiel, das die Natur aufmerksamen Beobachtern da bietet: Wenn sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus ihren Nestern zur Nahrungssuche in die Eichenkronen aufmachen, bilden sie mit "bis zu 30 Tieren nebeneinander bandförmige Prozessionen von bis zu zehn Metern Länge", wie sich auf der Homepage der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) nachlesen lässt. Auch die kunstvoll gesponnenen Nester, die aus Spinnfäden, Häutungsresten, Raupenkot und Puppenhüllen zusammengewoben werden, wären bewundernswert, wäre da nicht die Gefahr für Mensch und Tier, die von einem Befall der Bäume durch den Falter ausgeht.

Denn die Brennhaare, die auf dem Weg vom Falter-Embryo bis zur Puppenruhe im dritten Raupenstadium ausgebildet werden, können Haut und Schleimhäute reizen und zu Ausschlägen, Husten und Brennen der Atemwege führen, wie die Stadt Freising warnt. In seltenen Fällen könne es zu Entzündungen der Augenbindehaut kommen. Überempfindliche Menschen würden zudem "in Einzelfällen" zu allergischen Schockreaktionen neigen.

Weil die Härchen leicht brechen, können sie auch in den Gespinstnestern haften oder sich im Unterholz oder dem Bewuchs rund um befallene Bäume verfangen. Auch hier sind Berührungen gefährlich, gleiches gilt für die Häutungsnester der Raupen oder Reste der Verpuppungsgespinste am Boden. Häutungsreste und Brennhaare könnten an Kleidung und Schuhen haften bleiben und so auch in Wohnungen gelangen, warnt auch die LWF: "Selbst Brennholz aus Befallsgebieten stellt einen Risikofaktor dar." Konkreter Anlass für die Warnungen sind die Gespinstnester, die zuletzt auch in Freising vermehrt aufgefallen sind. Der laut LWF-Merkblatt 15 "unscheinbar gefärbte, sehr mobile Falter" ist nachtaktiv und schwärmt von Juli bis August, teils bis in den September. Die Eiablage erfolgt vorwiegend im oberen Kronenbereich der Eichen, wo sich der Embryo noch im Herbst entwickelt. Die fertige Jungraupe überwintert im Ei und übersteht Wintertemperaturen von bis zu minus 28 Grad. Ende April/Anfang Mai schlüpfen die Raupen und schließen sich zu den Prozessionen zusammen, die der Falterart ihren Namen gegeben haben. Von Mitte Juni bis Anfang Juli schließlich verpuppen sich die Altraupen und spinnen sich für eine drei bis fünf Wochen dauernde Puppenruhe in die derzeit auch in Freising zu sehenden Nester ein.

Grundsätzlich komme der Eichenprozessionsspinner an nahezu allen Eichenarten vor, informiert die Stadtverwaltung, befallen seien meist freistehende, ältere Bäume am Waldrand, auf Feldern oder Wiesen. Die Stadtgärtnerei überprüfe derzeit alle auf öffentlichem Grund erfassten Eichen und lasse Gespinstnester durch eine Fachfirma absaugen. Privatleute, die einen Befall feststellen, sollten diesen dem Ordnungsamt melden, damit eine fachgerechte Entfernung eingeleitet werden könne, so der Appell aus der Verwaltung. Aufgrund der Gefahr, die Raupenhärchen dabei zu verteilen, sollten die Gespinste in keinem Fall selbst entfernt werden. Ansonsten aber gilt auch in Freising trotz allem: "Kein Grund zur Panik."

Das Ordnungsamt ist zur Meldung von Gespinstnestern telefonisch (0 81 61/5 44 32 04) oder per Mail zu erreichen (ordnungsamt@freising.de). Das Merkblatt der LWF gibt es im Internet (www.lwf.bayern.de) und in gedruckter Form im Bürgerbüro und bei der Touristoinformation.