Freising "Ozapft is!"

Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher vergeudet keinen Tropfen des süffigen Festbieres. Beim Festzug durch die Stadt gehören die Startbahngegner von Aufgemuckt schon zur guten Tradition

Von Peter Becker, Freising

Wenn die Trommel ruft, dann stehen alle wieder am ersten Freitag im September parat: Oberbürgermeister nebst Ehefrau, Landrat, Stadträte und Musikkapellen ziehen vom Marienplatz über die Untere Hauptstraße und die Hochtrasse zur Festwiese, um dort das Volksfest zu eröffnen. Das 85. war es diesmal und nach drei Schlägen verkündete Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zur großen Freude der ersten durstigen Festgäste: "Ozapft is!"

Hunderte von Zuschauern, zum Teil in Tracht, zum Teil normal gewandet, säumten vor allem die Untere Hauptstraße. In Wagen drei der Kolonne saßen Stadträte, dahinter folgten in einer Kutsche Landrat Josef Hauner sowie Tobias und Nergiz Eschenbacher. Sie alle warfen Kamelle unters jubelnde Volk. Hinter der Kutsche her marschierten die Landtagsabgeordneten Florian Herrmann und Benno Zierer. Letzterer grüßte mit einem herzhaften "Grüß Euch" zu den Zuschauer hinauf, die vom Balkon der Sparkasse einen besonders guten Überblick auf den Festzug genossen. In Höhe der Weizengasse huschte Bezirksrätin Marianne Heigl im Dirndl herbei und reihte sich in die Reihe der politischen Prominenz ein.

Ein Festzug durch die Stadt mit Trommelwirbel: Spätestens jetzt weiß jeder, dass in Freisinger wieder Volksfestzeit ist.

(Foto: Lukas Barth)

Auf der Hochstraße dünnt sich die Schar der Zuseher zunehmend aus. Den Platz nutzten Aktivisten von Aufgemuckt, um auf einem Transparent gegen den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen im Erdinger Moos zu demonstrieren. Ein paar Kamelle flogen auch den Demonstranten entgegen. An ihrer Anwesenheit störte sich niemand. Diejenigen, welche die Botschaft im Vorbeifahren gelesen haben, sind ohnehin keine Freunde der Flughafenerweiterung.

"Vor 17 Uhr geht nix", beschwichtigte Eschenbacher durstige Seelen, die sehnsüchtig den ersten Schlucken "flüssigen Goldes", wie der OB das Bier bezeichnete, herbeisehnten. Er wisse noch gar nicht, wie das Festbier schmecke, gestand er. Bei der Probe war er nicht dabei. Vom Hörensagen wisse er aber, dass es recht gut schmecken solle. Eschenbacher bedankte sich in seiner Festrede bei allen, die im Vorfeld dabei geholfen hatten, das 85. Freisinger Volksfest zu organisieren. Insbesondere natürlich Erich Bröckl, der sich seit einem Vierteljahrhundert im Dienste der Stadt hingebungsvoll dieser Aufgabe widmet. Eschenbacher wünschte Hubert Hierl, der als Kulturreferent vom Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer die Obhut über das Volksfest übernommen hat, eine "gute Premiere".

Drei Schläge: Mehr hat der Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher nicht gebraucht, um das erste Fass anzuzapfen.

(Foto: Lukas Barth)

"Ein süffiges Bier, resche Brezn und fesche Madeln" sind laut Hierl die besten Zutaten für ein Gelingen eines Volksfests. "Das alles haben wir", verkündete der Kulturreferent in seiner Antrittsrede. Allmählich dauerte es doch dem einen oder anderen Zuschauer zu lang. Nach einem ermunterndem "Auf geht's" aus der Menge griff Eschenbacher endlich zum Schlegel. Nach drei kurzen Schlägen war das erste Fass angezapft - ohne einen Tropfen zu vergeuden.

Auf dem Festplatz gaben sich indes die ersten Volkstestbesucher dem Vergnügen hin. Die Musik dröhnte, die Karussells drehten sich. Derweil plagte manchen Besucher gewichtige Sorgen. "Was essen wir denn heute Abend? Schweinswürstel?", fragte einer seinen Spezl. Die unbefriedigende Antwort lautete: "Ich weiß es nicht."